Bassumer Kantorei wird 50

Gottesdienst, um Danke zu sagen

Freuen sich über 50 Jahre Kantorei: Réka-Zsuzsánna Fülöp (von links), Ralf Wosch, Edelgard Schmelzer, Walter Bellingrodt, Gisela Schneider, Anke Claus und Ines-Maria Kuschmann. Das Bild ist ein Geschenk von Freunden der Kantorei aus Bassums Partnerstadt Fresnay sur Sarthe in Frankreich.
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Freuen sich über 50 Jahre Kantorei: Réka-Zsuzsánna Fülöp (von links), Ralf Wosch, Edelgard Schmelzer, Walter Bellingrodt, Gisela Schneider, Anke Claus und Ines-Maria Kuschmann. Das Bild ist ein Geschenk von Freunden der Kantorei aus Bassums Partnerstadt Fresnay sur Sarthe in Frankreich.

Die Bassumer Kantorei besteht seit 50 Jahren. Feiern können die Mitglieder zwar nicht so wie geplant, aber sie gestalten dafür einen besonderen Gottesdienst in der Stiftskirche mit.

Bassum – Eine Kantorei, die ein Konzert gibt? Was heute vollkommen normal ist und viele Zuhörer begeistert, rief Ende der 70er-Jahre auch Kritik hervor. Eine Kantorei sei ausschließlich dafür da, den Gottesdienst mitzugestalten. Ihre Musik soll nur in der und für die Kirche wirken. Applaus war völlig verpönt. „Vermutlich fürchteten die Leute, dass das Ganze einen kommerziellen Charakter bekommen würde und der ursprüngliche Geist der Kantorei verloren geht“, vermutet Kreiskantor Ralf Wosch.

Die kritischen Stimmen sind längst verstummt. Und so hätte nach vielen erfolgreichen Konzerten in den vergangenen Jahren auch am morgigen Samstag etwas ganz Besonderes veranstaltet werden können – das Geburtstagskonzert. 50 Jahre gibt es die Bassumer Kantorei jetzt schon. Sogar eine ganze Festwoche war geplant gewesen. Doch Corona hat, wie so vieles, auch das zunichtegemacht.

„Stattdessen verschieben wir das Ganze nun um fünf Jahre“, sagt die Leiterin des Chores, Réka-Zsuzsánna Fülöp. Dann soll der 55. Geburtstag groß gefeiert werden. Doch ganz untergehen soll der Festtag auch in der Pandemie nicht. „Wir veranstalten am Sonntag, 13. Juni, einen Dankesgottesdienst, an dem auch Mitglieder der Kantorei mitwirken werden. So werden ein paar von ihnen beispielsweise vortragen, warum ihnen das Singen in der Kantorei so viel bedeutet“, erläutert Pastorin Ines-Maria Kuschmann.

Reise in die Geschichte der Kantorei

Draußen, vor der Stiftskirche, wird eine Kette gespannt, an der laminierte Bilder und ehemalige Konzertankündigungen zu sehen sein werden. Eine kleine Zeitreise in die Geschichte der Kantorei also.

Es gibt auch DVDs, Schallplatten und eine Broschüre, in der Mitglieder ihre Erinnerungen aus verschiedenen Epochen festgehalten haben. So wie Edelgard Schmelzer, die 1974 beitrat. „Mit 30 Mitgliedern haben wir angefangen, alles sehr junge Sänger. Meist Jugendliche, die dann ihre Eltern zur Kantorei brachten“, schildert die Seniorin, die betont, dass sie sich „über all die Stunden freut, die sie mit der Kantorei verbringen durfte. Es waren wunderbare Zeiten und das Proben fehlt mir unendlich.“

Aber ganz ohne Musik kann natürlich auch dieser Dankesgottesdienst nicht bleiben. Das Orchester wird spielen und zwei bekannte Solisten, die bereits mit der Kantorei aufgetreten sind, werden da sein: Maria Schreyer und Alexander Schafft aus Dresden. „Es sind also bekannte Gesichter“, so Fülöp. Los geht es um 11 Uhr. Auf dem Programm stehen Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach, dem „fünften Evangelisten“, wie Fülöp mit einem Lächeln erklärt, da der Komponist mit seiner Musik Gott lobte.

Christliche Botschaft vermitteln

Damit erfüllt Bach das wichtigste Kriterium, um von der Kantorei interpretiert zu werden: er vermittelt die christliche Botschaft. „Die Kantorei bringt das zu Gehör und berührt die Seelen, was eine Predigt nicht immer schafft“, sagt Pastorin Kuschmann. „Die Musik berührt uns anders. Die Töne erreichen das Herz anders als Worte und bringen die Seele zum Schwingen. Es ist gesungener Glaube und Gebet.“ Und Wosch ergänzt: „Wer singt, betet doppelt.“

Zudem haben die Mitglieder erklärt, dass die Gemeinschaft in der Kantorei ihnen viel bedeute. Für Marie Luise Rohlfing, deren Mann bis 2012 Kantor war, ist die Musik auch ein Teil der Völkerverständigung. Davon zeugt das bunt gestaltete Bild, das der heutige Kantor Wosch mitgebracht hat und das der Kantorei von ihren Freunden aus Bassums Partnerstadt Fresnay sur Sarthe geschenkt wurde. Das bestätigt auch Gisela Schneider, die seit 1979 in der Kantorei singt. „Mit ihr habe ich meine erst Fahrt nach Frankreich gemacht.“

In Spitzenzeiten hatte die Kantorei 120 Mitglieder. Sie kamen aus dem ganzen Kirchenkreis und darüber hinaus. Heute sind es 80 zwischen 16 und 80 Jahren. Und wenn es nach Wosch und Fülöp geht, dürften es gern noch mehr werden. „Es muss auch niemand vorsingen“, nehmen sie Interessierten gleich mögliche Ängste. „Jeder ist willkommen, egal wie alt.“

Auch die Proben sollen demnächst wieder starten. „Wir werden sie dann rechtzeitig bekannt geben“, versichert das Ehepaar.

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