SPD und CDU für Pflicht-Lizenz

Das sagen Imker aus Bassum zum „Bienen-Führerschein“

Eine Honigbiene im Anflug auf eine Blüte.
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Machen zu viele Honigbienen sich gegenseitig und auch den Wildbienen die Nahrung streitig?

Angler oder Jäger müssen für ihre Tätigkeit einen Schein ablegen, Imker bislang nicht. Das möchten die Landtagsfraktionen von SPD und CDU ändern. Damit stoßen sie unter Bassumer Imkern auf ein positives Echo in der Sache.

Bassum – „Dass da etwas passieren muss“, sagt Norbert Tilger, „ist lange überfällig“. Auch die Bramstedter Imkerin Ute Rücker befürwortet den Vorstoß: „Wenn man sich Honigbienen hält, sollte man dafür wirklich einen Imkerschein machen.“

Wilhelm Schrader aus Neubruchhausen hält den Begriff „Imkerführerschein“ zwar für „Blödsinn“, ist aber ebenfalls für einen verpflichtenden Sachkunde-Nachweis. Grundschulungen bietet vor Ort der Kreisimkerverein in Kooperation mit der Volkshochschule und unterstützt vom Laves (Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) Celle an. Dafür fordert er wieder stärkere Unterstützung. Schrader habe beobachtet, wie die entsprechenden Stellen beim Laves (Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) „in den letzten 30 Jahren im weiter zurückgebildet“ worden seien.

Trend zu mehr, aber kleineren Imkereien

Die Regierungsfraktionen fordern, dass Niedersachsen sich auf Bundesebene für einen verbindlichen Imkerschein einsetzt. Die SPD- und CDU-Abgeordneten reagieren damit auf einen Trend zur Imkerei mit nur einem oder wenigen Bienenvölkern. In ihrem Antrag schreiben die Fraktionen: „Immer mehr Menschen begeistern sich für das Imkern.“ Im Garten, auf dem Balkon, selbst auf der Garage oder dem Dach von Hochhäusern würden Hobbyimker ihre Bienenstöcke aufstellen. Hierfür sei keinerlei Genehmigung nötig, eine Anmeldung (beim Veterinäramt) reiche aus.

Das wachsende Interesse an der Imkerei beobachten auch die Bassumer Imker. Das habe „massiv zugenommen“, bestätigt auch Wilhelm Schrader. Vor zehn Jahren hätten um die 20 Neu-Imker die Grundschulung im Kreis Diepholz absolvieren wollen, 2019 waren es über 70.

Bienen-Wissen aus Internet-Quellen

Jedoch nimmt offenbar auch die Zahl der Freizeit-Imker zu, die ihr Hobby ohne Anschluss an den örtlichen Imkerverein und somit ohne Anleitung beginnen. Stattdessen würde, so der SPD/CDU-Antrag, der Umgang mit Bienen „aus mehr oder weniger zuverlässigen Internetquellen abgeleitet“.

Faulbrut und Varroa-Milbe: typische Bienen-Krankheiten

Wenn sie Fehler machen, gefährden Imker nicht nur ihr eigenes Bienenvolk. Honigbienen sind mobile Tiere, Krankheitserreger und Schädlinge können sich schnell übertragen. Ute Rücker berichtet von unbeaufsichtigten Bienenkästen in der Nähe des Bremer Flughafens. Dort sei Faulbrut ausgebrochen, eine Bienenkrankheit, über die sie sagt: „Das ist nicht lustig, das ist wirklich schlimm.“

Norbert Tilger betreibt neben seiner Imkerei mit sieben Völkern ein Geschäft für Imkerbedarf an der Langen Straße. Er erzählt von einem Kunden, der ein Mittel gegen die Varroa-Milbe erstehen wollte, einen verbreiteten Bienen-Schädling, und zwar im Frühjahr. Dass diese Behandlung im Spätsommer erfolgen müsse, der Honig so nicht verzehrt werden dürfte, wüsste dieser Kunde nicht.

Droht sonst „Wildwuchs“?

Einer solchen Unkenntnis könnte ein verpflichteter Imkerschein entgegenwirken. Außerdem wäre, so die Hoffnung, die Hürde höher, ohne Meldung beim Veterinäramt draufloszuimkern. „Dann weiß man auch, wo die Bienenstöcke stehen“, sagt Ute Rücker. Was sonst zu befürchten sei, nennt Norbert Tilger einen „Wildwuchs“. Wenn Krankheiten ausbrächen, wäre das ein „Kampf gegen Windmühlen“.

Möglicherweise steht hinter dem Trend zur Imkerei auch der Wunsch, etwas zum Naturschutz beizutragen und dem Insektensterben entgegenzuwirken. Aber davon, ohne Schein, Imkerpatent und das nötige Grundwissen unter die Freizeit-Imker zu gehen, halten die Bassumer Kollegen: gar nichts. „Das ist schon nicht ohne“, stellt Norbert Tilger fest.

Der Jäger guckt ja auch nicht nur auf Hasen und Fasane, sondern auf den ganzen Wald.

Außerdem sei, so Tilger, wichtig, dabei zwischen Honigbienen und Wildbienen zu unterscheiden. Über das Bienensterben sagt er: „Da haben die Honigbienen überhaupt nichts mit zu tun.“ Sondern Wildbienen und Hummeln, und die seien beim Bestäuben „genauso wichtig, genauso fleißig“.

Im eigenen Garten anfangen

Tilger findet deshalb, dass Bienenfreunde bei der Gestaltung ihres eigenen Gartens beginnen sollten. Wenn es dort vom Frühjahr bis in den Spätsommer blühe, „dann komme das Summen von ganz alleine“. Ute Rücker wünscht sich ebenfalls: „Jeder Gärtner sollte zusehen, dass ein Blüh-Angebot vorhanden ist.“

Auch mit Nisthilfen kann man den wild lebenden Verwandten der Honigbiene helfen, mit Hummelkästen oder sogenannten Bienenhotels. Oder, wie Norbert Tilger ergänzt, mit Totholz oder einfach mit aufgehäuftem Sand.

Norbert Tilger, Imker und Fachhändler

Beide weisen darauf hin, dass die Blütentracht gegrenzt ist, was von Imkern berücksichtigt werden müsse. Tilger würde sich wünschen, dass seine Kollegen die Anzahl ihrer Bienenvölker überdenken. Für zu viele Honigbienen „ist unsere Gegend nicht ausgelegt“ sagt er.

Er fordert dehalb, dass Imker stärker drauf schauen, wie es den anderen Insekten geht. Sein Vergleich: „Der Jäger guckt ja auch nicht nur auf Hasen und Fasane, sondern auf den ganzen Wald.“

Korrektur 26. April 2021, 12.00 Uhr: In der ersten Fassung des Artikels waren einige Aussagen von Wilhelm Schrader missverständlich wiedergegeben, die entsprechenden Passagen wurden geändert.

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