Lehrer der Grundschule Mittelstraße fordern mehr Personal

„Bildung kostet Zeit und Geld“

Ulrike Templin sagt: „Bildung kostet Zeit“.
+
Ulrike Templin sagt: „Bildung kostet Zeit“.

Bassum – „Bildung kostet Zeit und Geld“ ist ein Fakt, den Ulrike Templin für sich und ihr Kollegium der Grundschulen Mittelstraße und Neubruchhausen ausspricht. Doch beides sei nicht vorhanden. Das ist auch dem Landtagsabgeordneten Volker Meyer (CDU) bewusst. In einem persönlichen Gespräch gab er den Lehrern die Gelegenheit, über aktuelle Probleme sowie Chancen und Herausforderungen zu sprechen.

Das grobe Problem vorweg: Es gebe zu wenig Lehrer an der Grundschule Mittelstraße. Herausforderungen, die tagtäglich noch neben dem Unterrichtsgeschehen anstehen, können nur bedingt oder mit Mehrstunden bewältigt werden. Am Beispiel Inklusion werde das Defizit ganz deutlich. „Wir brauchen professionelle Unterstützung“, fordert Ruth Meyer. Sie beschreibt eine Klasse mit verschiedenen Entwicklungen: Ein Schüler hat eine psychische Störung, ein anderer eine emotional-soziale und noch ein anderer hört nicht gut. „Das alles können wir nicht abdecken“, unterstreicht sie.

Volker Meyer schließt sich dem an: „Das ist eine riesen Baustelle.“ Er gibt zu, dass in dem Stellenbereich, wo ein Sonderschulpädagoge notwendig wäre, zu wenig Fachkräfte ausgebildet wurden. In dem Punkt hakt Janna Uphoff ein: „Man muss wissen, dass es den Studiengang Förderschullehramt gibt.“ Sie selbst und andere jüngere Kolleginnen hätten das Glück gehabt, im Grundschullehramtsstudium einen Ausflug in diesen Fachbereich genießen zu können. Das sei aber – vor allem in Studienzeiten, die schon länger her sind – nicht selbstverständlich.

Konkret wünschen sich die Lehrkräfte zwei Förderschullehrer pro Klasse. Volker Meyer wirft dieser Vorstellung „Utopie“ vor, aber meint: „Der Stundenanspruch muss erfüllt werden.“ Der tatsächliche Anspruch werde in Bezug auf die Schülerzahl einzelner Klassen ermittelt.

Aber nicht nur für Inklusion fordert die Schule neue Stellen, sondern auch für Migration und Sprache. „Hier kommen immer noch Kinder an, die kein Deutsch sprechen können“, erklärt Schulleiterin Andrea Hahne. Lehrer würden den Schülern die Sprache „nebenbei“ beibringen. Hahn meint, es müsse einfach Geld dafür da sein, eine eigene Stelle dafür zu schaffen.

Der dritte Schwerpunkt ist der Themenbereich Ganztagsbetreuung. „Wir haben zwar das Angebot, aber wir müssen das alles auch nebenbei organisieren“, erklärt Hahne. Sie zieht den Vergleich zum Nachbarbundesland Schleswig-Holstein: Dort liege die Verantwortung der Organisation beim Schulträger, und nicht bei der Schule selbst. Auch dafür fordern die Lehrer eine eigene Stelle. Sie wünschen sich, dass das Angebot breiter aufgestellt wird, also mehr Schüler es nutzen können. Das Schwimmangebot sei mit zehn Schülern voll ausgelastet, Tennis sogar mit acht. Hinzu käme, dass das Nachmittagsangebot oftmals ausfalle, weil Lehrkräfte krank seien und es keine Vertretung gebe. „Wo sollen wir dann die Kinder lassen?“, fragt sich Hahne, und führt weiter aus: Sie und die ehemalige Schulleiterin Birgit Timmerberg hätten sich dann um Schüler gekümmert, die weder nach Hause noch untergebracht werden konnten, weil Eltern sich auf das Angebot verlassen und am Nachmittag arbeiten.

Auf einige Probleme folgen aber auch positive Gedanken. So beschreiben die Lehrer, dass sie durch die coronabedingte Klassenverkleinerung ihre Schüler nun so gut kennen wie zuvor noch nicht. Auch sehen sie vorrangig gute Dinge in der Inklusion wie zum Beispiel die kulturelle Vielfalt und das Akzeptieren untereinander – gerade während der aktuellen Rassismusdebatte. Doch das alles müsse eben zeitlich und finanziell gefördert werden. Volker Meyer nimmt die Probleme mit in den Landtag. Dort wollen die Politiker nach den Sommerferien ein Schwerpunktpapier erarbeiten, das konkret aufzeigt, „wo man ansetzen muss“.

Von Lisa-marie Rumann

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Was Sie zu Berufskrankheiten wissen müssen

Was Sie zu Berufskrankheiten wissen müssen

Wie werde ich Winzer/in?

Wie werde ich Winzer/in?

Grüne rücken erstmals an die Spitze großer NRW-Städte

Grüne rücken erstmals an die Spitze großer NRW-Städte

Wie das Reisen immer schneller wurde

Wie das Reisen immer schneller wurde

Meistgelesene Artikel

Hobbyimker Manuel Finkenstädt bietet Bienen-Produkte kontaktlos an

Hobbyimker Manuel Finkenstädt bietet Bienen-Produkte kontaktlos an

Hobbyimker Manuel Finkenstädt bietet Bienen-Produkte kontaktlos an
Von Bauerngolf bis Bienenhonig - viel Abwechslung beim Tag der Regionen

Von Bauerngolf bis Bienenhonig - viel Abwechslung beim Tag der Regionen

Von Bauerngolf bis Bienenhonig - viel Abwechslung beim Tag der Regionen
Igel zieht Bilanz: Positive Mitgliederentwicklung / Vorstand bleibt

Igel zieht Bilanz: Positive Mitgliederentwicklung / Vorstand bleibt

Igel zieht Bilanz: Positive Mitgliederentwicklung / Vorstand bleibt
Edeka in Barrien: Vorbereitende Arbeiten starten spätestens in vier Wochen

Edeka in Barrien: Vorbereitende Arbeiten starten spätestens in vier Wochen

Edeka in Barrien: Vorbereitende Arbeiten starten spätestens in vier Wochen

Kommentare