40.000 Arbeiter dürfen einreisen

Wenn wegen der Corona-Krise die Erntehelfer auf den Feldern fehlen

Bitte Abstand halten: Ein Schild weist die Kunden des Erdbeerhofs Nüstedt in Döhren auf den Mindestabstand hin. Foto: terrasi
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Bitte Abstand halten: Ein Schild weist die Kunden des Erdbeerhofs Nüstedt in Döhren auf den Mindestabstand hin.

Die Corona-Krise macht auch den Landwirten zu schaffen. Um die Infektionsgefahr so gering wie möglich zu halten, durften zuletzt keine Saisonarbeiter mehr nach Deutschland einreisen - nun gibt es eine neue Regelung. Doch was bedeutet die Krise für die Landwirtschaft? Wer erntet das Obst und Gemüse, wenn Helfer aus dem Ausland fehlen? Wir haben mit zwei Betrieben aus Bassum gesprochen.

  • Corona-Krise trifft Landwirtschaft hart
  • Erntehelfer dürfen nicht mehr unbegrenzt nach Deutschland reisen
  • Kommende Ernten durch fehlende Aussaat in Gefahr

Update vom 3. April: Von den deutschen Bauern dringend benötigte Erntehelfer sollen in der Corona-Krise doch einreisen dürfen - allerdings nur unter strengen Auflagen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) einigten sich darauf, dass im April und Mai jeweils bis zu 40.000 ausländischen Saisonarbeitern die Einreise erlaubt wird, wie Klöckner am Donnerstag in Berlin mitteilte. Sie sollen ausschließlich mit dem Flugzeug einreisen und von ihren Betrieben an von der Bundespolizei festgelegten Flughäfen abgeholt werden.

Um die Verbraucher auch während der Corona-Pandemie mit ausreichend heimischen Lebensmitteln zu versorgen, sind die Landwirte und insbesondere Obst- und Gemüsebetriebe nach Angaben Klöckners bis Ende Mai auf insgesamt 100.000 Saisonarbeiter angewiesen. 20.000 davon sind demnach bis zum Ende März vom Innenministerium verhängten Einreisestopp bereits eingereist. (afp)

Originalmeldung vom 26. März: Bassum – Vergangene Woche sah alles noch ganz anders aus: Kristian Wichmann, Geschäftsführer vom gleichnamigen Hof in Bramstedt, hatte gegenüber unserer Zeitung noch berichtet, dass 19 Erntehelfer aus Rumänien in Dortmund landen konnten. Doch das war's dann wohl erst mal, denn seit Mittwoch dürfen keine Erntehelfer – unter anderem aus Bulgarien und Rumänien – wegen des Coronavirus mehr nach Deutschland einreisen. „Ich weiß nicht, wie die Politik sich das vorstellt, wie es mit der Nahrungsmittelversorgung weitergehen soll und wie wir das Obst und Gemüse von den Feldern bekommen sollen“, sagt Wichmann.

Da sich die Situation in der Corona-Krise von Tag zu Tag ändere, sei es für den Betrieb ein großes Problem, „weil wir einfach nicht planen können“. Er sagt weiter: „Am Dienstag haben wir noch weitere Flüge für Erntehelfer aus Rumänien gebucht und jetzt können sie nicht kommen. Keiner weiß, was als nächstes passiert.“

„Wir werden nicht alles ernten können“, befürchten Kristian Wichmann und seine Frau Britta.

Aktuell beschäftigt der Betrieb insgesamt 30 Saisonarbeiter und zwischen 40 und 45 feste Mitarbeiter. „Die nächsten zwei Wochen kommen wir so klar. Aber uns ist bewusst, dass wir nicht alles ernten können. Da rechne ich schon mit“, sagt Wichmann. Über das Jahr verteilt seien rund 400 Erntehelfer auf den Feldern beschäftigt. Sein Betrieb bewirtschaftet eine Fläche von 130 Hektar.

Über Facebook oder andere Plattformen Erntehelfer zu suchen, sei für ihn nicht die Lösung. „Wir sind hier in einer ländlichen Region. Wo sollen die Leute denn herkommen und wie sollen sie herkommen?“, fragt er sich. Der Aufwand sei viel zu groß, wenn die Helfer aus der Stadt kämen und jeden Tag aufs Land pendeln müssten. So sei die Ansteckungsgefahr hoch. Auch die Gefahr, dass sich die rumänischen Erntehelfer bei ihnen mit dem Coronavirus anstecken könnten, bestehe.

Spargelstechen kann diese Woche trotz Corona wohl beginnen

Die positive Nachricht: In dieser Woche könne wohl trotz der Corona-Krise mit dem Spargelstechen angefangen werden. Danach könne es mit dem Verkauf losgehen. „Ich bin auch etwas nervös, ob das alles klappt. Aber wir hoffen, dass die Kunden auf regionales Obst und Gemüse zurückgreifen. Das ist unsere Hoffnung, damit wir unseren Betrieb aufrechterhalten können.“

Ein weiteres großes Problem zur Zeit der Corona-Krise: In der vergangenen Woche konnte der Betrieb die Transporter nicht anmelden, weil alle Zulassungsstellen geschlossen waren. „Das haben wir jetzt aber lösen können. Ein paar Fahrzeuge konnten wir mittlerweile anmelden“, berichtet Wichmann.

Von verschiedenen Obst- und Gemüsesorten über Kartoffeln bis hin zu Pflanzen: Der Erdbeerhof Nüstedt verkauft viele verschiedene Produkte. 

Walter Nüstedt vom Erdbeerhof Nüstedt in Döhren sagt, dass es bei ihm im Betrieb noch keine Probleme gäbe. „Die Spargelernte findet bei uns überwiegend mit hiesigen Arbeitskräften statt. Unsere Ernte ist auch noch hin. Bis dahin kann sich noch viel ändern.“

Lesen Sie auch: News-Ticker aus Niedersachsen zur Corona-Krise

In seinem Betrieb beginne die Spargelsaison in drei Wochen. In dieser Zeit beschäftige er rund 20 Erntehelfer. Im Vorfeld hatte er gesagt, dass es „problematisch, aber nicht unlösbar wäre“, wenn keine Saisonarbeiter einreisen dürften. „Wir haben Leute auf dem hiesigen Arbeitsmarkt, die müssten dann ein bisschen mehr arbeiten“, erklärt Nüstedt. Das sei eine Möglichkeit, die aber natürlich auch mit viel Stress verbunden wäre.

Personal zum Pflanzen von Obst und Gemüse fehlt in Corona-Krise

Nüstedt weist in dem Zuge auf ein weiteres Problem hin, das die Landwirtschaft während der Corona-Krise betreffe: „Vielen Betrieben fehlen Leute zum Pflanzen von Obst und Gemüse. Das ist ein großes Problem. Wenn man nicht pflanzen kann, kann man auch nicht ernten“, betont Nüstedt. Die ganze Ernte sei so in Gefahr. Und so werde nicht nur die Ware in Deutschland knapp, sondern auch in anderen Ländern.

Initiative: „Das Land hilft“

Wer in der Coronavirus-Krise nicht wie gewohnt Arbeit, Studium oder Ausbildung nachgehen darf, kann Landwirten Hilfe anbieten. Das Interesse ist offenbar groß: Das unter anderem vom Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützte Portal „Das Land hilft“ war zum Start am Montagmittag wegen zahlreicher Abrufe teils überlastet. Bauern können dort Arbeitsangebote einstellen, Interessierte ihre Mitarbeit anbieten. Zunächst waren auf der Seite allerdings deutlich mehr Arbeitsangebote Freiwilliger als Nachfragen verzeichnet.

Eine ähnliche Plattform zur Arbeitsvermittlung in der Landwirtschaft betreibt der Bauernverband mit seiner Seite „Saisonarbeit in Deutschland“. Eine weitere Anlaufstelle bietet die Initiative „BauersuchtHilfe“.

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