Familie Lampe aus Bassum soll für eine Dienstleistung bezahlen, die sie nicht bestellt hat

Die Abzocke mit dem Branchenbuch

Bernd und Helga Lampe mit den Unterlagen von der GWE-Wirtschaftsinformation.

Bassum (ike) · Ein „neuer alter Stern am Himmel der Branchenbuch-Abzocker“ – glänzt er jetzt auch über dem Landkreis Diepholz ?

Die Firma GWE-Wirtschaftsinformation, die von der Polizeidirektion Husum diesen wenig schmeichelhaften Beinamen verpasst bekam, möchte jedenfalls von den Betreibern der Gaststätte Lampe in Bassum 596,06 Euro dafür haben, dass sie die Gaststätte in ihr Internetregister www.gewerbeauskunft-zentrale.de aufgenommen hat. Bernd und Helga Lampe hatten jedoch niemals einen Auftrag dafür erteilt.

Für Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Niedersachsen, sind unverlangte Dienstleistungen „ein ganz großes Thema“. Hierbei werde „mit dem Stress von Geschäftsleuten ein Geschäft gemacht“. Er und seine Kollegen wiesen die Dehoga-Mitglieder immer wieder darauf hin, dass sie genau lesen sollten, bevor sie etwas unterschrieben. Einen ähnlich gelagerten Fall mit der „Gewerbeauskunft Zentrale“ und einem Mitglied habe er vor kurzem auf dem Tisch gehabt, der Vorgang laufe allerdings noch. Bei solchen Situationen rate er stets, dem Vertragspartner mitzuteilen, man werde rechtliche Schritte einleiten – „dann wird oft eine Einigung angeboten, nur die Hälfte oder zwei Drittel der Summe zu bezahlen“. Balkes persönliche Meinung ist eindeutig: „Diese Adressensammlungen im Internet sind so überflüssig wie ein Kropf“.

Robert Hörnschemeyer, Leiter des Fachkommissariats drei bei der Polizeiinspektion Diepholz und zuständig für Betrugsdelikte, hat ebenfalls schon von der „Gewerbeauskunft Zentrale“ gehört. Zwar gebe es im Landkreis Diepholz bisher noch kein Verfahren gegen die Firma mit Sitz in Düsseldorf, doch aus verschiedenen anderen Quellen habe er bereits von ihr gehört. Hörnschemeyer empfiehlt, bei solchen unaufgeforderten Schreiben erstmal gar nicht zu reagieren und zu warten, welche Schritte – die in den Schreiben meist angedroht werden – die Firma einleite. „Man sollte außerdem den Vertrag anfordern, seriöse Firmen verschicken den sowieso.“ Sollten dann immer noch unrechtmäßige Ansprüche gestellt werden, rät er dazu, einen Anwalt einzuschalten und auch eine Strafanzeige zu erstatten. Außerdem sei es gut, die Hausbank zu informieren, damit diese etwa unrechtmäßige Abbuchungen verhindere.

Und was sagt nun die Firma dazu, von der schon alle so viel gehört haben? Eine Mitarbeiterin der „Gewerbeauskunft Zentrale“ erklärte auf Nachfrage dieser Zeitung, am 27. Mai sei an die Familie Lampe ein Angebot verschickt worden, die Annahme dieses Angebots sei am 4. Juni in Düsseldorf eingetroffen. Den Vertrag wolle sie der Familie in den nächsten Tagen noch einmal zuschicken. Sollte irgendetwas schiefgelaufen sein, solle das Ehepaar Lampe sich einfach noch einmal melden. Die Anfrage unserer Zeitung schien die Düsseldorfer jedoch in Wallung versetzt zu haben. Hatte Helga Lampe zuvor mit keinem Mitarbeiter der GWE-Wirtschaftsinformation Kontakt gehabt, so waren es im Laufe des Nachmittags gleich drei, die sie anriefen. Sie versicherten, dass ihr der Vertrag in den nächsten Tagen per Post zugehen solle, wollten ihr das Schriftstück allerdings nicht zufaxen. Das Ehepaar Lampe will sich, entsprechend des Vorschlags von Robert Hörnschemeyer, erstmal zurücklehnen und abwarten, was aus Düsseldorf kommt.

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