Schulsozialarbeit im Lockdown

Erfahrungen an der OBS Bassum

Amber Bunk hofft, bald wieder richtige Schulsozialarbeit anbieten zu können. Archiv
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Amber Bunk hofft, bald wieder richtige Schulsozialarbeit anbieten zu können. Archiv

Der Lockdown hat die Schulsozialarbeit schwierig gemacht - aber nicht unmöglich. Amber Bunk von der OBS Bassum kann sogar ein paar positive Aspekte nennen.

Bassum – Als der Lockdown den Betrieb an der Oberschule außer Kraft setzte und neben Schülern und Lehrern auch Schulsozialarbeiterin Amber Bunk ins Homeoffice schickte, fürchtete diese das Schlimmste. „Ich dachte mir, das gibt ein Desaster, das wird nicht gehen“, erinnert sich Bunk. „Schließlich lebt soziale Arbeit vom persönlichen Kontakt.“

Doch so schlimm, wie Bunk befürchtet hatte, wurde es gar nicht. „Es gab sogar positive Aspekte.“ Statt zu festen Zeiten in ihrem Büro in der Schule zu sitzen, richtete sie eine Art 24-Stunden-Rufbereitschaft ein, die sich auch auf das Wochenende, die Ferien und sogar Feiertage erstreckte. Die besteht noch heute, obwohl die Schule in den Präsenzunterricht zurückgekehrt ist, denn Bunk muss aus gesundheitlichen Gründen nach wie vor zuhause bleiben.

Wenn Schüler, Lehrer oder Eltern sich schriftlich bei ihr melden, bekommen sie innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung. Und das klappt sehr gut. „Ich stelle fest, dass die Bereitschaft zu schreiben viel größer ist, als persönlich herzukommen und zu reden“, erklärt Bunk.

Schüler müssen nicht mehr warten

Für die Schüler sei es natürlich hilfreich, dass sie nicht erst bis zu den Sprechzeiten warten müssen, um ihr Herz auszuschütten, sondern sich sofort melden können. „Die Probleme sind meist aktuell. Und dann suchen die Schüler auch mal am Ostersonntag den Kontakt.“ Was Bunk auffällt: Ihre Schützlinge nutzen das Angebot nicht dafür, um über Nebensächlichkeiten zu schimpfen. Wenn sie sich melden, dann brauchen sie wirklich jemanden, der zuhört und hilft.

„Allerdings gibt es auch Themen, die man nicht am Telefon klären kann“, sagt Bunk. „Für die muss man sich gegenübersitzen.“ In diesem Fall kann sich Bunk auf Lehrerin Eva Launus verlassen. „Sie ist vor Ort und übernimmt dann, was enorm wichtig ist.“ Überhaupt wäre dieser ganze Bereitschaftsdienst nicht möglich, ohne ein engagiertes Kollegium. „Die Lehrerinnen und Lehrer sind so was wie meine Augen und Ohren. Wenn sie merken, dass sich beispielsweise ein Schüler anders verhält als sonst oder offenbar Probleme hat, geben sie das an mich weiter. Ohne sie würde das nicht funktionieren und dafür bin ich wirklich dankbar.“

Denn, was Bunk beschäftigt, ist die Dunkelziffer – also, dass sie nicht weiß, wie viele Schüler während des Lockdowns durchs Raster gefallen sind, weil sie nicht den Mut aufgebracht haben, sich bei ihr zu melden. „Normalerweise würde einem beim Gang durch die Schule vielleicht auffallen, dass da jemand bedrückt in der Ecke sitzt. Dann würde man ihn ansprechen: ,Ich hab das Gefühl, es geht dir nicht gut. Wenn du Hilfe brauchst, kannst du mich immer kontaktieren.’“ Diese Möglichkeit war weder ihr noch den Lehrern gegeben. „Ich kann nicht sagen, ob es diese Gruppe gibt oder wie viele Schüler zu ihr gehören. Und auch nicht, was in Zukunft auf uns zukommen wird.“

Angebote liegen weiter auf Eis

Hat Bunk das Gefühl, dass sich durch den Lockdown mehr Schüler bei ihr gemeldet haben als sonst? „Ich denke nicht, dass neue Probleme durch den Lockdown entstanden sind. Vielmehr hat er bereits bestehende verstärkt oder sie eben erst zum Ausbruch gebracht. Zu den meisten Schüler, die sich bei mir melden, hatte ich schon vor Corona Kontakt. Aber natürlich sind auch ein paar Neue dabei.“

Angebote wie das Respekt-Training oder die Besuche in der JVA, die Bunk mit ihren Schützlingen gemacht hat, sind ausgefallen und werden wohl auch noch bis zu den Sommerferien auf Eis liegen. „Aber ich hoffe, dass es danach wieder losgehen kann“, so Bunk. „Falls Corona es dann auch noch nicht erlaubt, arbeiten wir bereits an Alternativen, um wenigstens ein bisschen mit den Schülern arbeiten zu können.“

Bunk schweigt einen Moment und fügt hinzu: „Es ist nicht optimal, aber es geht, wenn alle mitmachen. Und das tun sie. Ich überlege sogar, den Bereitschaftsdienst auch nach Corona weiterzuführen, weil er so gut angenommen wird. Aber richtige soziale Arbeit kann er eben nicht ersetzen. Die Seele fehlt.“

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