BÜRGERMEISTERWAHL

Christian Porsch - Ein Bassumer Jung

Die Bassumer wählen am 12. September einen neuen Bürgermeister. Zwei Kandidaten gehen ins Rennen: Amtsinhaber Christian Porsch und Herausforderer Oliver Launer. Was sie bewegt, ihnen wichtig ist und was ihre Stärken und Schwächen sind, erzählen sie im Gespräch mit der Kreiszeitung. Erste Folge: Christian Porsch.

Bassum – Den Tierpark Petermoor hat sich Christian Porsch für das Gespräch ausgesucht. Es soll weniger um die Aufgaben, Ziele und Erfolge des Bürgermeisters gehen, sondern vielmehr um ihn als Menschen. Wer ist Christian Porsch? Warum also der Tierpark? „Mit dem Park verbinde ich mein ganzes Leben, ich bin hier als Kind schon Schlittschuh gelaufen“, erzählt er, kurz nachdem er aus dem Auto steigt.

Porsch ist in Bassum aufgewachsen. Er ist Bassumer, mag Bassum und will hier nicht weg. Beständigkeit ist etwas, das ihn sein ganzes Leben begleitet. „Ich gehöre hierher“, sagt er.

Nie um einen flotten Spruch verlegen

Beim Gang durch den Tierpark trifft er ständig Personen, die ihn kennen und grüßen. Das bleibt nicht aus, in so einer kleinen Stadt. Macht es ihm etwas aus? „Nein, überhaupt nicht. Ich bin jemand, der gerne mit Menschen zusammen ist“, sagt er. „Ich mache aber auch gerne was für andere.“ Das sei schon immer so gewesen. Seit seinem 14. Lebensjahr ist er Mitglied im TSV Bassum, war Spieler, Trainer, Stadionsprecher, Mädchen für alles. „Ich sage immer, ich habe alles gemacht beim TSV, nur nicht Spieler der Damenmannschaft.“ Auch das ist Christian Porsch – nie um einen flotten Spruch verlegen. Das habe sich durch das Amt des Bürgermeisters nicht verändert. „Ich hoffe jedenfalls, dass ich mich menschlich nicht verändert habe. Ich will authentisch sein.“

Was sich verändert hat ist, dass er nicht mehr so viel Sport treibt. „Sieht man oder?“, fragt er und blickt an sich herunter. Er walke hin und wieder mit seiner Frau und fahre Rad – E-Bike. „Das macht richtig Spaß.“

In Bassum fest verwurzelt: Christian Porsch.

Was noch anders geworden ist: Viele sprechen ihn nicht mit Namen, sondern mit „Herr Bürgermeister“ an. „Das macht mir immer bewusst, welche Bedeutung dieses Amt für viele hat.“

In seiner Clique hingegen sei alles beim Alten geblieben. „Sicherlich gibt es Themen, wo ich mit einigen nicht einer Meinung bin.“ Die würden eben ausgespart. Man kenne sich seit Jahren – da ändere auch der Beruf nichts. Früher AWG-Mitarbeiter, heute Bürgermeister – mache keinen Unterschied.

Herrliche Kindheit mit der Straßenbande verbracht

Aufgewachsen ist Porsch an der Agnes-Schlu-Straße. Dort wohnt er übrigens noch heute. „Herrliche Zeit“, erinnert er sich an die Straßenbande. Mit den Kids aus den Nachbarhäusern hat er am Wasserturm gespielt, am Bahnhof, wo noch Vieh verladen wurde, im Tierpark und im Freibad. „Und wir haben auf der Straße gekickt“. Fußball ist eine große Leidenschaft Porschs. Sein Lieblingsverein? Neben dem TSV der HSV.

„Wir waren eine tolle Gemeinschaft“, blickt der 62-Jährige zurück auf seine Kindheit. Eine Gemeinschaft, die ihm sicherlich auch über den Tod seines Vaters hinweggeholfen habe, der starb, als er 15 war.

Ausbildung zum Landwirt

„Mein Vater war Beratungsringleiter bei der Landwirtschaftskammer – und das 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche.“ Das wollte er nicht nachmachen, und doch hatte seine Berufswahl etwas mit Landwirtschaft zu tun. „Ich war nicht unbedingt der fleißigste Schüler“, räumt er ein. Er habe vieles im Kopf gehabt, aber nicht unbedingt Schule. Nach dem Abschluss wusste er nicht wirklich, was er machen soll. Und so begann er von heute auf morgen eine Ausbildung zum Landwirt. „Der erste Betrieb war im Hohen Moor, der zweite in Klenkenborstel. Ich habe unheimlich viel gelernt.“ Dann stand die Entscheidung fest: „Ich wollte Landwirtschaftslehrer werden.“ Da er auf den Studienplatz warten musste, besuchte er nach der Ausbildung noch ein Jahr die Landwirtschaftsschule und begann dann das Studium der Agrarwirtschaft in Witzenhausen. Am Ende schenkte er sich die Pädagogik und wurde Diplom-Ingenieur.

Nach Stationen beim Maschinenring in Bücken, Computerkursen bei der LEB, Praktikum beim Beratungsring war der Traumjob gefunden: Porsch begann bei der Kreisabfallwirtschaft und blieb dort 24,5 Jahre.

Nach dem Studium zur Kreisabfallwirtschaft

Nach dem Studium hätte er auch die Möglichkeit gehabt, ins Ausland zu gehen, doch das kam nicht in Frage. Stattdessen verfestigte er seine Wurzeln in Bassum. Bei einer Kohlfahrt lernte er seine Ehefrau kennen. „Ich kannte ihre Schwester gut, sie war in unserer Clique.“ Seine Auserwählte allerdings fand ihn anfangs nicht so toll. Vielleicht lag es an dem einen oder anderen Spruch? „Na ja, das erste Treffen war bei einer Kohltour“, entschuldigt sich Porsch. Er zeigte Ausdauer und konnte seiner Kirsten 1996 das Ja-Wort geben. Zwei Töchter folgten, auf die der 62-Jährige sehr stolz ist.

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Die hatten übrigens ein ordentliches Wörtchen mitzureden, als es darum ging, ob er 2014 Bürgermeister werden sollte. „Meine eine Tochter fing sofort an zu weinen, als sie von dem Plan hörte. Sie sorgte sich um unsere Familie“, erzählt er. Nicht ganz unbegründet – die eine oder andere Anfeindung gibt es. Zum Glück aber nur wenige. Am Ende erhielt er die Zustimmung seiner Frauen.

Was hat er seinen Töchtern mitgegeben? „Alle guten Eigenschaften“, kommt es spontan. „Nein, Spaß beiseite.“ Sie seien bodenständig, zuverlässig und hätten die „ehrenamtliche Ader, was zu machen“. Eine seiner Töchter war beispielsweise Messdienerin. „Freiwillig“, betont der Papa. Seine Eltern seien streng katholisch gewesen. „Als Kind musste ich in die Kirche gehen.“ Das habe er seinen Kindern frei gestellt.

Eltern waren streng katholisch

In seiner Jugendzeit habe er sich eher wenig in der Kirche blicken lassen. „Seitdem ich Familie habe, ist das intensiver geworden.“ Christian Porsch ist sogar Lektor. „Ich finde es einfach schön, die Zeremonie zu gestalten, mit dabei zu sein.“

Gestalten und dabei sein wollte er auch, als er in die Politik ging. Eines Tages habe ihn Jochen Löschen angesprochen, ob er sich vorstellen könne, für den Bürger-Block zu kandidieren. „Er kannte mich aus dem Jugendausschuss, da saß ich als beratendes Mitglied des TSV.“

Porsch bat sich Bedenkzeit aus – sagte dann zu und wurde später Fraktionsvorsitzender. Mitglied ist er immer noch. Er tritt aber nicht als Kandidat des Bürger-Blocks an. „Ich möchte Bürgermeister für alle sein.“

Was, wenn es nicht klappt? „Dann werde ich auf jeden Fall Bürgerbus fahren.“ Das ist ein Ziel, das er sich für den Ruhestand gesteckt hat. Aber, so Porsch abschließend, das könne er mit 67 auch noch angehen.

Nächste Woche: Am nächsten Samstag stellen wir an dieser Stelle Bürgermeisterkandidat Oliver Launer vor.

Podiumsdiskussion

Wer wird Bassums neuer Bürgermeister? Amtsinhaber Christian Porsch oder Herausforderer Oliver Launer? Am Sonntag, 12. September, sind die Bassumer aufgefordert einen neuen Stadtrat und einen Bürgermeister zu wählen. Sowohl Porsch als auch Launer treten als Einzelbewerber an. Welche Stärken und Schwächen die Kandidaten haben und welche Ziele sie verfolgen, das versucht die Kreiszeitung im Rahmen einer Podiumsdiskussion herauszufinden. Chefredakteur Hans Willms wird den beiden auf den Zahn fühlen. An Themen mangelt es nicht: Klimaschutz, Wirtschaftsförderung, Verkehrsentwicklung, Stadtentwicklung, Gesundheitsversorgung und vieles mehr.

Los geht es am Donnerstag, 2. September, um 18 Uhr im Gasthaus Freye in Osterbinde. Coronabedingt ist die Zahl der Zuhörer auf 70 Personen begrenzt. Wer dabei sein möchte, schickt eine Mail an lokales.bassum@kreiszeitung.de – bitte Vor- und Zuname angeben. Auch der Postweg ist möglich: Kreiszeitung Syke, Lokalredaktion Bassum, Am Ristedter Weg 17, 28857 Syke. Anmeldeschluss ist der 28. August. Die Plätze werden ausgelost.

Da die Veranstaltung gestreamt wird, ist ein Zugucken auch bequem von zu Hause oder aus dem Urlaub möglich. Dafür sorgt die Firma Video Art von Michael Gillner. Weiterer Kooperationspartner ist die Wirtschafts- und Interessensgemeinschaft Region Bassum (WIR).

Rubriklistenbild: © Heinfried Husmann

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