Dialyse-Zentrum Bassum 1997 gegründet 

Blutwäsche – drei mal pro Woche und über Jahre

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Kümmern sich im Dialyse-Zentrum Bassum um rund 55 Patienten: (v.l.) Dr. Susanne Birkner, Dr. Petra Thiele-Ebbinghaus und Dr. Frank Lorenz. 

Bassum - Von Anke Seidel. Dialyse – plötzlich auf die Blutwäsche angewiesen zu sein, ist für Betroffene oft ein Schock und eine Perspektive, die das Ende der Selbstbestimmtheit zu sein scheint. „Das ändert sich aber schnell. Denn nach zwei Monaten merken die Patienten, wie gut es ihnen geht – und wie schlecht es ihnen vorher gegangen ist“, sagt Dr. Frank Lorenz, der gemeinsam mit Dr. Petra Thiele-Ebbinghaus und Dr. Susanne Birkner rund 55 Patienten im Dialyse-Zentrum Bassum betreut. Es sind Menschen im Alter zwischen 22 und 96 Jahren, die sich dreimal wöchentlich bis zu fünf Stunden der Blutwäsche unterziehen müssen – und das immer wieder.

Seit genau zwei Jahrzehnten ist das Alltag im Fachzentrum in direkter Nachbarschaft zur Alexianer-Klinik in Bassum. Dr. Petra Thiele-Ebbinghaus war die erste Ärztin vor Ort. Damals war das Zentrum – bewusst auf dem Gelände des damaligen Kreiskrankenhauses gebaut – eine „ausgelagerte Betriebsstätte“, sagt die Medizinerin der ersten Stunde. Sie beschreibt damit die Tatsache, dass Bassum als Außenstelle des Dialyse-Zentrums in Bremen-Kattenturm entstand. Doch schon nach einem knappen Jahr nabelte sich der Satellit ab – in die Selbstständigkeit.

„Bassum war ein weißer Fleck“, blickt Petra Thiele-Ebbinghaus auf die damalige Versorgungssituation von Dialyse-Patienten. Zu Beginn waren es zehn, die in der Außenstelle versorgt wurden. Die Zahl stieg stetig.

Hatte die Medizinerin zu Beginn mit einem Kollegen aus Kattenturm die Patienten betreut, so kam kurz nach der Selbstständigkeit Dr. Frank Lorenz dazu. Als dritte niedergelassene Ärztin gehört seit knapp drei Jahren Dr. Susanne Birkner zum Team.

Sie alle kennen ihre mittlerweile 55 Patienten gut, haben zu vielen eine Beziehung aufgebaut. „Man verbringt lange Abschnitte des Lebens gemeinsam – dreimal in der Woche und das über Jahre“, erläutern die Ärzte. „Sie wachsen einem auch ans Herz“, ergänzt Petra Thiele-Ebbinghaus – und lässt keinen Zweifel: Manche offenbaren ihre ganz persönlichen Sorgen. „Man feiert ja auch die Feiertage gemeinsam“, blickt die Ärztin auf die Notwendigkeit eines festen Dialyse-Rhythmus. Insbesondere zu den Schwestern und Krankenpflegern bauen die Patienten eine enge Beziehung auf, so die Erfahrung der Ärzte. „Wir haben einige alleinstehende ältere Menschen, die Zuhause keine Ansprache haben. Da versucht man manchmal auch, Probleme zu lösen“, sagt Petra Thiele-Ebbinghaus – und spricht von einer „sozialen und medizinischen Versorgung“.

Zahl der Patienten steigt

Im Schnitt seien die Dialyse-Patienten um die 70 Jahre alt, erläutert Dr. Lorenz. Die Zahl der Patienten steigt – vor allem, weil immer mehr Menschen unter Diabetes und Bluthochdruck leiden: „Das sind Risikofaktoren“, wissen die Ärzte. Heute liegt die Zahl der Dialyse-Patienten bei einem zu 1 000 Bürgern. Dass bedeutet für den knapp 214.000 Einwohner starken Landkreis Diepholz also 214 Betroffene, die Bevölkerung eines kleinen Dorfes.

Hat sich das Behandlungsverfahren in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert? „Die Maschinen sind ausgereifter, sehr viel differenzierter“, so die Antwort der Ärzte, „aber am Grundprinzip hat sich nicht viel geändert“.

Die Alternative zur Dialyse ist die Transplantation. Aber deren Zahl sei entgegen den Erwartungen nicht gestiegen, hieß es. Grund sei zum einen die Knappheit der Organe – und zum anderen die große Skepsis nach den Skandalen bei anderen Transplantations-Organen.

„Einen beachtlichen Anteil hat aber die Lebendtransplantation“, beschreibt Dr. Lorenz eine Nierenspende von Verwandten. Beispiel: Der heutige Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hatte eine Niere für das Leben seiner Frau gespendet. Die Betreuung von Transplantierten gehört auch zum Alltag im Dialyse-Zentrum Bassum.

Zusammenarbeit mit der Alexianer Klinik Bassum

Und die neue Niere aus dem Reagenzglas? Möglicherweise sogar so einfach, wie sie sich die Macher der Kult-Serie „Raumschiff Enterprise“ vorstellten? „Das ist fern der Realität“, antwortet Dr. Lorenz. Allerdings gebe es Experimente mit tragbaren Dialyse-Geräten – in Gürtelform zum Beispiel. Aber das sei noch sehr exotisch. Will heißen: nicht serienmäßig praxistauglich.

Allerdings steht den Ärzten, die insbesondere die gute Zusammenarbeit mit der Alexianer Klinik Bassum betonen, noch ein anderes Verfahren zur Verfügung: die Peritonealdialyse – der Stoffaustausch über das Bauchfell. Genau das fungiert bei diesem Verfahren als natürlicher Filter für eine spezielle Spüllösung. Die Mediziner sprechen von einem anspruchsvollen Verfahren, das großes Engagement und praktische Fähigkeiten bei den Patienten voraussetze. Es könne im Dialyse-Zentrum Bassum zwar angeboten werden. „Aber dazu braucht man eine gewisse Anzahl von Patienten. Die haben wir bisher nie gehabt“, so Dr. Thiele-Ebbinghaus.

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