Angebote in Bassum und Twistringen stark nachgefragt

Impfen: Frust und Dankbarkeit bei Hotlines

Wie komme ich an einen Termin? Viele Senioren nehmen die Hotlines in ihrer Gemeinde in Anspruch.
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Wie komme ich an einen Termin? Viele Senioren nehmen die Hotlines in ihrer Gemeinde in Anspruch.

Bassum/Twistringen – Seit rund einer Woche ist die Info-Hotline zum Thema Impfen in Bassum freigeschaltet. In Twistringen ist sie seit Montag aktiv. Wie stark wurden die Hotlines bisher in Anspruch genommen? Was erleben die Mitarbeiter dort? Wir haben nachgefragt.

In der Stunde, nachdem die Info-Hotline der Stadt Basssum ihren Dienst aufgenommen hatte, bekamen die sechs Mitarbeiterinnen dort das Gefühl, in einen regelrechten Sturm geraten zu sein. Viele Anrufer luden bei ihnen ihren geballten Frust ab und beschimpften sie. „Es war katastrophal“, erinnert sich Nina Ehlers-Röpe, die das Seniorenservicebüro leitet und mit ihrer Kollegin Steffanie Heusmann als Springerin für die vier festen Damen fungiert.

Angedacht war, dass die Mitarbeiterinnen vor allem zuhören, informieren und den Bassumer Senioren, die alleine leben und von niemandem unterstützt werden können, dabei helfen, einen Impftermin zu bekommen.

Doch wie so oft kam alles anders. Da die Impf-Hotline des Landes ebenso zusammenbrach wie die Internetseite, über die man Termine buchen sollte, wandten sich die Leute an die Bassumer Info-Hotline. Und sie wollten keine Seelsorge oder Informationen – sondern Impftermine. „Unter anderem meldeten sich Bremer und Stuhrer“, erzählt Nina Ehlers-Röpe. „Darunter Kinder, die für ihre Eltern einen Termin machen wollten. Vor allem Letztere reagierten sehr ungehalten und sagten: «Bei euch steht das Impfzentrum! Ihr seid zuständig!» In etwa 90 Prozent der Anrufe ging es um einen Termin.“

Nach der ersten Stunde änderten die Frauen ihre Taktik: Sie riefen beim ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) an und schafften es auf diese Weise, viele Senioren auf die Warteliste setzen zu lassen. „Das war allerdings auch nicht einfach“, erklärt Hella Schulenberg. „Manchmal haben wir da auch über eine Stunde warten müssen. In der Zwischenzeit haben wir mehrere Senioren gesammelt und sie dann zusammen auf die Liste gesetzt. Dann haben wir die Leute wieder angerufen und ihnen mitgeteilt, dass sie drauf sind.“

Die Reaktionen haben für das Hotline-Team dann vieles wieder wettgemacht. „Die Leute waren sehr dankbar und nett. Viele waren auch einfach froh, mit jemandem reden zu können und keine Ansage auf Band zu hören. Sie verstehen nicht, dass das Land sie so allein lässt und erwartet, dass sie sich selber kümmern. Wir reden hier nicht nur von 80-, sondern auch 90- manchmal sogar 100-Jährigen. Die sind oft einfach überfordert“, erzählt Ehlers-Röpe.

Doch nicht jeder wollte einen Impftermin „Es riefen auch welche an, die sagten, dass sie erstmal nicht geimpft werden, sondern noch abwarten möchten. Da spielte auch Angst mit rein. Sie fragten, welchen Impfstoff sie denn bekommen werden und was da drin ist.“ In diesem Fall verwiesen die Frauen an andere Stellen oder erklärten, dass es vor der Impfung auch immer ein Gespräch mit dem Arzt geben wird. „Insgesamt hatten wir 800 Anrufe in der vergangenen Woche“, sagt Ehlers-Röpe. Etwa 200 konnten sie auf die Warteliste bringen.

Das Online-Portal, das am Freitag an den Start ging, brachte große Erleichterung. Die Zahl der Anrufer nahm von da an spürbar ab. Auch die Damen von der Info-Hotline nutzen es. „Am Freitag haben wir schon für zwei Senioren Termine gebucht. Das war ein echtes Highlight“, freut sich Nina Ehlers-Röpe.

Die Info-Hotline der Stadt ist zunächst noch für diese Woche freigeschaltet. Es gibt die Idee, sie offen zu halten, wenn die über 70-Jährigen an der Reihe sind, aber das ist noch nicht spruchreif.

„Wir bitten nun alle Senioren, die wir auf die Warteliste gesetzt haben, nicht ungeduldig zu werden und abzuwarten“, sagt Hella Schulenberg und Nina Ehlers-Röpe ergänzt: „Und die Bassumer sollen wissen, dass wir weiterhin für sie da sind.“

Das Hotline-Team ist von montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr unter 04241 / 826 94 90 zu erreichen.

Die Twistringer Info-Hotline ist am Montag an den Start gegangen. Viele Anrufer waren sehr dankbar und hörbar glücklich, einen Ansprechpartner zu haben. Das berichtet die Seniorenbeauftragte Anke Döpkens.

„Es ist sehr gut gelaufen, wir hatten viele Anruferinnen und Anrufer. 44 konnten wir auf die Warteliste zum Impfen setzen“, sagt sie über den ersten Vormittag. „Wir schicken diesen Senioren jetzt kurzfristig eine Information, dass sie auf der Warteliste stehen und automatisch schriftlich einen Termin zum Impfen im Impfzentrum Bassum bekommen.“ Es hätten auch Personen angerufen, die aufgrund ihres Alters noch nicht impfberechtigt sind, darunter Schwerkranke. „Hier hatten die Ehrenamtlichen ein offenes Ohr für die Anliegen der Anrufer“, sagt Döpkens.

„Wir haben Ehrenamtliche, unter anderem vom Seniorenbeirat der Stadt, die die Anrufe entgegennehmen“, führt sie weiter aus. „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung.“

Die kostenlose Twistringer Info-Hotline ist unter 04243 / 413 300 erreichbar. Sie ist montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr besetzt.

Infos zur Impfung gibt es auf der Internetseite des Impfzentrums.

Die Stadt Twistringen hat die Formulare, die bei der Impfung im Bassumer Impfzentrum gebraucht werden, auf hier veröffentlicht – für alle, die sie sich vorab schon einmal in Ruhe durchlesen wollen

Von Julia Kreykenbohm Und Katharina Schmidt

Halten Abstand und haben ein offenes Ohr: Hedwig Harms und Siegfried Wilkens vom Seniorenbeirat helfen bei der Twistringer Info-Hotline mit.

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