Ein Dorf im Wandel der Zeit

Heimatverein Albringhausen bringt Chronik zum 950-jährigen Dorfjubiläum heraus

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Die Mitglieder des Arbeitskreises sind stolz auf ihr Werk (v.l. stehend): Herbert Rusch, Ralf Meyer, Ludwig Orths, Jürgen Laschinski und Heinrich Heitböhn. Sitzend, v.l.: Heinz Lehmkuhl, Ursel Klenke und Johann Wachendorf.

Albringhausen - Von Frauke Albrecht. „Ich habe doch glatt meinen Sohn vergessen.“ Jürgen Laschinski schüttelt lachend den Kopf. „Wir haben nun wirklich sehr akribisch gearbeitet und fast an alles gedacht. Aber eben nur fast. Es gibt keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, so der Ortsvorsteher aus Albringhausen. Ludwig Orths ergänzt: „Und wir bitten schon jetzt um Entschuldigung, wenn wir jemanden vergessen haben.“

Ein ganzes Jahr lang hat der neunköpfige Arbeitskreis Dorfchronik des Heimatvereins, zu dem Ursel Klenke, Ralf Meyer, Heinz Lehmkuhl, Jürgen Laschinski, Heinrich Heitböhn, Herbert Rusch, Ludwig Orths, Erich Westermann und Johann Wachendorf gehören, an dem Werk gearbeitet. Rechtzeitig vor Weihnachten kam das gebundene Buch auf den Markt.

Auf mehr als 200 Seiten ist die Geschichte des Dorfes nachzulesen. Das Besondere: Jedes Haus ist mit Bild abgebildet – farbig auf Hochglanzpapier. Auch sind sämtliche Hausbewohner aufgelistet – ehemalige wie aktuelle (mit Ausnahmen). Seinen Sohn, der seit Langem nicht mehr zu Hause wohnt, hat der Ortsvorsteher glatt unterschlagen. „Das fiel mir auf, als ich ihm das Buch zu Weihnachten schenken wollte.“

Die Familie nahm es mit Humor. „In der Chronik steckt wirklich viel Arbeit drin“, berichtet Laschinski, der besonders Ursel Klenke für die Schreibarbeit dankt.

Historische Auflistung um viele Geschichten ergänzt

Das Buch knüpft an die bereits vorhandene Chronik an, die Friedhelm Schoof einst erstellt hat. Laschinski: „Wir haben die geschichtlichen Daten nicht infrage gestellt, sondern übernommen.“ Aber die Gruppe hat die historische Auflistung um viele interessante Geschichten ergänzt. So findet der Leser nicht nur die Geschichte des Ortes, sondern auch Anekdoten über das Leben der Bewohner. Ein Kapitel handelt beispielsweise vom Handel, Handwerk und Gewerbe in früheren Zeiten. Es gab Schneider, Tischler, Schuster, Viehhändler und Hausschlachter in Albringhausen.

Bereits 1916 gab es einen Kaufmannsladen – in Haus Nummer 14. Das erste Telefon kam 1910. Eine Batterie am Telefon sorgte für die Stromversorgung. „Wenn man an der Kurbel drehte, klingelte es bei allen Anschlüssen. Damit zu erkennen war, mit wem man sprechen wollte, hatte jeder Anschluss ein eigenes Klingelzeichen“, heißt es.

Einige Mitglieder des Arbeitskreises haben ihre Kindheitserinnerungen zu Papier gebracht, Heinz Lehmkuhl etwa. Er erzählt von der Not, die während des Krieges und der Zeit danach herrschte. Und von den kleinen Tricksereien, mit denen sich die Menschen halfen.

So berichtet er beispielsweise über die Zeit des Schwarzschlachtens, obwohl es verboten war. Die Schwierigkeit bestand darin, den Fleischbeschauer auszutricksen, der jedes Schwein abstempeln musste. Während der „Trichinenkieker“, so nannte man den Prüfer, mit seinem Mikroskop das Fleisch untersuchte, bekam auch das versteckte Tier seinen Stempel aus dem Stempelkasten, den der Fleischbeschauer mitgebracht und irgendwo abgestellt hatte. Es soll vorgekommen sein, dass jemand dem Prüfer aus Versehen zwei gleiche Schweinehälften hinstellte, sodass das Tier zwei Schwänze hatte.

Erinnerung an Feste, Klassentreffen und urige Originale

„Die Not war so groß, dass man beim Schlachten sogar das Wasser vom Wurstkochen nicht wegschüttete, sondern noch für Suppen verwendete... Das Wort Verfalldatum kannte man damals nicht“, erinnert sich Lehmkuhl. Es wurde nichts weggeworfen, was nur halbwegs essbar war.

Die Chronik erinnert aber auch an schöne Zeiten, an Feste, Klassentreffen und an urige Originale wie Anna Landwehr, „die die es wunderbar verstand, Ereignisse und Malheurchen des Jahres zu sammeln und in Reime zu bringen“ – op Platt, versteht sich.

Auch die Vereine und Gemeinschaften des Ortes sind aufgelistet.

Insgesamt hat der Arbeitskreis 300 Exemplare drucken lassen. Das Buch kostet 30 Euro und ist beim Heimatverein und im Bürgerservice der Stadt erhältlich.

Damit ist die Arbeit nicht getan: Das Jubiläumsjahr hat schließlich erst begonnen. In diesem Jahr feiert Albringhausen sein 950-jähriges Bestehen. Für das Wochenende des 8. und 9. Septembers ist eine große Feier mit einem historischen Bauernmarkt geplant.

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