Hartes Jahr

Corona trifft Explosive Arts aus Bassum: „Wir haben nur draufgezahlt“

Ein bunt-leuchtender Nachthimmel ist quasi das Ziel des Teams von Explosive Arts. Dieses Jahr konnten sie dem so gut wie gar nicht gerecht werden.
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Ein bunt-leuchtender Nachthimmel ist quasi das Ziel des Teams von Explosive Arts. Dieses Jahr konnten sie dem so gut wie gar nicht gerecht werden.

Bassum – Hunderte von Paketen der Bassumer Firma Explosive Arts liegen aktuell bei Versandhändlern, gefüllt mit allem, was den Jahreswechsel bunt und laut macht. Und da werden sie erst mal auch bleiben, denn die Bundesregierung hat den Verkauf der Pyrotechnik verboten.

Für die Geschäftsführer der Firma, Adrian Heinrich und Nikolas Grube, ist es das dicke Ende eines Jahres, das wie ein Feuerwerk hätte werden können – und dann zum nassgewordenen Knallfrosch mutierte. „Wir hatten Aufträge für Hochzeiten, Stadtfeste und Festivals“, zählt Heinrich auf. 95 Prozent davon seien entfallen.

Einer der fünf Aufträge, bei dem sie den Himmel in bunte Farben tauchen konnten, war beim Ferdinands-Feld-Festival in Rotenburg, das eine „Lockdown-Edition“ für 200 Besucher anbot. „Allerdings haben wir dafür kein Geld bekommen. Wir haben es aus Solidarität gemacht, weil wir dort jedes Jahr waren und man in diesen Zeiten zusammenhalten muss“, sagt Heinrich.

360-Grad-Onlineshop entwickelt

Also entwickelten er und sein Geschäftspartner einen 360-Grad-Onlineshop – dabei handelt sich um einen virtuellen Nachbau des physischen Shops –, der auch gut angenommen wurde. „Wir haben einiges verkauft – nur wurde es natürlich noch nicht ausgeliefert. Jetzt liegen die Pakete bei den Versandhändlern. Glücklicherweise haben 90 Prozent der bisher erreichten Großkunden schon erklärt, dass sie die Ware nächstes Jahr annehmen wollen“, berichtet Heinrich.

Er und Grube haben nach all den abgeblasenen Events ihre ganze Hoffnung auf das Verkaufsgeschäft an Silvester gesetzt, in das sie ihr verbliebenes Kapital steckten. „Wir hatten mit fünf Verkaufsstellen geplant, in Bad Essen, Westerstede, Elmshorn, Neukirchen und Bassum. Wir investierten in die Werbung, Inneneinrichtung und hatten natürlich noch weitere Ausgaben für Versicherung und Lagergebühren.“ Nun hat sich auch diese letzte Hoffnung zerschlagen.

Feuerwerk einlagern

Doch Heinrich und Grube haben kaum Zeit diesen Schlag zu verdauen. Denn nun müssen sie sich mit der Frage beschäftigen: Wohin mit den vielen Raketen und Böllern? Denn sowohl die, die sie im Lager haben, als auch die, die noch beim Versandhändler vor sich hindämmern, müssen bald den Standort wechseln. „Über einen längeren Zeitraum muss dieses Material in Bunkern untergebracht werden. Doch wenn nun alle Pyrotechniker ihr Feuerwerk einlagern müssen, gibt es nicht genug Kapazitäten. Wir wollten versuchen, Material an die Hersteller zurückzuschicken, doch die haben auch keinen Platz“, schildert Heinrich das Problem.

Jetzt müssen provisorische Lager eingerichtet werden. Darum hat Explosive Arts beispielsweise See-Container umgebaut, was aber natürlich auch teuer ist.

Pyrotechnik liegt in einem Lager. Das Verkaufsverbot für Silvester-Feuerwerk wegen des harten Corona-Lockdowns stürzt die Hersteller in eine Krise.

„Wir haben 90 Prozent Umsatzverlust in 2020. Unser Vorteil ist, dass wir das nur nebenberuflich machen, sodass es sich dieses Jahr lediglich zu einem teuren Hobby entwickelt hat. Privat haben wir nur draufgezahlt“, sagt Heinrich. Der gesamten Branche hingegen drohe die Insolvenz.

Was allerdings sehr schön sei, seien die aufmunternden Nachrichten, die von einigen Kunden kommen. „Viele Großkunden zeigen sich solidarisch, bestellen beispielsweise Gutscheine und wollen uns damit unterstützen.“

Böllerverbot kommt kurzfristig

Für den Lockdown und die generellen Maßnahmen haben Heinrich und Gruber volles Verständnis. „Die Gesundheit hat immer Vorrang, und wir meckern hier auf sehr hohem Niveau. Was jedoch ärgerlich ist, ist zum einen der Zeitpunkt. In den Niederlanden hat man sich schon vor Wochen für ein Verbot entschieden. Warum kommt es in Deutschland so kurzfristig? Und zum anderen frage ich mich, warum man keine einheitliche Entscheidung für alle Bundesländer treffen konnte, was das Böllern angeht?“, sagt Heinrich

Er sieht in dieser inkonsequenten Haltung auch eine Gefahr. „Der Schwarzmarkt für Böller blüht. Wir bekommen unseriöse Angebote von Leuten, die die Feuerwerkskörper dann selber weiterverkaufen wollen. In Berlin gibt es Busse, die nach Polen fahren, wo die Leute sich mit Böllern eindecken. Da legal nichts zu bekommen ist, greifen sie auf illegale Ware zurück – und durch die steigt wiederum das Verletzungsrisiko.“

Das Team von Explosive Arts setzt seine Hoffnungen auf 2021.

Aufgeben wollen Heinrich und Grube auf keinen Fall. „Wir machen weiter und bleiben dran.“ Immerhin sind sie schon fünf Jahre dabei, und es steckt viel Herzblut in Explosive Arts. Aber große Erwartungen haben sie an 2021 nicht. „Große Events werden dann sicher auch nicht stattfinden, vielleicht mal wieder ein paar Hochzeiten. Wir werden die Kosten zurückfahren, das Online-Geschäft weiter ausbauen und hoffen, die Verluste mit dem nächsten Silvester-Geschäft kompensieren zu können.“

Und wenn der Verkauf von Böllern verboten bleibt? Heinrich bleibt gelassen. „Auch davon könnten wir profitieren. Denn dann werden wir öfter für Großfeuerwerke gebucht. Diese werden dann zu etwas ganz Besonderem, weil die Leute sie eben nicht mehr so oft zu Gesicht bekommen.“

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