Gemeinsam in Quarantäne

Coronavirus und Haustiere: Können mich Hund und Katze anstecken?

„Bist du infiziert? Dann halte bitte etwas Abstand zu mir“, scheint diese Katze sagen zu wollen. Zu Recht. Denn Menschen können Tiere anstecken. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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„Bist du infiziert? Dann halte bitte etwas Abstand zu mir“, scheint diese Katze sagen zu wollen. Zu Recht. Denn Menschen können Tiere anstecken.

Sie sind oft beste Freunde der Menschen, Seelentröster, Begleiter und Familienmitglieder. Doch können sie in der Corona-Pandemie eine Gefahr für ihre Besitzer werden? Einige Katzen auf der ganzen Welt sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Zuletzt machte sogar ein erkrankter Tiger im New Yorker Zoo Schlagzeilen. In Wuhan führte die Sorge vor dem Tier als Überträger der Krankheit dazu, dass viele Hunde und Katzen von ihren Besitzern im Stich gelassen wurden.

Bassum - Auch bei einigen Bassumern geht die Angst um. Sie wenden sich an ihre Tierärzte. Sowohl Dr. Christine Lund von dem Team Tierarztpartner Sulinger Land, das seit Anfang des Monats auch eine Filiale in Bassum betreibt (ehemals Praxis Rosendahl), als auch Dr. Ralph Schuder hatten schon Anfragen von besorgten Besitzern. Sie wollen wissen: Kann mein Tier mich anstecken?

„Nach dem jetzigen Stand der Forschung: Nein“, sagen die Tiermediziner mit Nachdruck. Das Tier stellt nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen keine Gefahr für den Menschen da – allerdings kann der Mensch in Einzelfällen eine Gefahr für das Tier werden.

„Wenn Tiere mit einem hochpositiven Menschen engen Kontakt haben, kann das Virus durch Speichel übertragen werden“, erklärt Lund und betont: „Aber das sind Einzelfälle. Obwohl das Virus auf der ganzen Welt grassiert, sind nur wenige Erkrankungen bei Tieren bekannt.“ Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) schreibt, dass der Kontakt gesunder Personen zu Haustieren nicht eingeschränkt werden muss. Bei Infizierten seien ein paar Hygieneregeln und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

Schon gesehen? Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus im Landkreis Diepholz gibt es in unserem News-Ticker nachzulesen.

Coronavirus: Welche Tiere sind gefährdet?

Laut dem FLI habe eine Studie aus China gezeigt, dass sich Katzen experimentell mit Sars-CoV-2 infizieren lassen, und das Virus unter Versuchsbedingungen auch auf andere Katzen übertragen können. Das bedeute jedoch nicht, dass Katzen Virusmengen ausscheiden, die für die Infektion eines Menschen ausreichen.

„Die Virus-Konzentration im Körper der Katzen ist viel zu niedrig, als dass sie einen Menschen infizieren könnten“, so Lund. Das liege daran, dass der Virus in der Katze keine optimalen Wirtsbedingungen vorfinde.

„Katzen haben ihre eigenen Corona-Erfahrungen, da es bereits seit vielen Jahrzehnten ein Katzen-Corona gibt. Es ist unter dem Namen Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) bekannt. 80 Prozent der Fälle verlaufen ohne Symptome. Erst wenn der Virus mutiert und Krankheitserreger bildet, wird es gefährlich. Die 20 Prozent, bei denen das auftritt, sterben auch daran“, erläutert Lund. Dass eine Katze an dem Coronavirus gestorben sei, der unter Menschen grassiert, habe sie noch nicht gelesen. Die Krankheitsverläufe seien eher leicht.

Katzen haben ähnliche Corona-Symptome wie Menschen

Wenn eine Katze erkrankt, kann sie ähnliche Symptome zeigen wie ein Mensch: Husten, Fieber oder Durchfall. „Aber das kann auch immer auf andere Erkrankungen hindeuten“, macht Lund deutlich. Besitzer können ihr Tier auf Corona testen lassen. Dafür werden Rachenabstriche gemacht und zu einem Labor in Bad Kissingen geschickt, das die Proben kostenlos untersucht.

Zu Hunden schreibt das FLI: Bisher gibt es keinen wissenschaftlichen belegbaren Hinweis auf eine epidemiologisch relevante Infektion von Hunden durch infizierte Personen. Bei zwei Hunden in Hongkong wurde genetisches Material des Virus entdeckt. Beide Hunde zeigten aber keine Symptome. Studien aus China berichten, dass Hunde nur geringfügig infizierbar sind. Deswegen sei das Testen von Hunden nach jetzigem Kenntnisstand nicht sinnvoll.

Zwischenergebnisse einer FLI-Studie geben bisher keine Hinweise darauf, dass Schweine, Hühner und andere Nutztiere an Corona erkranken können.

Fazit

„Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit, Haustiere vorsorglich in Tierheimen abzugeben“, schreibt das Institut. „Und sollte ein Tier positiv getestet werden, ist das kein Grund, es einzuschläfern. Haustiere spielen nach jetzigem Stand keine Rolle bei der Verbreitung von Covid-19.“

Dieses Fazit ist auch Lund und Schuder sehr wichtig. „Zwar haben sich im Tierheim Sulingen noch keine Besitzer gemeldet, die ihre Tiere abgeben wollen, aber ich weiß, dass das die Sorge der Tierschutzvereine ist“, sagt Lund und Schuder fügt hinzu: „Ich habe gehört, dass Kollegen schon von Leuten gefragt worden sind, ob sie ihr Tier jetzt abgeben oder einschläfern müssen.“

Coronavirus: Vorsichtsmaßnahmen und Hygieneregeln mit Haustieren

- Hunde und Katzen von Infizierten sollten zuhause bleiben und nicht außer Haus gegeben werden.

- Um Virusmengen in der Wohnung zu verringern, sollten Oberflächen und Böden häufig gereinigt werden. Hände sollten gewaschen, Räume gelüftet und eine Maske sollte getragen werden.

- Infizierte sollten direkten Kontakt mit dem Tier vermeiden, wenn die Tiere von gesunden Personen betreut werden.

- Die betreuende Person sollte für Spaziergänge mit dem Hund das Haus nicht mit der im Innenbereich getragenen Überbekleidung verlassen, sondern sie im Eingangsbereich deponieren und gegen eine andere tauschen. Beim Zurückkommen wird die Kleidung wieder gewechselt.

- Halsband, Leine und anderes Zubehör müssen im Eingangsbereich bleiben, ohne Kontakt zum Patienten.

- Der Hund sollte Abstand zu anderen Tieren halten, der Kot ist einzusammeln.

- Die Pfoten vor dem Ausgang mit Seife (kein Desinfektionsmittel!) reinigen.

- Beim Auftreten von Symptomen den Tierarzt anrufen.

- Katzen mit Symptomen nicht ins Freie lassen.

Aktuelle Informationen zur Coronavirus-Krise:

- Informationen zum Schulausfall aufgrund des Coronavirus und den Beschlüssen der Landesregierung 

Maskenpflicht und DIY-Mundbedeckung: Das sollten Sie über Corona-Masken wissen

- Coronavirus: Wie sinnvoll sind Wegwerfhandschuhe für die Virenabwehr?

- Daten-Apps zum Coronavirus: Das kann die Stop-Corona-App - Was Kritiker und Befürworter zu der Technik sagen

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