Bürgerinitiative kritisiert Erweiterung des Windparks in Albringhausen / Auslegung endet am 22. Januar

Höher als der Bassumer Fernmeldeturm

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Wie viel Windkraft verträgt eine Landschaft? Das fragt die Bürgerinitiative.

Albringhausen/Menninghausen - Von Frauke Albrecht. Mit Windkraft ist Geld zu verdienen. Das lässt sich so mancher Betreiber einiges kosten – selbst wenn ganze Häuser weichen müssen. So in Schorlingborstel. Ein Wohnhaus, das mitten im Plangebiet steht, wurde aufgekauft und soll künftig nicht mehr für Wohnzwecke zur Verfügung stehen. Nun können dort weitere sechs Anlagen errichtet werden. Die Bürgerinitiative „Pustekuchen“ aus Menninghausen findet das bedenklich.

Wie bereits berichtet, soll der Windpark in Albringhausen erweitert werden. Der Bauausschuss der Stadt Bassum hatte die Änderung des Flächennutzungsplans im November gebilligt und die öffentliche Auslegung beschlossen. Die Unterlagen liegen im Rathaus aus, bis zum 22. Januar können Betroffene Anregungen oder Bedenken abgeben.

Die Bürgerinitiative wird auf jeden Fall Veto einlegen. Die Mitglieder zweifeln die Glaubwürdigkeit der Gutachten zur Vogelwelt an, kritisieren die „scheibchenweise Offenlegung“ der Pläne und den massiven Eingriff in die Natur.

Noch zu Beginn der Planung hatte der Betreiber Westwind vor, im Norden vier und im Süden (Grenze zu Schwaförden) drei Anlagen zu errichten.

Wohnhaus

aufgekauft

Auf die Südvariante wurde im Verlauf der Planung verzichtet, unter anderem, weil der Abstand von drei Kilometern zum bestehenden Windpark der Nachbarkommune nicht eingehalten worden wäre. Statt nun in südliche Richtung wolle man in westliche Richtung (Nienstedt) erweitern. „Diese Planung war während der frühzeitigen Beteiligung nicht bekannt“, kritisiert Reinhard Müller, Mitglied bei Pustekuchen.

Außerdem vermutet er, dass die Betreiber im Vorfeld gewusst hätten, dass die südlichen Anlagen nicht genehmigungsfähig seien. „Man wollte erreichen, dass der Hofbesitzer verkauft. Das ist gelungen.“ Die Bürgerinitiative fürchtet, dass die Betreiber nun an weitere Einzelhöfe im Außenbereich gehen, diese aufkaufen, um noch mehr Anlagen aufstellen zu können.

Den Mindestabstand von 600 Metern zur Wohnbebauung hält die Bürgerinitiative für unzureichend. „Kurioserweise frage ich mich, warum in Bayern andere Gesetze gelten“, sagt Müller und spricht die 10H-Regelung an, wonach in Bayern der Abstand zur nächsten Wohnbebauung mindestens das Zehnfache der Anlagenhöhe betragen sollte.

Die geplanten Windanlagen seien 200 Meter hoch. Jessica Wissmann: „Zum Vergleich, der Bassumer Fernmeldeturm ist 134 Meter hoch. Diese Anlagen werden nicht nur bei uns, sondern in ganz Albringhausen zu sehen und zu hören sein.“

Die Bürgerinitiative hat den Eindruck, dass viele Anwohner die Details der Planung nicht kennen. Müller übt Kritik am Ortsvorsteher. „Der muss seine Leute mal informieren. Statt einer Anwohnerversammlung gab es interne Treffen mit den Flächenbesitzern.“

„Werden zu hören

und zu sehen sein“

Dagmar Wodtke, ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative, fürchtet vor allem gesundheitliche Folgen durch den Infraschall: „Selbst das Bundesumweltamt hat festgestellt, dass es einen Mangel an umweltmedizinisch ausgerichteten Studienergebnissen zu den Themen Infraschall und tieffrequenter Schall gibt und Untersuchungen in Auftrag gegeben. Das heißt, die Folgen sind noch gar nicht absehbar.“ Auch aus Naturschutzsicht lehnen die Menninghauser die Planung ab. Und sie zweifeln die Gutachten an. „Der Fachdienst Kreisentwicklung Naturschutz hat in seiner Stellungnahme geschrieben, dass die Beobachtung eine Momentaufnahme darstellt“, zitiert Müller. In dem Schreiben heißt es: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ansonsten vorkommende planungsrelevante Arten nicht festgestellt wurden, jedoch anwesend sind. In diesem Zusammenhang wird auf die Sichtung eines jagenden Wiesenweihen- und Turmfalkenmännchens durch den Unterzeichner aufmerksam gemacht.“ Müller: „Der Vertreter des Landkreises war nur kurz zu Besuch und hat schützenswerte Vögel gesehen. Ich fahre jeden Tag mit meinem Hund durch die Natur und habe viele Wiesenweihen gesehen – und auch fotografiert. Die Gutachter hingegen tun diese Beobachtungen ab und sprechen von ,Nahrungsgästen‘. Da stimmt was nicht.“

Auch Kraniche und Fledermäuse sehen die Anwohner gefährdet. „Wir liegen in der Hauptflugroute der Kraniche. Die fliegen genau über das Plangebiet – in einer Höhe von 150 bis 200 Metern. Und sie rasten hier auch“, sagt Wodtke.

„Wir haben nur noch wenige Rückzugsräume für Vögel. Und diese sollen nun auch noch kaputt gemacht werden“, ärgert sie sich. „Früher hatten wir ganz viele Reiherkolonien und Kiebitze. Der Bestand hat vor allem durch die Monokultur der Landwirtschaft abgenommen. Die wenigen Sichtungen tun die Gutachter ab. Es muss aber genau andersherum argumentiert werden. Die wenigen müssen geschützt werden.“

Die Frage müsse lauten: Wie viel Windkraft verträgt ein Raum? „Die Stadt Bassum hat ihr Soll mehr als erfüllt“, ist Wodtke überzeugt.

Kontakt:

Pustekuchen-Menninghausen@gmx.de

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