Repariert: Die Uhr der Bassumer Stiftskirche

Nach über 100 Jahren lässt sie immer noch die Zeit erklingen

Das Uhrwerk im Kirchturm stammt aus dem Jahr 1912.
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Das Uhrwerk im Kirchturm stammt aus dem Jahr 1912.

Bassum – Zurzeit lebt Bassum in der Zukunft. Und zwar etwa sechs Minuten. Zumindest, wenn es nach der Turmuhr der Stiftskirche geht. Denn die freut sich über das neue Ersatzteil an ihrem Pendel offenbar so sehr, dass sie etwas zu schnell tickt. Aber Heino Raven hat den übermütigen Zeitanzeiger genau im Blick. „Da muss ich noch ein bisschen nachjustieren“, meint der Küster der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde schmunzelnd.

Er ist auch derjenige, der die kaputte Uhr wieder zum Laufen gebracht hat.

Es ist ein beeindruckendes Werk der Technik, dass sich im Turm der Stiftskirche verbirgt. Zahlreiche verschieden große Zahnrädchen, die ineinandergreifen, vier mächtige Gewichte und ein Ziffernblatt mit römischen Zahlen. „Sie wurde 1912 von der Turmuhrenfabrik Korfhage in Melle hergestellt. Die gibt es heute noch. Allerdings hatte die Kirche auch schon vorher eine Uhr, wie Aufzeichnungen aus dem Jahr 1866 belegen“, weiß Raven, der so ein bisschen zum Herrn der Zeit avanciert ist.

Doch Ravens Tätigkeit ist deutlich einfacher als die seiner Vorgänger. Bevor die Kirche nämlich 1991 Spenden für einen Motor sammelte, musste ein Küster einmal in der Woche die 72 Stufen in den Turm hinaufsteigen, um die Uhr mithilfe der vier Gewichte aufzuziehen. 800 Umdrehungen waren dazu nötig.

Als der Motor eingebaut war, gab es in der Gemeinde dennoch einen Uhrenbeauftragten, der sie regelmäßig kontrollierte und von der Sommer- auf die Winterzeit stellte. „Gerald Uhrmann war schon da, als ich 2004 anfing“, erinnert sich Raven.

Eines Tages legte ein Stromausfall die Technik lahm. Uhrmann stieg hinauf und stellte alles von Hand wieder ein. Doch die Uhr schien sich von diesem Zwischenfall nicht mehr richtig erholen zu wollen. Immer mal wieder blieb sie stehen und der Uhrenbeauftragte musste nachhelfen. „Ewa ein Jahr ging das so“, schätzt Raven.

In diesem Zeitraum verstarb Uhrmann und ein Monteur wurde gerufen, der endlich das Rätsel des immer wieder streikenden Zeitmessers lösen sollte. „Eigentlich wollte er sie zerlegen. Aber dann entdeckte er vorher noch den wahren Grund. Es war ein Notschalter, der durch die Gewichte, die zu hoch gezogen worden waren, immer mal wieder betätigt wurde. Nachdem die Gewichte richtig eingestellt waren, lief sie wieder einwandfrei“, so Raven.

Neben dem Uhrwerk führt eine Leiter hinauf in eine weitere Etage des Turms. Dort hängen drei mächtige Glocken. Und hinter ihnen baumelt – fast schüchtern anmutend – eine viel kleinere. Zwei der großen und auch die kleine sind mit dem Uhrwerk verbunden, denn der Zeitmesser lässt die Bassumer auch hören, wie spät es ist. „Wenn eine Viertelstunde herum ist, klingt die kleine Glocke einmal, bei einer halben Stunde zweimal und zur vollen Stunde viermal, jeweils hell. Um 15 Uhr lässt die mittlere Glocke – auch Trauglocke genannt – zudem drei dumpfe Schläge ertönen.“

Diese Gewichte mussten früher von Hand aufgezogen werden.

Außerdem bringt der Zeitmesser die große Glocke, die sogenannte Bet-Glocke, zum Klingen, und zwar mit neun Schlägen jeweils um 6, 12 und 18 Uhr. Das gefällt nicht immer jedem, weiß Raven und schmunzelt. So mancher, der neu in den Dunstkreis der Kirche zieht, fühlt sich durch das häufige Gebimmel gestört. Wieder andere haben es fest in ihren Alltag integriert und horchen sofort auf, wenn es ausfällt oder gar zur falschen Stunde läutet.

Einmal habe der Blitz eingeschlagen und die Steuerung der Glocken völlig durcheinandergebracht. „Die hörten einfach nicht mehr auf zu läuten“, so Raven und lacht. „Das war schon fast etwas unheimlich, dieses Glockenläuten während das Gewitter tobte.“

Mit der Konstruktion werden die Zeiger an der Uhr an der Außenfassade bewegt.

Er steigt noch eine weitere Leiter hinauf, direkt unter das Dach. Dort steht eine Konstruktion, die ebenfalls mit dem Uhrwerk verbunden ist und gleichzeitig die wuchtigen Zeiger an der Uhr bewegt, die an der Außenfassade zu sehen ist. Raven öffnet den Holzladen von einem der Turmfenster. Ein großartiger Ausblick über Bassum – bis sich der Stundenzeiger ins Bild schiebt.

„Wenn die Uhr mal nicht richtig geht, rufen die Leute auch an“, erzählt Raven. Im Sommer kann das öfter passieren, und zwar, wenn es richtig warm ist. Dann vergeht die Zeit in Bassum wortwörtlich wie im Flug, denn „offenbar verändert sich etwas an der Membran, weil die Uhr etwas schneller tickt als sonst.“

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