Dorfladen in Nordwohlde geschlossen / Hausbesitzer und Kaufmann Friedrich Niehaus wünscht sich einen Nachfolger

Das Ende von „Klein Karstadt“

Den Dorfladen in Nordwohlde gibt es seit 1890.
+
Den Dorfladen in Nordwohlde gibt es seit 1890.

Nordwohlde - Von Frauke Albrecht. Der Dorfladen in Nordwohlde hat endgültig seine Türen geschlossen, und derzeit sieht es nicht so aus, als würde Ehepaar Niehaus einen Nachfolger für den ziehenden Pächter Kalim Khan finden. Damit endet eine 124-jährige Tradition.

Seit 1890 gibt es in dem kleinen Ort ein Geschäft, „früher war es ein Landhandel“, erzählt Friedrich Niehaus. Seinem Großvater ist es zu verdanken, dass die Nordwohlder bis vor Kurzem noch alles kaufen konnten, was sie für den täglichen Bedarf benötigten. „Mein Großvater hat gesehen, dass sich das Dorf erweitert und daraufhin Grundstücke verkauft, um ein Haus zu bauen und einen Laden zu eröffnen – er sagte immer, um damit Geld zu verdienen“, erinnert sich Niehaus.

Der zweistöckige Lagerschuppen wurde verpachtet an Friedrich Wickbrand.

Auch der Vater von Friedrich Niehaus sah das Potenzial und wollte, dass einer der drei Söhne Kaufmann wird. „Ich wollte eigentlich zum Militär. Doch ich musste in die Lehre gehen“, erinnert sich der 82-Jährige. Für seine Brüder hatte der Vater ebenfalls Pläne, einer wurde Landwirt, der andere Schlosser.

Nach seiner Lehrzeit sammelte der junge Friedrich Niehaus Erfahrung im kaufmännischen Bereich, unter anderem in Stuhr und später im Landhandel Strahmann in Barnstorf.

Dann wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. Er nahm einen Kredit auf und eröffnete mit 21000 Mark Startkapital am 28. September 1954 den Dorfladen in Nordwohlde. Im Angebot hatte er alles, was man zum Leben braucht, angefangen von Petroleum über Eisenwaren, Draht bis hin zu Herden und Lebensmitteln.

„Es gab nichts, was wir nicht hatten“, erinnert sich seine Frau Margret. „Man nannte uns auch Klein-Karstadt“, sagt sie lächelnd. „Die Leute konnten alles bekommen. Was es nicht gab, wurde besorgt.“ Egal, ob es nun Hüfthalter, Schürzen oder Spielwaren waren. Spätestens ein bis zwei Tage nach der Bestellung waren die Waren da – und die Kunden glücklich.

Das Geschäft der Familie war der zentrale Anlaufpunkt in Nordwohlde, der Ort, an dem die Strippen zusammenliefen – im wahrsten Sinne des Wortes. Auch die Post und die Telefonstelle waren dort zu finden, ebenso die Sparkasse.

Bis zum Jahr 2000 konnte die Familie von dem Einkommen gut leben. „Wir hatten zum Schluss einen Umsatz von 890000 Mark“ so Niehaus.

Der Erfolg sei auch eine Frage der Kalkulation gewesen, ist er überzeugt. „Preislich haben wir uns nicht nach den Supermärkten gerichtet. Ich habe vernünftig kalkuliert.“ Das heißt: Was ständig lief und Umsatz brachte, wurde niedrig angesetzt.

Trotz Verkäuferinnen und Lehrlingen musste auch Ehefrau Margret im Laden helfen. Das tat sie allerdings gern. Die gelernte Verkäuferin war die Seele des Geschäftes. Verkaufen liegt ihr im Blut – bereits mit zwölf Jahren half sie für zwei Mark am Marktstand ihres Onkels in Bremen aus.

„Es war eine schöne Zeit, wir haben den Laden mit Leib und Seele geführt. Es war aber auch viel Arbeit“, blickt die Geschäftsfrau zurück. Urlaub kannte das Paar nur vom Hörensagen. Deshalb war im Jahr 2000 Schluss. „Wir wollten unseren Ruhestand genießen.“

Dennoch war die Freude groß, als sie einen Nachfolger fanden. Doch hatten die späteren Pächter nicht ganz so ein glückliches Händchen wie Ehepaar Niehaus. Nun scheint es, dass Nordwohlde endgültig auf seinen Tante-Emma-Laden verzichten muss.

„Wir werden so oft von Anwohnern angesprochen, dass es weitergehen soll. Aber ich weiß nicht wie“, bedauert Niehaus. Seine Frau war kurzfristig sogar bereit, zumindest den Brötchenverkauf weiter zu betreiben, bis ein Nachfolger gefunden ist. Doch rieten ihre Töchter davon ab. „Mama, tu Dir das doch in deinem Alter nicht mehr an“, haben sie gesagt.

Friedrich Niehaus möchte sich noch nicht geschlagen geben. Er hat den Wirtschaftsförderer des Landkreises, Matthias Striek, angesprochen, Kontakt zur Stadt Bassum gesucht und bei Edeka selbst vorgesprochen – bisher ohne Erfolg.

„Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist es wichtiger denn je, kleine Läden in den Ortsteilen zu erhalten“, ist er überzeugt.

Er würde Interessierten mit seinem Rat zur Seite stehen. Auskünfte erteilt Friedrich Niehaus gern unter Tel. 04249/381.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Im Alter mit Hilfsmitteln flexibel bleiben

Im Alter mit Hilfsmitteln flexibel bleiben

25 Jahre Renault Sport Spider

25 Jahre Renault Sport Spider

"Missão Final" geht weiter: RB Leipzig entzaubert Atlético

"Missão Final" geht weiter: RB Leipzig entzaubert Atlético

Ölkatastrophe auf Mauritius

Ölkatastrophe auf Mauritius

Meistgelesene Artikel

Schützenkorps Diepholz bastelt Miniatur-Fest

Schützenkorps Diepholz bastelt Miniatur-Fest

Deichweg zum Teil für Radfahrer gesperrt

Deichweg zum Teil für Radfahrer gesperrt

Sommer genießen – aber mit Umsicht

Sommer genießen – aber mit Umsicht

Rauschkolb: „Zwei tolle Mitarbeiterinnen“

Rauschkolb: „Zwei tolle Mitarbeiterinnen“

Kommentare