Damit aus einem Fehler keine Straftat wird

Wegfahren ist kein Kavaliersdelikt

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Es passiert so schnell und schon ist ein Blechschaden entstanden. Wichtig ist, sich dann zu kümmern. 

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Die Zeit drängt! Die Einkäufe schnell ins Auto packen und dann nach Hause, bevor der Besuch eintrifft. Den Wagen zurücksetzen und dabei überlegen, dass vielleicht die Stühle für die Gäste... rumms! Ein Ruck geht durch das Auto und der Schreck durch den Körper. Verdammt! Oh nein! Nicht jetzt! Im Rückspiegel ist das rote Heck eines anderen parkenden Wagens deutlich zu sehen. Der Blick fliegt nach links und rechts. Hat das jemand beobachtet? Falls nicht, könnte man doch einfach....

Und genau an dieser Stelle wünscht sich Polizeihauptkommissar Friedrich Ludwig von der Dienstelle Bassum, dass die Leute eben nicht „einfach klammheimlich verschwinden“. „Die Menschen müssen keine Angst haben, jeder macht mal einen Fehler. Sie sollten nur dazu stehen und Verantwortung übernehmen – damit aus dem Fehler keine Straftat wird.“

Wer die Polizeimeldungen aufmerksam verfolgt, gewinnt den Eindruck, dass die Menschen immer mehr Unfallfluchten begehen. „Das ist nicht richtig“, sagt Ludwig und präsentiert Zahlen der vergangenen Jahre für Bassum. Von 2007 bis 2009 habe es einen Anstieg gegeben (von 44 auf 80), dann sei die Zahl der Verstöße wieder gesunken (bei 2014 lag man bei 52) – und hat sich zwischen 60 und 70 eingependelt. „Bis zum Mai dieses Jahres hatten wir 19“, sagt Ludwig.

Am meisten kracht es nach wie vor auf Parkplätzen. „Das liegt auch daran, dass die Autos immer größer werden, die Parkflächen aber ihre Größe behalten. Da sollte man vielleicht mal ran“, so Ludwig. Oder die Kinder reißen beim Aussteigen die Türen etwas zu weit auf.

Polizeihauptkommissar Friedrich Ludwig.

Aber auch das Abfahren von Seitenspiegeln bei Lastwagen, die sich auf der Landstraße begegnen, sei ein Klassiker. Doch sind die Menschen, die sich nach dem Unfall davonmachen, alle ignorante Egoisten? Das will Ludwig nicht glauben. „Ich denke, die meisten treibt die Angst. Sie haben vielleicht keinen Führerschein, sind nicht versichert, stehen unter Alkohol oder illegalen Drogen.“ Bei denjenigen, die aufgrund ihres Alters und den damit manchmal verbundenen Schwächen wie verminderte Reaktions- und Sehfähigkeit einen Unfall verursachen, spiele vielleicht auch die Furcht mit hinein, den Führerschein zu verlieren.

Was müssen Autofahrer tun, wenn sie einen Unfall verursachen, aber ihr „Opfer“ nirgendwo in Sicht ist? „Eigentlich müssen sie eine angemessene Zeit warten“, so Ludwig. Das sei natürlich ein dehnbarer Begriff, der sich auf bis zu zwei Stunden erstrecken könne. Zeit, die wohl, die wenigsten haben. „Das Sicherste ist, die Polizei zu rufen“, rät der Hauptkommissar.

Wer kein Handy zur Hand habe, könne auch auf der Wache vorbeikommen und Meldung machen. Vorher sollte er sich das Kennzeichen des demolierten Fahrzeugs notieren, damit die Beamten den Halter ermitteln können.

Wegfahren ist kein Kavaliersdelikt

Die Polizei werde dann ein Verwarngeld von maximal 55 Euro aussprechen. Bei Unfällen, wo beispielsweise die Vorfahrt missachtet wurde, könne es teurer werden. „Da ich mich immer freue, wenn Leute sich melden, belasse ich oft bei einer mündlichen Verwarnung“, sagt Ludwig. Für den, der flüchte und erwischt werde, könne es deutlich teurer werden. „Da kann auch schon mal ein Monatsgehalt und der Führerschein weg sein“, weiß Ludwig. „Das ist kein Kavaliersdelikt.“

Wer sich aufgrund des Schocks erst mal vom Unfallort entferne und vielleicht erst später zu Hause realisiere, was er da gemacht habe, könne immer noch das Richtige tun und sich nachträglich melden. „Es wird in jedem Fall positiv in das Verfahren einfließen“, versichert Ludwig. Die Einsicht sollte allerdings in den ersten 24 Stunden kommen.

Er appelliert auch an das Gewissen der Menschen, sich in das Unfallopfer hineinzuversetzen. „Neben der Trauer und Enttäuschung, dass jemand das Eigentum beschädigt, ohne sich zu melden, kommt bei vielen auch ein finanzieller Schaden hinzu, auf dem sie sitzen bleiben, wenn sie keine Vollkaskoversicherung haben.“  So bringe man womöglich einen Menschen in Not, der ohnehin nicht viel Geld habe.

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