Wie man die Lage am besten erklärt

Mit Kindern durch die Corona-Krise – eine Expertin gibt Tipps für Eltern

Wie ist die Corona-Krise mit Kindern zu meistern? Eine Expertin gibt Tipps, wie die Betreuung trotz Covid-19-Pandemie gelingt – und wie man den Kindern die Ausnahmesituation am besten erklärt.

  • Eltern sollten Kindern Corona-Pandemie mit einfachen Worten erklären
  • Familien in der Corona-Krise: Gemeinsame Zeit nutzen
  • Coronavirus: Feste Tagesstruktur hilft Kindern in der Krisenzeit

Bassum – Viele Kinder sind nun rund um die Uhr zu Hause. Treffen mit Freunden? Kaum möglich. Der Gang auf den Spielplatz? Verboten. Oma und Opa besuchen? Geht leider nicht. Da kommen viele Fragen bei den Kleinen auf. Wie reagieren Eltern am besten darauf? Elsbeth Ruholl vom Familienzentrum Bassum gibt Tipps.

Werden Sie zurzeit von Eltern kontaktiert, die die Corona-Krise verunsichert?

Nein, bislang nicht. Ich glaube, alle sind auch erst mal damit beschäftigt, sich auf die neue Situation einzustellen, da Kinder nicht in Kita oder Schule gehen, Eltern zum Teil freigestellt von der Arbeit sind und sie müssen sich neu organisieren.

Kinder sollen die Corona-Krise ernst nehmen, sich allerdings auch nicht ängstigen. Wie erklären Eltern ihnen am besten die Situation? Worauf sollten sie unbedingt verzichten?

Eltern erklären es am besten mit einfachen Worten und Beispielen. Die meisten Kinder hatten schon mal eine Erkältung und/oder Fieber und können die Krankheitssymptome verstehen und einordnen. Wichtig ist ja, dass gesunde Menschen diese Krankheit in der Regel gut überstehen. Deswegen brauchen gesunde Kinder auch keine Angst zu haben.

Für die geschwächten und oft auch die älteren Menschen kann der Virus aber sehr gefährlich werden. Weil der Virus durch engen Kontakt und durch Husten und Niesen übertragen werden kann, schränken alle ihre Kontakte auf das Notwendigste ein und halten Abstand. Das verstehen auch Kinder gut.

Wir helfen dabei, dass sich nicht so viele auf einmal anstecken, und dass für die Schwachen und Kranken, die sich infizieren, ausreichend gesorgt werden kann. Für Kinder ist es gut, die Situation konkret zu machen und das spielerisch zu üben: wie viel Abstand beim Einkaufen, in die Armbeuge husten oder „wir besuchen Ur-Omi im Moment nicht, weil sie schon geschwächt ist, aber wir telefonieren mit ihr und Du kannst ein Bild malen“.

Kinder müssen das neue Verhalten einüben und auch immer mal wieder daran erinnert werden. Und Eltern dürfen auch zugeben, wenn sie etwas nicht wissen. Es gibt mittlerweile auch ganz gute kleine Filme für Kinder im Internet, die das Virus, seine Ansteckungswege und so weiter für Kinder gut erklären.

Gut wäre es, sich das gemeinsam anzugucken und darüber zu sprechen. Immer mal wieder. Dann erfahre ich, was mein Kind gerade beschäftigt.

Viele Kinder sind nun rund um die Uhr zu Hause. Da kommen Fragen bei den Kleinen auf.

Viele Kinder sind nun zu Hause. Was können Eltern tun, damit die Zeit keine nervliche Zerreißprobe für sie und den Nachwuchs wird?

Da kommt auf die Familien, mit der zunehmenden Zeit, die es dauert, schon eine enorme Belastungsprobe zu! Je nach Situation, zum Beispiel: Wie viele Kinder und wie viel Platz habe ich? Können die Kinder einen Garten nutzen? Können sie sich schon gut selbst beschäftigen? Da wird es unterschiedliche Herausforderungen geben. Gleichzeitig fallen viele Dinge der gewohnten Beschäftigung weg: Freunde besuchen, einem Sport oder Hobby nachgehen, den Tierpark zu einem Spaziergang besuchen. Kleinere Kinder brauchen mehr Anregungen und Anleitung. Sie verstehen nicht, warum sie jetzt nicht auf den Spielplatz gehen dürfen.

Ich wünsche Eltern viel Gelassenheit und Humor. Die Situation ist für alle ungewohnt, es gibt vielleicht mehr Streit und Geheule oder Gejammere der Kinder, weil sie bestimmte Einschränkungen nicht verstehen wollen oder können. Es wird sich nicht immer alles zum Wohlgefallen aller regeln lassen, manchmal sind wir genervt oder ungerecht. Das gehört dazu!

Lesen Sie auch: So müssen Sie im Haushalt wegen des Coronavirus auf Hygiene achten

Welchen Tipp geben Sie Familien in dieser Zeit?

Halten Sie, soweit möglich, eine Tagesstruktur ein: gemeinsame Mahlzeiten, Spielzeiten, Schlafenszeiten. Wenn Sie keinen Garten haben, gehen Sie als Familie an die frische Luft, machen Sie ein tägliches Bewegungsprogramm! Am besten mehrmals.

Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus, das entlastet und bringt neue Ideen zum Beispiel für Beschäftigungen. Beziehen Sie Ihre Kinder mit ein, die eigenen Ideen setzen Kinder am liebsten um.

Sehen Sie es positiv: Wir wünschen uns oft im Alltag mehr Zeit miteinander, die ist jetzt da: vielleicht zum gemeinsamen Kochen und Spielen, einen Film zusammen anschauen; mal in Ruhe etwas zusammen machen, wofür sonst wenig Zeit bleibt.

Es gibt in den Medien viele Anregungen, wie und womit man die Kinder und Jugendlichen gut beschäftigen kann, vor Ort unter anderem die Lesetipps der Stadtbücherei und die „digitale Sofarally“ des Mütter-Kinder-Zentrums Bassum.

Manche Eltern machen sich im Moment Sorgen, weil ihr Arbeitsplatz gefährdet ist, Kurzarbeit ansteht, befristete Verträge nicht verlängert werden und sich dadurch das Familieneinkommen verringert. Kinder spüren sehr wohl, wenn wir sagen „Alles ist okay“ uns aber trotzdem sorgen.

Es gibt auch Eltern, denen die Isolation zu schaffen macht. Denen möchte ich sagen: Nutzen Sie die telefonischen Beratungsmöglichkeiten, holen Sie sich Unterstützung.

Rubriklistenbild: © Krakenimages.com/Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. VLH/obs

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