Liebe auf den ersten Blick

Zotteln mit langen Hörnern: Familie Diers züchtet schottische Hochlandrinder

Knuddelig sehen die Kälber aus. Der Schnee, der noch vor ein paar Tagen auf den Feldern lag, macht schottischen Hochlandrindern nichts aus. Herbert Diers züchtet diese Rasse seit 1989.
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Knuddelig sehen die Kälber aus. Der Schnee, der noch vor ein paar Tagen auf den Feldern lag, macht schottischen Hochlandrindern nichts aus. Herbert Diers züchtet diese Rasse seit 1989.

Als die Annegret und Herbert Diers aus Stühren zum ersten Mal ein Schottisches Hochlandrind gesehen haben, waren sie sofort angetan. Mittlerweile züchten sie die Highland Cattles seit mehr als 30 Jahren.

Stühren – Ob Regen oder Schnee, Wind oder Sonnenschein – die Rinder von Herbert Diers aus Stühren stehen bei jeder Witterung auf der Weide. Wobei Kälte noch ihr liebstes Wetter ist, denn die Highland Cattles kommen ursprünglich aus dem äußersten Nordwesten Schottlands, wo sie bei rauem Klima ganzjährig draußen gehalten werden.

OrtsteilStühren
StadtBassum
Fläche8,33 km²
Einwohner300

Schottische Hochlandrinder sind besonders robust. Eine dicke Haut schützt sie vor Nässe, eine im Herbst angefressene Fettschicht und das dicke Fell vor Kälte. Ihre Haut ist so isolierend, dass Schnee sogar auf ihrem Fell liegen bleibt. Die urwüchsigen Rinder mit dem langen zotteligen Fell sind auf jeden Fall ein Hingucker. Die imposanten Hörner mit Spannweiten von bis zu 1,40 Metern lassen sie majestätisch aussehen, und die Kälber, die an Teddybären erinnern, faszinieren Spaziergänger jeden Alters. Auch Herbert Diers hat sich beim ersten Anblick in diese Tiere verliebt. Als er 1989 von der Kreistierschau in Heiligenfelde nach Hause kam, schwärmte er seiner Frau vor: „Ich habe da was ganz Tolles gesehen, das musst du dir unbedingt ansehen!“

Gesagt, getan. Auch Annegret Diers war sofort angetan von den Highlands – auch wenn ihr die Hörner anfangs Angst machten, wie sie heute zugibt. Noch im selben Jahr kauften Diers zwei tragende Kühe und ein Kalb von einem Züchter aus Schleswig-Holstein. „Canach of the brand“ und „Catriona 6th of Esslington“ waren der Anfang der Zuchtherde „vom Stührener Berg“, aus der in den vergangenen 31 Jahren etliche Nachkommen hervorgegangen sind und in ganz Europa verkauft wurden. Allein Canach und Catriona wurden 25 und 20 Jahre alt und brachten jährlich gesunden Nachwuchs zur Welt.

Schottische Hochlandrinder: Einer der ersten Züchter in Niedersachsen

Herbert Diers war einer der ersten Züchter in Niedersachsen. „Ich fand es toll, dass die Rinder das ganze Jahr draußen bleiben können“, erzählt er. Das konnte sich damals kaum ein Landwirt vorstellen. Übrigens auch nicht sein Vater, erinnert sich der Stührener. Nach der Geburt des ersten Kalbes waren Diers dann selbst überrascht, denn es war nicht rotbraun wie seine Mutter, sondern weiß. „Schottische Hochlandrinder gibt es in den Farben rotbraun, blond, schwarz, und selten auch in weiß oder grau“, erklärt Annegret Diers, die gern mal ein graues Kälbchen hätte. Das ließe sich aber züchterisch kaum beeinflussen, erklärt sie.

Egal, ob braun, schwarz oder grau, charakterlich gleichen sich alle Highland Cattles. Sie strahlen Ruhe aus und sind sehr zutraulich. „Auch wenn die Hörner Eindruck machen, die Tiere sind lammfromm“, sagt Herbert Diers und ergänzt: „Die Bullen sind sogar noch lammfrommer.“ Kühe könnten dagegen manchmal etwas zickig werden, besonders, wenn sie Kälber haben.

Imposante Erscheinung, doch laut Diers sollen die Tiere recht friedlich sein.

„Die Kühe kennen uns aber gut und lassen uns an ihre Kälber ran,“ berichtet Herbert Diers. Geboren werden die Kleinen auf der Weide, wobei die Kühe in den meisten Fällen keine menschliche Hilfe benötigen. Da bei der Zucht auf Natursprung gesetzt werde, wissen die Züchter nicht auf den Tag genau, wann eine Kuh kalbt. „Wir beobachten sie ganz genau und merken es an ihrem Verhalten, wenn es so weit ist“, erzählt Annegret Diers, die die Kühe an diesen Tagen besonders im Blick hat. „Wenn es länger als eine Stunde dauert, weiß ich, dass es kritisch wird und wir eventuell helfen müssen.“ Das Kalb wird dann sieben bis acht Monate von der Mutter gesäugt.

Schottische Hochlandrinder: Regelmäßig auf der Grünen Woche dabei

Weil die Rinder Herdentiere sind, sollte man sie nicht einzeln halten, verdeutlicht Herbert Diers, dessen Herde momentan etwa 50 Tiere umfasst. Das zahme Gemüt hilft sowohl dem Züchter als auch den Rindern bei den vielen Veranstaltungen, die sie besuchen. „Unsere Tiere sind schauerfahren“, berichtet Herbert Diers. Regelmäßig ist er mit ihnen auf der Grünen Woche, nimmt an regionalen und überregionalen Rasseschauen teil. Aus der Herde „vom Stührener Berg“ sind schon etliche Preisträger hervorgegangen.

Wie so vieles fand auch der Schönheitswettbewerb der Rinder im vergangenen Jahr virtuell statt. Diers brachte er drei hohe Preise ein: zwei erste und einen vierten Platz. Auf die Platzierungen bei der Bundesrasseschau ist Diers besonders stolz, denn seine Tiere haben sich ohne das Zufüttern von Kraftfutter so toll entwickelt. „Leider machen das nicht alle Züchter so“, ärgert er sich. „Das Zufüttern ist nicht artgerecht. Extensive Hochlandrinderhaltung und Kraftfutter passen einfach nicht zusammen.“

Wenn sie gesundheitlich fit sind, lassen Diers die Tiere eines natürlichen Todes sterben. Das sei dann oftmals auch traurig, wie etwa bei Artus, der 20 Jahre alt wurde und immerhin auch schon Bundessieger war. „Unser Ziel war es von Anfang an, Zuchttiere zu verkaufen, und wir haben schon Tiere nach Italien, Polen, Lettland und Finnland verkauft.“

Das Schlachten der Tiere ist darum die Ausnahme. „Als wir mit unseren zwei Kühen angefangen haben, haben wir ursprünglich gar nicht daran gedacht, sie zu essen“, erzählen sie. Heute schlachten sie ein bis zwei Tiere im Jahr für den Eigenbedarf. Auch wenn die Rinderhaltung Arbeit mit sich bringt, ist sie für Herbert Diers mehr Hobby als Mühe. „Wenn ich einen total stressigen Tag hatte, stelle ich mich für zehn Minuten in die Weide zu den Tieren – das ist dann Entspannung pur“, erzählt der Nebenerwerbslandwirt, der ansonsten Anwendungstechniker im CNC-Bereich ist.

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