Studentin wünscht sich Umdenken

Kommunen ohne Klimaschutzmanager: Das unterschätzte Problem

Franja Eckhoff hofft, dass die Kommunen sich irgendwann alle für Klimaschutzmanager entscheiden. 
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Franja Eckhoff hofft, dass die Kommunen sich irgendwann alle für Klimaschutzmanager entscheiden.
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Bassum – Ein Problem mit dem Klimaschutz ist, dass er ein bisschen der Natur der Menschen widerspricht: Wenn Menschen sich einschränken, anstrengen und auf etwas verzichten, wollen sie zeitnah mit einem Ergebnis belohnt werden, die Auswirkungen ihres Handelns erleben können. „Doch die Auswirkungen von den Emissionen, die wir heute sparen, bekommen wir erst in einigen Jahren zu spüren“, sagt Franja Eckhoff. Das führe wohl auch dazu, dass das Thema bei vielen Menschen noch nicht so präsent ist, wie es sein müsste.

Die 24-Jährige verfolgt die Diskussionen um den Klimaschutz sehr genau – auch in ihrer Heimatstadt Bassum. So findet sie es schade, dass sich die Kommune, ebenso wie deren Nachbarn Syke und Twistringen, gegen einen Klimaschutzmanager entschieden hat.

Die junge Frau aus Albringhausen studiert Klimaschutz und Klima-Anpassung im sechsten Semester an der Technischen Hochschule in Bingen – und könnte nach ihrem Abschluss unter anderem die Aufgaben einer Klimaschutzmanagerin übernehmen.

Darum weiß sie auch, was alles zu deren Ausbildung gehört und bezweifelt, dass all diese Dinge von Rathausmitarbeitern – zusätzlich zu deren eigentlichen Aufgaben – geleistet werden können.

„Ich verstehe natürlich, dass die Kommunen ihre Finanzen im Blick haben müssen. Und die Entscheidung, Mitarbeiter zu schulen, ist günstiger als die Schaffung einer neuen Stelle“, sagt Eckhoff. „Aber eine Schulung kann keine dreijährige Ausbildung ersetzen, von daher ist es sinnvoll, einen Klimaschutzmanager einzustellen. Dafür gibt es auch Fördermittel vom Bund. Ideal wäre natürlich, beides zu kombinieren.“

Für die Studentin wäre es auch denkbar, dass sich mehrere Kommunen zusammentun und sich eine Stelle teilen – so ähnlich, wie bei der Flüchtlingssozialarbeit, wo auch Bassum und Syke gemeinsam eine Stelle geschaffen haben. „Ich denke, das wird künftig wichtig werden. Im Laufe der Zeit werden womöglich Auflagen von oben kommen, die dann von den Gemeinden umgesetzt werden müssen. Da wäre es gut, wenn sich einer hauptverantwortlich darum kümmert und als Ansprechpartner für Mitarbeiter und auch Bürger fungiert.“

Doch was gehört zu den Aufgaben eines Klimaschutzmanagers? „Sie erstellen Zeitpläne und Klimaschutzkonzepte mit klaren Zielen. Sie gucken, was überhaupt umsetzbar ist und was eingespart wird, zum Beispiel an Energie oder Verkehr. Sie haben den Umweltschutz im Blick, wissen, wo es Fördermittel gibt und betreiben Netzwerkarbeit, in dem sie sich mit anderen Klimaschutzmanagern, Experten oder beispielsweise den Landwirten zusammensetzen“, schildert Eckhoff und fasst zusammen: „Das ist alles sehr viel und ich glaube nicht, dass die Mitarbeiter der Verwaltung für all diese Dinge noch Zeit haben. Man muss ja auch motiviert sein und Lust auf das Thema haben.“

Und die 24-Jährige hat Lust. Schließlich geht es bei diesem Thema um die künftigen Generationen, die auch noch auf dieser Erde leben wollen. Ihr Studiengang in Bingen ist bisher der einzige in Deutschland. „Er ist noch sehr neu“, sagt die Studentin lächelnd. „Zu den Grundlagen gehören unter anderem Bio, Chemie, Mathe, Statistik, Umweltschutz und Landschaftsökologie. Am Ende können sich die Studenten noch auf einen Bereich spezialisieren, wie Technik, Landwirtschaft oder Klimaforschung. Wir bekommen auch Grundlagen der Ingenieur- oder Rechtswissenschaft vermittelt.“

Es werde aber auch Wert auf Praxis gelegt. So gehört beispielsweise das Arbeiten in einem Chemielabor dazu. Die Studenten machen selber Klima-Messungen, eine Starkregenanalyse oder werten für Gemeinden aus, wo sich bei ihnen durch den Klimawandel Problemfelder entwickeln könnten.

„Jede Gemeinde ist anders, darum halte ich es auch nicht für sinnvoll, einen Klimaschutzmanager beispielsweise für den ganzen Landkreis oder gar ganz Deutschland einzustellen“, sagt Eckhoff. Für sie geht es nun ins Praxissemester. Wo sie das absolvieren oder was sie später zu ihrem Beruf machen wird, weiß die Studentin noch nicht, die sich auch vorstellen kann, in die Forschung zu gehen.

Wäre es also auch denkbar, dass sie irgendwann als Klimaschutzmanagerin für ihre Heimatstadt anfängt – sofern Bassum sich irgendwann dazu entschließt, doch noch eine Stelle zu schaffen? „Theoretisch, ja“, sagt Eckhoff und lacht.

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