Claudia Kemper leitet Hospizgruppe und erhielt die Ehrenamtsmedaille

Mit dem Tod hoffnungsvoller umgehen

+
Claudia Kemper nutzte die Regionalmesse AktiBa, um die Arbeit der Hospizgruppe bekannter zu machen.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Also Hut ab vor dem, was Sie da tun. Ich könnte das nicht.“ Diesen Satz hört Dr. Claudia Kemper oft, aber nicht gern. Denn er offenbart das eigentliche Problem: Menschen verdrängen das Thema Tod. Claudia Kemper begleitet todkranke und sterbende Menschen. Sie gründete 2013 die Hospizgruppe in Bassum. Kürzlich wurde sie für ihr Engagement mit der Ehrenamtsmedaille ausgezeichnet.

„Eigentlich arbeiten wir daran, uns überflüssig zu machen“, sagt Kemper. Doch bis es soweit ist, müssen sie und ihr Team noch eine ganze Menge Aufklärungsarbeit leisten.

Der Tod gehöre zum Leben dazu, werde aber von vielen Menschen verdrängt. Warum das so ist? „Es ist urmenschlich, vor etwas Angst zu haben, was man nicht kennt“, sagt Kemper. „Unsere Gesellschaft hat sich von der Religion und der Spiritualität entfremdet“, ist sie überzeugt. Die Menschen hätten verlernt, den Tod anzunehmen als das, was er ist, eine Krise. „Eigentlich müssten wir viel hoffnungsvoller mit dem Tod umgehen.“

In ihrer Arbeit als Seelsorgerin, Claudia Kemper hat unter anderem Theologie studiert und auch für das Kinderhospiz Löwenherz gearbeitet, habe sie oft Wunder erlebt. „Wir haben verlernt, unsere Antennen zu öffnen. Kinder können das viel besser.“

Sie erinnere sich noch genau an ihren ersten Auftrag bei Löwenherz. Es war eine Nottaufe für einen neun Monate alten Säugling, Josefine. Das kleine Mädchen starb. „Bei der Beerdigung fing plötzlich im Gebüsch neben uns – mitten in der Stadt – ein Zaunkönig so laut zu singen an, dass wir uns alle irritiert ansahen“, erinnert sich Kemper. „Uns allen war klar: Danke Josie, das ist doch mal ein Zeichen.“

Man könne im Tod auch einen Sinn sehen, „aber jeder trauert anders“, weiß sie aus eigener Erfahrung. Auch Claudia Kemper musste lernen, mit der Trauer umzugehen. „Als mein Bruder starb, erlitt ich erst einmal einen Nervenzusammenbruch.“ – „Den eigenen Tod, den stirbt man nur; doch mit dem Tod der andern muss man leben“, zitiert sie ein Gedicht von Mascha Kaléko. „Wir werden alle irgendwann mit dem Tod von Angehörigen konfrontiert. Das müssen wir uns klarmachen.“

Claudia Kemper wurde sehr religiös erzogen. Sie lebte fünf Jahre lang als Nonne in einem Kloster. Später kehrte sie der katholischen Kirche den Rücken zu. Sie hat als Religionslehrerin gearbeitet, ist ausgebildete Physiotherapeutin, hat dann Gesundheitswissenschaften studiert und sogar promoviert.

Die spirituelle Begleitung war ihr allerdings stets wichtig.

„Die Erlebnisse im Hospiz ließen mich nicht mehr los. Ich dachte, es wäre gut, eine Gruppe zu gründen. Ich bin da reingewachsen“, sagt sie.

Mittlerweile gibt es in Bassum zwölf ausgebildete Hospizhelfer. „Und die scharren mit den Hufen“, sagt Kemper. Der Bedarf sei riesig, die Nachfrage zögerlich. Viele würden sich scheuen, Kontakt aufzunehmen. „Es ist vermutlich die Hemmschwelle, einen fremden Menschen ins Haus zu lassen.“

Kemper und ihr Team stehen schwerkranken und sterbenden Menschen und deren Angehörigen mit all ihren Kräften bei, sie ermöglichen den Kranken, in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben, und genauso ermöglichen sie es den Angehörigen, die Patienten zuhause zu behalten. „Man kann uns jederzeit anrufen. Es hilft, zu sprechen“, weiß Kemper. Hospizhelfer hören zu, sind einfach da, als Freund und Nachbar. Wesentliches Merkmal der ambulanten Hospizarbeit sei die psychosoziale Begleitung.

„Ich brauche diese Beziehungsarbeit und ich weiß, dass ich das gut kann. Das ist meine Begabung“, sagt Kemper. Man müsse aber auch loslassen können. Sie habe gelernt, abzuschalten. „Ich genieße das Leben in vollen Zügen. Ich habe seit 20 Jahren eine wunderbare Partnerin. Das ist ein Pfund.“ Und auch ihre Hunde und ihr Hobby, die Imkerzucht, helfen Claudia Kemper immer wieder, den Kopf frei zu bekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Klingende Sehenswürdigkeiten: Gescher Glocken im Münsterland

Klingende Sehenswürdigkeiten: Gescher Glocken im Münsterland

Flughäfen zwischen Abflug- und Ausflugsziel

Flughäfen zwischen Abflug- und Ausflugsziel

Das ist der Gipfel: E-Mountainbiking am Dachstein

Das ist der Gipfel: E-Mountainbiking am Dachstein

Meistgelesene Artikel

Auszeit auf der Lohne

Auszeit auf der Lohne

Haustiere sterben bei Wohnhausbrand in Twistringen

Haustiere sterben bei Wohnhausbrand in Twistringen

72-jähriger Motorradfahrer stirbt bei Unfall

72-jähriger Motorradfahrer stirbt bei Unfall

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

Kommentare