Dr. Brand gibt nach 30 Jahren Praxis ab

Hausarzt braucht ein dickes Fell

+
Als Glücksfall bezeichnet Friedrich Wilhelm Brand (r.) seinen Nachfolger Hans-Joachim Böhringer. Mit im Bild Praxismitarbeiterin Tanja Plöger.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Wie oft er nachts im Dunkeln umhergeirrt ist, weil er zu Notfällen gerufen wurde, vermag Friedrich Wilhelm Brand nicht mehr zu sagen. Es waren unzählige Male. Er schmunzelt. „Ich bin öfters für einen Einbrecher gehalten und mit der Flinte des Hofes verwiesen worden.“ Einmal sei er in eine Jauchegrube gefallen, als er sich den Weg mangels Beleuchtung ertasten musste. „Und ich war sogar Geburtshelfer“, erzählt der Allgemeinmediziner. 30 Jahre lang war er als Hausarzt in der Region unterwegs. Nun hat er seine Praxis in jüngere Hände abgegeben.

„Ich freue mich riesig, dass ich einen Nachfolger gefunden habe. Das ist ein Glücksfall.“ Am 1. Januar hat Hans-Joachim Böhringer die Praxis an der Syker Straße übernommen. Er ist Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin mit Zusatz Rettungsmedizin sowie Facharzt für allgemeine Medizin.

Angefangen hat Böhringer bereits im Oktober. „Wir haben uns mit der Übergabe etwas Zeit gelassen“, so Brand. Es gab vieles auf- und abzuarbeiten.

Die bürokratischen Hürden seien in den vergangenen Jahren immer höher geworden. Darum beneidet Brand seinen jüngeren Kollegen nicht. „Es wird immer schwieriger, die originäre Aufgabe nicht aus den Augen zu verlieren – nämlich die, einfach nur Arzt zu sein“, sagt der Mediziner.

Heutzutage müsse alles dokumentiert werden, kritisiert Brand den immensen Verwaltungsaufwand. Seit den 90er-Jahren spiele die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Zuerst einmal müsse eine Praxis schwarze Zahlen schreiben. Mit Regressdrohungen der Kassenärztlichen Vereinigung möchte kein Mediziner konfrontiert werden.

Aber es gebe auch Fortschritte. „Früher waren wir alle Einzelkämpfer“, erinnert sich Brand. Es gab lediglich an den Wochenenden einen Notdienst. Unter der Woche waren die Hausärzte rund um die Uhr abrufbar. Da es keine Handys gab, wurden sie zu Hause angerufen. „Meine Frau kann ein Lied davon singen.“ Durch die Notdienst-Regelung – ursprünglich eine Initiative der Ärzte, später von der Kassenärztlichen Vereinigung adaptiert – werde der Einzelne stärker entlastet. Wobei die Arbeitsbelastung immer noch hoch genug sei.

„Man muss Prioritäten setzen, sonst hält man langfristig das Pensum nicht durch“, weiß Brand. Vor allem, wenn man eine Praxis allein betreibt.

Diese Erfahrung hat auch Böhringer bereits gemacht. Er wollte eigentlich wesentlich mehr Hausbesuche machen, muss aber feststellen: Das ist zeitlich kaum zu schaffen. Auf Dauer sei es eine Überlegung wert, einen weiteren Arzt in die Praxis zu holen.

Noch übernimmt Brand die Vertretung und Notdienste. Solange er gesund sei, wolle er das beibehalten. Fit hält sich der Bassumer mit Sport. Brand ist aktiv beim ADFC, fährt gerne Mountainbike und Rennrad.

Ob er den beruflichen Alltag vermissen wird? „Mal sehen“, sagt er. Vielleicht die Abwechslung. „Man braucht ein dickes Fell. Wir Hausärzte wissen keinen Tag, was auf uns zu kommt.“ Er kann unzählige Geschichten erzählen: „Ich wurde wegen etwas ganz anderem zu einem Notfall gerufen. Und plötzlich setzten bei der Hausbesitzerin die Wehen ein. Da blieb keine Zeit mehr, ins Krankenhaus zu fahren.“ Auch für einen Hausarzt keine alltägliche Situation. Alles ging gut. Brand: „Es war ein Junge.“

Mehr zum Thema:

Lätare-Spende in Verden

Lätare-Spende in Verden

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Meistgelesene Artikel

Frühlingsmarkt lockt Besucher

Frühlingsmarkt lockt Besucher

24-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

24-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

Brummi-Fahrer pinkelt an Tankstelle 

Brummi-Fahrer pinkelt an Tankstelle 

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Kommentare