Bundestagskandidaten im Porträt

Jürgen Abelmann ist Eisenbahnfan und will den kostenlosen Schulbus

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Jürgen Abelmann liebt Eisenbahnen in jeder Form. Deshalb will er die Strecke Bassum-Sulingen reaktivieren.

Bassum - Von Anke Seidel. „Gefühlt schon eine Ewigkeit“, antwortet Jürgen Abelmann auf die Frage, wie lange er schon Mitglied in der Partei „Die Linke“ ist. Ein Jahrzehnt müsse es etwa sein, „aber nageln Sie mich nicht auf einen Tag genau fest“.

Viel wichtiger als Daten ist dem 59-Jährigen die soziale Gerechtigkeit. Weil er genau die bei der Umsetzung der Hartz IV-Reform gefährdet sah, ist Abelmann vor zwölf Jahren aus der SPD ausgetreten. Was es bedeutet, unverschuldet in eine schwierige Lage zu geraten, weiß der diplomierte Textilfachmann aus eigener Erfahrung. 

Vor zehn Jahren veränderte ein schwerer Verkehrsunfall sein Leben auf einen Schlag. „Durch die Folgen des Unfalls bin ich erwerbsunfähig geworden“, so Abelmann. Damals arbeitete er bei der Deutschen Post und war auf dem Weg zur Arbeit.

Der Syker Hacheschule verbunden

Zuvor sei er geschäftsführender Prokurist in einer Hamburger Firma gewesen, berichtet der Bundestagskandidat, der an der Kieler Förde geboren ist und heute in Bassum lebt. Davor wohnte er in Syke und war vor allem der Hacheschule sehr verbunden: „Da war ich fast zehn Jahre lang Elternsprecher“, berichtet der fünffache Vater und zweifache Opa.

Damals kandidierte Abelmann für den Syker Ortsrat, schaffte den Sprung in das Gremium aber nicht. Im vergangenen Jahr bewarb sich der Bassumer bei den Wählern um ein Kreistagsmandat – „und bin auch prompt gewählt worden!“ Die politische Arbeit für den Landkreis macht ihm Freude, auch wenn die Teilnahme an den Sitzungen manchmal eine Herausforderung für ihn bedeutet. Zeitweise ist Abelmann auf den Rollstuhl angewiesen.

Sein Leben lang hat ihn ein Sprichwort seiner Großmutter begleitet: „Auf das Schlimmste gefasst sein und das Beste hoffen.“ Was bedeutet ihm das in diesen Zeiten? „Das Beste wäre natürlich, wenn ich reinkäme“, blickt Abelmann auf den Bundestag, „und das Schlimmste, wenn die CDU mit der AfD regieren würde“.

Viel Kraft in den Wahlkampf investiert

Jetzt investiert er viel Kraft in den Bundestagswahlkampf, obwohl er keinen Listenplatz und kaum eine Chance hat, den Wahlkreis Diepholz-Nienburg I direkt zu gewinnen. „Aber man weiß ja nicht, was der Wähler macht“, sagt der 59-Jährige schmunzelnd. 

Er will in jedem Fall „klare Kante“ zeigen und sich vor allem für Verbesserungen im Gesundheitswesen einsetzen. „Wir brauchen mehr Pflegekräfte in den Kliniken – wie auch immer“, sagt Abelmann. „Und es muss auch wieder eine Geburtenstation im Landkreis geben – mindestens Hebammen geführt und mit einer Erstversorgung für Neugeborene.“

Schule und Bildung sind ihm ebenso wichtig: „Das muss politisch so gestaltet werden, dass alle die gleichen Chancen haben.“ Dafür sei die kostenlose Schülerbeförderung wichtig, und sie müsse bis zum Ende der Ausbildung gelten.

„Und dass die Rente hinten und vorne nicht reicht, ist doch klar!“, kritisiert der 59-Jährige. Er fordert 1 050 Euro Rente für jeden: „Selbst das halte ich teilweise noch für zu gering, wenn ich an die Energiekosten denke.“ Im Übrigen müssten die Menschen, die Strom sparen, belohnt und nicht bestraft werden.

ÖPNV ausbauen

Den Öffentlichen Personennahverkehr will Abelmann ausbauen, zum Beispiel die Linie 123 Bassum-Sulingen auch auf Nachtzeiten ausweiten. Der 59-Jährige ist ein großer Verfechter der Wiederbelebung der Eisenbahnstrecke Bassum-Sulingen.

Unbedingt müsse der Schwerlastverkehr anders geregelt werden: „Hier fährt ja alles durch“, blickt er auf die Bundesstraßen im Landkreis. An den Nummernschildern sei zu erkennen, dass es Laster aus Schweden, Ungarn, Lettland und anderen Ländern seien. Die würden durch den Landkreis fahren, „um Maut zu sparen“. Eine Vignette nach österreichischem Vorbild könne eine gute Lösung sein. Das Geld daraus könne man wieder in den Straßenbau stecken.

Was macht Abelmann, wenn er nicht Wahlkampf macht? „Ich male gern“, antwortet der Rentner. Außerdem sei er seit rund 40 Jahren Mitglied bei den Freunden der Museumseisenbahn Bruchhausen-Vilsen: „Das liegt mir sehr am Herzen.“

Die Serie:

In unserer Serie „Kandidaten im Porträt“ stellen wir die sechs politischen Bewerber um ein Bundestagsmandat im Wahlkreis Diepholz/Nienburg I vor – in der Reihenfolge der Parteistimmen-Ergebnisse bei den Bundestagswahlen 2013, weil fünf von sechs Kandidaten neu sind. Im ersten Teil stellt sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig vor. Die CDU hatte 2013 in diesem Wahlkreis 37,51 Prozent der Parteistimmen geholt – das war damals der Spitzenplatz.

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