Bassumer bekommt Mail von einer Russin und fällt Wochen später von Wolke sieben

„Die wollten mich abzocken“

Bassum - Von Frauke Albrecht. Der Weg von Wolke sieben in die Realität ist manchmal schmerzhaft. Diese Erfahrung machte Horst R. aus Bassum. Wochenlang schrieb er sich mit einer jungen Russin, so dachte er zumindest. Horst schmiedete bereits Pläne und malte sich die Zukunft in den schönsten Farben aus.

Er wollte seine Angebetete mit Namen Valeria nach Bassum holen, mit ihr ein neues Leben aufbauen und ihr einen Job als Krankenschwester besorgen. Die Seifenblase platzte jäh, als Valeria eines Tages in einer Mail schrieb, dass sie Geld benötigt – 580 Euro, um genau zu sein. Da wurde Horst misstrauisch. Er schrieb zurück, dass er ihr nicht helfen könne. Sein Auto müsse nämlich noch durch den Tüv. „Seitdem ist Funkstille“, erzählt der Bassumer. Keine Mail, kein Lebenszeichen mehr von Valeria. Nach dem ersten Schock dämmerte ihm: „Die wollten mich abzocken.“ Nun möchte er andere vor dieser Masche warnen. Im Rückblick betrachtet könne er sich über sich selbst nur wundern, sagt er. Er sei so leichtgläubig gewesen.

Im März fing es an, er erhielt plötzlich eine Mail von einer Frau. „Ein Irrläufer“, sagt er. Sie hätte ihm versichert, dass sie nicht wisse, wie sie zu ihm gekommen sei. Horst freute sich. Er ist alleinstehend und sucht seit Jahren eine Partnerin. Die beiden kamen ins „Gespräch“. Die Mails wurden privater, mit jedem weiteren Kontakt wickelte Valeria den Bassumer mehr um den Finger. Die Zeilen hat er aufgehoben – seitenweise.

Sie sei Krankenschwester. Eine unverstandene Seele, auf der Suche nach ein bisschen Glück. Sie könne sich nicht selbst beschreiben. dazu sei sie viel zu bescheiden. Sie tat es dann doch mit den Worten ihrer Mutter: Die hätte immer behauptet, Valeria sei zu lieb, müsse lernen, sich durchzusetzen. Horst war hin und weg. Valeria setzte noch einen drauf: Ihre Mutter sei in einem Bus erschossen worden, ihr Vater als Soldat in die Ukraine zurückgekehrt. Sie lebe bei einer Tante in Russland.

Nach drei Monaten dann wollte Valeria nach Bassum kommen. Doch plötzlich forderte sie 580 Euro. „Für den Flug und ein Visum. Vorher haben wir nie über Geld gesprochen“, so der Bassumer. Er solle das Geld am besten über Western Union überweisen, versehen mit einem zehnstelligen Zahlencode.

Horst zahlte nicht. Zum Glück, meint Arno Zumbach, Pressesprecher der Polizeiinspektion in Diepholz. In diesen Fällen gehe es meist um Abzocke. Es sei ein Leichtes für die Betrüger, an Mailadressen zu kommen. Sie probieren es auf gut Glück. Hinter den Unbekannten stecken meist ganze Banden, die sich darauf spezialisiert haben.

„Wir haben immer wieder mal solche Fälle“, sagt Zumbach. Er ist überzeugt, dass viele Opfer sich aus Scham nicht trauen, zur Polizei zu gehen. Demnach gebe es kaum verlässliche Zahlen über die Fälle. Sein Rat: Erst gar nicht auf solche Mails antworten. „Wer es dennoch tut: Auf keinen Fall Geld bezahlen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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