Corona stoppt Traumreise

Das ist ihr Traumschiff: Luise und Heinrich Fischer mit einem Foto der Aida Stella, mit der sie im Mittelmeer gekreuzt sind. Obwohl Corona ihre Reise vorzeitig beendet hat, schwärmen die beiden von wunderschönen Urlaubstagen auf See. Foto: Anke Seidel

50 Jahre sind Luise und Heinrich Fischer verheiratet. Zur Goldhochzeit will sich das Paar einen Lebenstraum erfüllen: eine Kreuzfahrt zu den Kanaren. Doch jetzt hat Corona ihre Traumreise gestoppt. Das rüstige Paar aus Bassum ist vorzeitig wieder zuhause.

VON ANKE SEIDEL

Bassum – Blauer Himmel, wunderschöne Landschaften und eine Kabine mit atemberaubendem Meerblick: Luise und Heinrich Fischer haben sich einen Lebenstraum erfüllt. Vor genau 14 Tagen haben sie ihre goldene Hochzeit gefeiert – und aus diesem besonderen Anlass eine Kreuzfahrt auf der Aida Stella zu den Kanaren und nach Madeira gebucht. Die maritime Rundreise startet auf Gran Canaria – dort, wo Heinrich und Luise Fischer vor 25 Jahren schon aus Anlass ihrer Silberhochzeit waren.

Doch diesmal stoppt Corona ihre Traumreise. Zwei Inseln, La Palma und Teneriffa, kann das Paar nicht mehr genießen. Vorzeitig geht es mit dem Flugzeug zurück nach Hamburg, wo Tochter Nicole und Schwiegersohn Paul das Goldpaar wieder abholen.

Dass die Infektionsgefahr lange Schatten auf ihren Traumurlaub werfen könnte, damit hatten die 72-Jährige und ihr ein Jahr älterer Ehemann bei der Buchung nicht gerechnet. Aber bei Fahrtantritt hatte das Paar schon „ein bisschen mulmiges Gefühl“, wie es Heinrich Fischer formuliert.

Mit dem Flugzeug geht es zunächst nach Las Palmas auf Gran Canaria, dann mit dem Bus zum Hafen. „Jeder musste ein Gesundheitszeugnis ausfüllen“, beschreibt Luise Fischer eine elementare Forderung. Denn mit der Aida Stella (253 Meter lang, 32 Meter breit, 15 Decks) können 2 200 Passagiere reisen, um die sich 607 Besatzungsmitglieder kümmern.

An Bord genießt das Goldpaar das Leben auf dem Kreuzfahrtschiff – und vor allem die Kabine auf Deck sieben mit dem traumhaften Meerblick, die Luise und Heinrich Fischer beziehen. Versonnen betrachtet das Paar die Fotos aus diesen Tagen: „Das war wunderschön“, bilanziert es trotz aller Einschränkungen. Von Corona-Gefahr ist in den ersten Tagen nichts zu spüren. Zunächst ist Madeira das Ziel der Aida Stella. Die portugiesische Insel gilt mit ihrer Blütenpracht als „schwimmenden Garten Europas“.

Danach steuert das Kreuzfahrtschiff Lanzarote an. Viele Passagiere nutzen die Chance zu einem Landgang. Heinrich und Luise Fischer genießen derweil die Entspannung auf dem Schiff mit seinen Whirlpools, Sonnenliegen und Unterhaltungsangeboten. Ihre Kinder haben ihnen zur Goldhochzeit ein Foto-Shooting geschenkt, und so posieren sie immer wieder vor der Kamera – für viele Bilder, die sie an die unvergessliche Reise erinnern sollen.

Am frühen Abend kommt die alles verändernde Durchsage: „Das Schiff darf nicht weiterfahren nach La Palma“, so Luise Fischer. Von einer Ausgangssperre ist nicht die Rede. Deshalb verlassen am nächsten Morgen nach dem Frühstück einige Mitreisende das Schiff für einen weiteren Landgang. Doch um zehn Uhr ist klar: Es darf niemand mehr vom Schiff.

Durch die Bordkarten wissen die Besatzungsmitglieder, welche Passagiere sich an Land befinden – und versuchen, sie auch mit Hilfe von ihren Reisebekanntschaften zu erreichen. „Zum Beispiel über WhatsApp“, erklärt Heinrich Fischer. Als alle an Bord sind, dreht die Aida Stella bei: Es geht zurück nach Gran Canaria, denn auch Teneriffa darf der Kapitän nicht mehr anlaufen. „Er hat sich vielmals entschuldigt und ein Glas Sekt ausgegeben“, berichtet das Goldpaar.

Zu diesem Zeitpunkt haben Heinrich und Luise Fischer ihre bereits in Deutschland gebuchten Landausflüge schon storniert: „Das ging problemlos. Das Geld haben wir direkt auf dem Schiff erstattet bekommen.“

In Gran Canaria angekommen, liegt das Schiff fest. „Einen Tag und eine Nacht haben wir dort verbracht“, berichten Heinrich und Luise Fischer. Trotz allem: Es ist eine schöne Zeit. Denn bei einem Treffen aller Flitter- und Ehejubiläumspaare an Bord gewinnen die beiden bei einer Verlosung einen Wellness-Tag – und genießen Luxus auf der Aida Stella, von dem sie noch heute schwärmen. Außerdem bekommt das Goldpaar eine große Torte mit Widmung geschenkt.

„Das sind Erinnerungen, die uns keiner nehmen kann“, sagen die beiden – und berichten von einer fröhlichen und entspannten Stimmung an Bord.

Das Goldpaar genießt die Shows und die Musikdarbietungen an Bord. „Auch für Kinder gab es ein Programm“, freuen sich die Fischers, die selbst dreifache Großeltern sind.

Mit dem Bus geht es schließlich zurück zum Flughafen Las Palmas. Das Bild dort wird Luise Fischer so schnell nicht vergessen: „Ich habe mein Lebtag noch nie so viele Menschen auf einem Flughafen gesehen.“ Es müssen rund 40 000 gewesen sein, schätzt Heinrich Fischer. Die Rückreise wird zur Geduldsprobe für das Bassumer Paar.

Zwei Stunden steht es in der Schlange, bis der Terminal für den Flug nach Hamburg erreicht ist. „Wir haben vier Stunden gebraucht, bis wir im Flieger saßen“, berichten die beiden. Um 20 Uhr sind sie wieder zurück in der Hansestadt Hamburg – zwei Tage vor der geplanten Rückreise. Allen Widrigkeiten zum Trotz sind Heinrich und Luise Fischer sich einig: „Wir haben noch nie so einen schönen Urlaub gehabt.“

Einer Infektionsgefahr mit Corona hätten sie sich zu keinem Zeitpunkt ausgesetzt gefühlt, sagen sie: „Allein in den Restaurants gab es am Ein- und am Ausgang immer Desinfektionsstationen.“ In allen Bereichen sei ganz genauso auf absolute Sauberkeit geachtet worden.

Und wie gehen die mit der nicht erbrachten Leistung von zwei Tagen um? „Ich glaube nicht, dass wir etwas zurückbekommen“, schätzt Heinrich Fischer, „und ich würde darauf auch nicht pochen“. Er blickt auf die vielen farbenfrohen Fotos – CD-Album inklusive: „Es war traumhaft schön!“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Meistgelesene Artikel

Physiotherapeuten arbeiten weiter: Wir sind keine Massagepraxen“

Physiotherapeuten arbeiten weiter: Wir sind keine Massagepraxen“

Vier DHL-E-Autos brennen aus: Löscharbeiten schwierig

Vier DHL-E-Autos brennen aus: Löscharbeiten schwierig

Coronavirus trifft Veranstaltungen in Syke: Absage-Welle setzt sich fort

Coronavirus trifft Veranstaltungen in Syke: Absage-Welle setzt sich fort

Wendiger Flitzer für schwieriges Terrain

Wendiger Flitzer für schwieriges Terrain

Kommentare