„Deutschland – der reale Irrsinn ist überall“

Bassumer Daniel Sprenger präsentiert sein erstes Buch

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Daniel Sprenger spürt Schildbürgerstreiche und Possen auf.

Bassum/Hamburg - Von Frauke Albrecht. Warum es auf dem Männerklo in der Bremer Bürgerschaft stinkt, die Stephani-Brücke aus Stabilitätsgründen zwar für Radfahrer gesperrt ist, nicht jedoch für Autofahrer, und wieso die Stadt Köln etwas dagegen hat, dass Dreck von Wänden entfernt wird, darauf versucht Daniel Sprenger Antworten zu finden.

Und diese sorgen in der Regel für heiteres Kopfschütteln. Der gebürtige Bassumer ist dem realen Irrsinn auf der Spur für das Satiremagazin Extra 3 beim NDR.

„Ich bin ein genügsamer Mensch“

Nun gibt er zusammen mit seiner Kollegin Alicia Anker ein Buch heraus: „Deutschland – der reale Irrsinn ist überall“. 40 ausgewählte Geschichten dokumentieren Schildbürgerstreiche und Behördenirrsinn – völlig absurd, aber genau so passiert.

Vor zwei Jahren hatte Sprenger die Idee, die besten Geschichten zusammenzufassen und zu schauen, was aus den Themen geworden ist. „Teilweise sind die Ergebnisse noch skurriler als vorher“, schmunzelt der 31-Jährige.

Zu seinen Lieblingsgeschichten gehört ein Dreh in Köln. Gibt es etwas Schlimmeres als eine verschmutzte Wand? Ja, eine teilweise gereinigte Wand. Zumindest für die Stadt Köln, die solche Fälle ermittelt und zur Anzeige bringt. Der Ordnungsamtsleiter hat Sprenger vor laufender Kamera rausgeschmissen. „Was Besseres kann gar nicht passieren“, sagt dieser.

Mach Probleme zu deinem Freund

In solchen Situationen behält der Bassumer einen kühlen Kopf, beherzigt den Ratschlag eines Kollegen: „Taucht ein Problem auf, mach es zu deinem Freund.“

In der Regel werden er und das Kamerateam mit offenen Armen empfangen. Was bringt die Amtsträger dazu, vor die Kamera zu treten? Sprenger: „Oft maßlose Selbstüberschätzung.“ Sein Ziel sei, genau jene Leute vor die Kamera zu bekommen, die immer die O-Töne absagen.

Die Arbeit macht ihm riesigen Spaß. Daniel Sprenger ist mit 31 Jahren da, wo er immer sein wollte. „Ich habe nie daran gezweifelt, dass ich eines Tages Journalist werde“, erzählt er. Seinen eigenen Fähigkeiten habe er stets vertraut, allerdings keinen stringenten Plan verfolgt.

Aufgewachsen ist Daniel Sprenger in Bassum. Geschrieben habe er damals schon – „Tagebuch“, erzählt er. „Ich habe Artikel und Bilder aus der Kreiszeitung ausgeschnitten, um sie dann zu einer eigenen Zeitung zusammenzubasteln“, lacht er. „Die gibt’s bestimmt noch irgendwo. Meine Mutter hebt alles auf.“

Start als freier Mitarbeiter

Nach dem Abitur am Syker Gymnasium arbeitete er als freier Mitarbeiter bei der Kreiszeitung und begann dann ein Studium in Berlin. Die Fächerwahl: Politik und Soziologie.

Zwischendrin legte er ein Erasmus-Semester in Paris ein. Vom Unileben bekam er allerdings nicht viel mit, weil die Uni bestreikt wurde. „Dafür habe ich Paris kennengelernt.“

Sprenger hat ein Faible für Geschichten über Stadtentwicklung. „Und ich bin ein großer Fan von Lost Places“, sagt er. Die frühere Schönheit der vergessenen Plätze zu erahnen, sei für ihn ungeheuer spannend. „Dann kann Geschichte mit einem Mal sehr lebendig werden.“

Zurück in Deutschland machte er mehrere Praktika. Dann bewarb er sich für ein Volontariat, unter anderem beim SWR und beim NDR. Beim Norddeutschen Rundfunk kam er beim Bewerbungsverfahren eine Runde weiter. „Da packte mich der Ehrgeiz“, erzählt Sprenger. Sein Beitrag drehte sich um den letzten Tag von Tempelhof. „Ich wurde nach Hannover eingeladen und musste eine Hörfunkreportage liefern. So was hatte ich noch nie gemacht.“

NDR stellte ihn ein

Irgendwas muss er richtig gemacht haben. Der NDR stellte ihn ein – und mittlerweile ist der Sender richtig stolz auf den Bassumer. 2015 gewinnt Daniel Sprenger den deutschen Wirtschaftsfilmpreis, ein Jahr später wählt ihn das Medium Magazin zu den Top 30 unter 30.

Während seines Volontariats lernte er verschiedene Büros kennen, unter anderem das Team von Extra 3. „Überall war es gut, aber menschlich passte es dort am besten.“ Umso mehr freute es ihn, dass er bleiben durfte. Mittlerweile arbeitet er als freier Autor – produziert Filme, zumeist über den realen Irrsinn, zum anderen arbeitet er online in der Nachrichtenredaktion.

In Hamburg fühlt er sich wohl

Es hat etwas gedauert, doch nun fühlt er sich wohl in Hamburg. Das liegt nicht zuletzt an seiner Freundin. Zur Entspannung ist der Bassumer viel mit dem Fahrrad unterwegs – „vor allem im Alten Land. Großartig!“ Und er besucht den Hafen: „Da geht mir das Herz auf.“ Das gilt auch für seine Lieblingsinsel Mallorca.

Sprenger mag Filme, geht jeden Dienstag ins Kino. „Ansonsten bin ich ein genügsamer Mensch“, behauptet er von sich. „Konsum musste mir meine Freundin erst beibringen.“

Zu seiner Lieblingslektüre gehören Gutachten. „Über das Bürokratendeutsch kann ich mich herrlich amüsieren.“ Sprenger zieht daraus einen positiven Schluss: „Wenn man keine anderen Probleme hat, als anderen Leuten das Leben zu erschweren... – dann geht es uns doch gut.“

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