Drei englische Flieger finden 1944 den Tod / Heinrich Stöver ein Zeitzeuge

Bomber stürzt auf Pestinghauser Weide

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Eine Lancaster der 207.englischen Bomberstaffel.

Pestinghausen - Von Dieter Niederheide. Es war in der Nacht vom 19. auf den 20.Februar 1944, als in Pestinghausen Fensterscheiben zerbarsten und Dächer teilweise abgedeckt wurden. Was war geschehen? Ein brennender englischer Bomber vom Typ Avro Lancaster EE126 war auf einer Weide des Ortes abgestürzt. Das Ziel war eigentlich Leipzig.

Zeitzeuge Heinrich Stöver (87), ehemaliger Landwirt, schildert: „Wir saßen damals im Keller.“ Er weiß, dass die abgeschossene Maschine über Pestinghausen noch eine Luftmine abgeworfen hat. Am nächsten Morgen habe er die Trümmer des ausgebrannten Bombers auf der Weide gesehen.

Für Luftfahrthistoriker Volker Urbansky (Cloppenburg) war Heinrich Stöver, der vom Heimatforscher Ulrich Dannemann (Heiligenfelde) als Zeitzeuge ausfindig gemacht wurde, eine große Hilfe bei der Erforschung dieses Flugzeugabsturzes. Stöver konnte ihn 72 Jahre später zur Absturzstelle auf der Weide in Pestinghausen führen. Drei der sieben englischen Flieger fanden bei dem Absturz den Tod. Die Anderen retteten sich mit dem Fallschirm aus 4000 Metern Höhe.

Überlebender (94)

heute in Neuseeland

Wie der Luftfahrthistoriker ermittelte, waren es 832 englische Bomber, die 1944 zum Luftangriff auf Leipzig starteten. 78 kehrten nicht in die Heimat zurück.

Unter den viermotorigen Bombern war auch die Avro Lancaster EE126 der 207.Bomberstaffel. Sie war um 23.54 Uhr vom englischen Luftwaffenstützpunkt Spilsby, der heutigen Partnerstadt Bassums (seit 2010) zu der Pestinghausen gehört, mit sieben Besatzungsmitgliedern gestartet. Der Einsatz des Bombers endete mit dem dramatischen Absturz auf der Weide in Pestinghausen.

Luftfahrthistoriker Urbansky hat schon 130 Flugzeugabstürze erforscht. Bei seiner Arbeit in der Region bekam er von Ulrich Dannemann Unterstützung und fand heraus, dass die englische Maschine bereits auf dem Hinflug nach Leipzig bei Meppen in die Lichtkegel von Suchscheinwerfern geraten war, von Nachtjägern der Luftwaffe verfolgt, angegriffen und in Brand geschossen wurde.

Volker Urbansky hat im August 2015 mit einem Metalldetektor die Unglücksstelle abgesucht und dabei eindeutige Fragmente des Lancaster-Bombers sichergestellt. Mit Abschussdokumenten konnte er den genauen Ort lokalisieren. Damit ist der Absturz aufgeklärt und kann nun dem Niedersächsischen Landesamt für Archäologe und Denkmalpflege mitgeteilt werden.

Aus der ausgebrannten Maschine wurden damals drei Leichen geborgen. Sie ruhen heute auf den englischen Friedhöfen in Sage bei Oldenburg und Becklingen bei Soltau.

Den Cloppenburger Urbansky interessieren neben den Fakten auch die menschlichen Schicksale. So hat er im Fall des Bomberabsturzes von Pestinghausen ebenfalls versucht, noch lebende Besatzungsmitglieder oder deren Angehörige ausfindig zu machen. Das gelang ihm.

In Christchurch in Neuseeland machte er den letzten noch lebenden Flieger des Bombers, den heute 94-jährigen Maurice Askew, ausfindig. Der, so Ulrich Dannemann im Gespräch mit dieser Zeitung, sei überwältigt gewesen von der Nachricht, dass nach so vielen Jahren die Absturzstelle noch lokalisiert wurde.

In einer Biografie ist der einstige englische Flieger und heutige Künstler mit eigenem Atelier eingehend auf die Umstände des damaligen Absturzes in Pestinghausen eingegangen. Er hatte sich per Fallschirm retten können und war gefangen genommen worden. Die akribischen Recherchen des Luftfahrthistorikers Urbansky wurden vor wenigen Wochen in Chicago (USA) veröffentlicht.

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