In Dimhausen gibt es nur noch vier sogenannte Dachhäuser / Eines davon gehört Ehepaar Leopold

Eine schmucke Haube aus Reet

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Bauherr Carsten Leopold (an der Leiter) mit Dachdeckermeister Dieter Müller (r.) und dessen Gesellen.

Dimhausen - Von Heiner Büntemeyer. In Groß Henstedt und Dimhausen gibt es noch vier „Dachhäuser“, wie die mit Stroh oder Reet gedeckten Häuser einst in unserer Region bezeichnet wurden. Eines davon trägt seit einigen Tagen wieder eine neue Haube aus Reet, das im Donaudelta geerntet wurde.

Dieses ehemalige Häuslingshaus erwarben Ina Rogge-Leopold und ihr Ehemann Carsten Leopold vor nunmehr 17 Jahren. Es gehörte ursprünglich zum Hof Bruns. In diesen Häuslingshäusern wohnten die Mitarbeiter des Hofes, die sogenannten „Häuslinge“. Sie mussten auf dem Hof mitarbeiten, durften aber auch Vieh für den Eigenbedarf halten und kleine Ackerflächen selbst bewirtschaften, wenn die Arbeit auf dem Hof erledigt war.

Einige Jahre, bevor Leopolds das Haus erwarben, war es mit Reet neu eingedeckt worden. Diese Bedachung hätte wohl auch noch einige Jahre der Witterung stand gehalten, doch seinerzeit spielten beim Bau energetische Überlegungen noch keine Rolle. Das hat sich geändert, deshalb entschlossen sich Leopolds, die inzwischen 37Jahre alte Bedachung zu entfernen und durch neues Reet zu ersetzen.

Glücklicherweise zeigte der 112 Jahre alte Dachstuhl noch keinen Verschleiß. Daher konnte die neue Aufsparrendämmung direkt auf das alte Holz geschraubt werden, das Dach wurde dadurch jedoch 14Zentimeter höher.

Auf die neue Lattung deckten Strohdachdeckermeister Dieter Müller und seine Gesellen von der Firma Wellbrock aus Hambergen das neue Reet.

Für die rund 300 Quadratmeter Dachfläche wurden 2600 Bunde Reet verarbeitet. Auf die auf „Zimmermanns-Hammerlänge“ auseinander liegenden Sparren wurde mit Vorstecknadel, krummer und gerader Nadel das Reet festgebunden und mit dem Klopfer in die richtige Form gebracht.

So arbeitete sich das Team allmählich nach oben. Halt fanden die Dachdecker bei ihrer Arbeit auf „Stühlen“, die aussehen wie kurze Treppen und mit zwei gebogenen Zinken in das fertige Strohdach gesteckt werden.

Die Funktion, die auf normalen Dächern die Firstpfannen übernehmen, übernimmt auf diesem elegant geschwungenen Weichdach ein dicker Heidefirst. Auch unterhalb der „Fledermausgaube“ wurde ein Heidesaum eingearbeitet. Der Schornstein erhielt eine Kupferblech-Einfassung.

Einschließlich Abriss der alten Bedeckung dauerten die Arbeiten insgesamt etwa vier Wochen. Vier Wochen, in denen das Haus nur durch eine blaue Folie vor der Witterung geschützt war. „Wir haben mächtig viel Glück gehabt“ erklärt Carsten Leopold, denn rechtzeitig vor dem stürmischen Wetter konnte das Haus geschlossen werden.

Derzeit wird das ganze Dach noch einmal „geputzt“, wobei abstehende oder zu lange Halme gestutzt oder geschnitten werden. Dann wird die hölzerne Verblendung auf die noch sichtbaren Balken genagelt. Auch dabei muss sorgfältig gearbeitet werden, erklärt der Hausherr. Der Lochbrettwinkel aus Kupferblech müsse frei bleiben, denn dieser sorgt für die Luftzirkulation, damit die Unterseite des Daches gelüftet wird. Sonst fängt das Reet an zu schimmeln.

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