Der Platz lebte auf – dann kam Corona

„Eine Katastrophe“: Jakob Melzel kämpft darum, seinen Campingplatz durch den Lockdown zu bringen

Die Minigolf-Anlage soll noch dieses Jahr aufgebaut werden. Doch werden Gastcamper sie wieder nutzen dürfen? Jakob Melzel blickt besorgt.
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Die Minigolf-Anlage soll noch dieses Jahr aufgebaut werden. Doch werden Gastcamper sie wieder nutzen dürfen? Jakob Melzel blickt besorgt.

Die Frühlingssonne lacht. Aus einem Wohnwagen dringt leise Musik. Aus einem Häuschen hört man das Klappern von Geschirr. Das Leben auf dem Campingplatz Groß Ringmar ist ruhig, aber es ist da. Die 34 Dauercamper kommen entweder an den Wochenenden, um ihre Parzellen schick zu machen – oder sind sogar schon eingezogen. Eine von ihnen ist ein echtes „Camping-Urgestein“.

Groß Ringmar – Seit etwa 20 Jahren kennt die rüstige Seniorin den Platz in Groß Ringmar und kehrte ihm nur für eine Weile den Rücken, als er noch in den Händen der Vorbesitzer lag. „Es ist noch viel zu tun“, findet sie. „Der Platz war mal ein Schmuckstück – und wird es wieder sein! Doch das geht nicht von heute auf morgen. Was Jakob und seine Familie schon geschafft haben, ist enorm“, lobt sie.

Groß Ringmar: Familie arbeitet daran, Campingplatz ein hübsches Gesicht zurückzugeben

Campingplatz-Betreiber Jakob Melzel lächelt. Das sind Worte, die guttun in dieser Zeit, die er sichtlich bedrückt als „Katastrophe“ bezeichnet. 2017 gab Melzel seine Selbstständigkeit auf, übernahm den Campingplatz und erfüllte sich damit einen Lebenstraum. Seitdem arbeiten er und seine Familie unermüdlich daran, dem heruntergewirtschafteten Platz ein ordentliches, hübsches Gesicht zurückzugeben.

2018 war die Eröffnung und die ersten Camper kamen wieder, der Platz lebte auf – dann kam Corona. „Anfang März 2020 machten wir noch einen Tag der offenen Tür. Eine Woche später wurden schon die ersten Verbote erlassen. Himmelfahrt und Pfingsten hatten wir geöffnet und bis zu 60 Gastcamper besuchten uns – unter Corona-Bedingungen“, erzählt Melzel. Dann war Schluss. Zumindest für die Gastcamper.

In der Gaststätte wird fleißig gewerkelt, um sie freundlicher zu gestalten.

Doch wegen des Lockdowns jetzt alles auf Eis zu legen, kommt für Melzel nicht in Frage. Er arbeitet weiter daran, den Platz voranzubringen – und bekommt viel Unterstützung. „Die Dauercamper stehen hinter uns. Manche bieten sogar Hilfe an. Es herrscht ein tolles Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir haben unter anderem eine Frau aus Dortmund hier, die sagt, die stundenlange Autofahrt würde sich für sie lohnen, weil sie hier die Ruhe findet, die sie sucht.“

Hinzu komme der Zuspruch über die Sozialen Medien. „Im vergangenen Jahr hat uns außerdem das Bauunternehmen Hartmut Bölke bei Arbeiten geholfen, und die Firma Berndt-Bau-Bassum spendete uns Mutterboden“, freut sich Melzel.

Campingplatz Groß Ringmar: Betreiber muss eine Menge investieren

Trotz dieser wertvollen Hilfe muss der Betreiber noch eine Menge investieren. Verschiedene Projekte stehen auf der Agenda und dulden keinen Aufschub: Die Einzelteile einer Minigolf-Anlage liegen im Vorgarten und warten darauf, aufgebaut zu werden. 18 Bahnen, für die Boden ausgehoben und gepflastert werden muss. Ebenso will Melzel den Wasseranschluss für die Dauercamper fertigstellen und die restlichen Straßen entkernen. Die Gaststätte soll ein helles, freundliches Ambiente bekommen. Mit der Sanierung hat die Familie schon begonnen.

Trautes Heim: Einige Dauercamper haben ihre Parzellen schon flott gemacht.

Campingplatz Groß Ringmar: Jakob Melzel am Wochenende rund um die Uhr eingebunden

Und auch der zweite Spielplatz steht kurz vor der Fertigstellung. Die Geräte sind bereits geliefert. Um all das finanziell stemmen zu können, hat Melzel Anfang Februar seine Selbstständigkeit wieder aufgenommen und hofft auf seine alten Kunden. „Nicht, weil ich den Campingplatz aufgeben will – sondern um ihn am Leben zu halten“, betont er.

Damit lädt Melzel sich ein strammes Programm auf: In der Woche geht er auf Montage und ist nach Terminvereinbarung auf dem Platz. Und am Wochenende ist er rund um die Uhr in das Geschehen in Groß Ringmar eingebunden. Buchungen für 2021 hat er schon. Natürlich mit Vorbehalt, schließlich weiß niemand, wie lange der Lockdown noch dauert. „Und es sind weniger als sonst, weil die Leute verunsichert sind.“ Dauercampern, die sich jetzt anmelden, gewährt er großzügigen Rabatt.

Melzel lässt den Blick über den Platz wandern, auf dem sicher noch nicht alles perfekt ist. Kritikern sagt er immer: „Wir machen das Möglichste.“ Und für ihn steht nach wie vor fest: „Einen Campingplatz zu betreiben ist mein Traum. Und es bleibt mein Traum.“

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