Ausbau zwischen Bassum und Fahrenhorst

B51: Bürgerinitiative analysiert Unfallzahlen

Immer wieder ereignen sich auf der B51 schwere Unfälle. Der Ausbau 2+1 soll die Gefahr minimieren.
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Immer wieder ereignen sich auf der B51 schwere Unfälle. Der Ausbau 2+1 soll die Gefahr minimieren.

Ein Argument für den geplanten 2+1 Ausbau der B51 lautet, dass die hohen Unfallzahlen reduziert werden sollen. Doch sind die wirklich so hoch? Die Bürgerinitiative für Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde und Fahrenhorst hat nachgehakt.

Bassum – „Die Stadt Bassum lehnt den geplanten Um- und Ausbau der Bundesstraße 51 auf den Querschnitt 2+1 im Streckenabschnitt Bassum – Fahrenhorst ab. Grundsätzlich wird die Planung für nicht erforderlich gehalten.“ So lautet der Anfang der Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren. Am kommenden Donnerstag, in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses, wird das Schreiben vorgestellt.

Eine Gruppe freut sich schon jetzt über diese Zeilen – nämlich die Bürgerinitiative für Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde und Fahrenhorst.

Zeitlich passt das sehr gut, denn die BI hat Zahlen gesammelt, die in ihren Augen belegen, dass eines der Hauptargumente für den Ausbau nicht greift: nämlich die hohen Unfallzahlen, die durch das Vorhaben reduziert werden sollen.

BI hat sich Unfallzahlen angesehen

„Als Wolfgang Rehling, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Diepholz, in einem Artikel der Kreiszeitung von 2015 die Unfallzahlen vorstellte, die einen Ausbau in seinen Augen nötig machen, galten die für die gesamte Bundesstraße“, sagt Jürgen Schierholz von der BI. Er versteht nicht, wie man mit Zahlen, die für eine Strecke von insgesamt 570 Kilometer gelten, einen Ausbau von 5,5 Kilometer rechtfertigen möchte. „Das ist unseriös und Stimmungsmache!“

Doch das ist nicht der Hauptkritikpunkt der BI. „Wir haben uns die Unfallzahlen von 2013 bis 2020 für diesen Abschnitt von der Polizei zuschicken lassen“, erklärt Hannelore Kosche. Das Ergebnis: In den sieben Jahren kam es insgesamt zu 408 Unfällen – von denen 27 unter Überholunfälle fallen. „Dabei wurde immer so argumentiert, dass vor allem die Überholmanöver das Problem sind. Dabei bilden die das kleinste Feld. Daneben stehen 108 Wildunfälle und 273 sonstige Unfälle“, berichtet Ingrid König. „Die häufigste Unfallursache war ungenügender Sicherheitsabstand. Ein Problem, das ein Ausbau genauso wenig lösen wird wie die Wildunfälle.“ Schierholz fügt hinzu: „Viele Unfälle geschehen auch durch die hohe Geschwindigkeit. Von daher brauchen sie für die Verkehrs-Rowdys jetzt nicht auch noch eine Rennstrecke präparieren. Besser wären Überholverbote, Geschwindigkeitsbegrenzungen und an den kritischen Stellen Ampeln.“

408 Unfälle in sieben Jahren

„Jeder Unfall ist einer zuviel“, betont König. „Aber wenn man bedenkt, dass bei einer Verkehrszählung 2000 Laster und 12 000 Autos pro Tag dokumentiert wurden – sind 408 Unfälle in sieben Jahren vergleichsweise wenig.“ Eine Steigerung gebe es auch nicht, wie aus den Unterlagen der Polizei hervorgeht.

Für die BI sind das klare Signale, die gegen den geplanten Ausbau sprechen. Der Nutzen sei kaum vorhanden – die Schäden dafür umso größer. „400 Bäume müssten deswegen gefällt werden“, sagt Kosche. In Anbetracht der Klimaveränderung sei das überhaupt nicht nachzuvollziehen. Aus diesem Grund hat die BI nun auch Kontakt zum Niedersächsischen Heimatbund aufgenommen, der sich unter anderem dem Schutz von Alleen verschrieben hat. Von ihm erhofft sich die Initiative Unterstützung.

„Ein weiterer Punkt, der dagegen spricht, sind die Kosten“, so Schierholz. „Die Preise, die angegeben werden, sind veraltet. Die aktuellen dürften deutlich höher liegen. Die Planungen sind aus der Zeit gefallen.“ Dafür sei jetzt etwas in den Plänen aufgetaucht, das ursprünglich dort nicht eingetragen war: Und zwar ein extra Weg, den sich landwirtschaftliche Fahrzeuge mit Radfahrern teilen sollen. Der ADFC sei davon nicht begeistert.

Polizei ist weiterhin für den Ausbau

Was denkt die Polizei über die Aussagen der BI? „Ich stehe absolut hinter dem, was schon mein Vorgänger Wolfgang Rehling sagte: Der Ausbau muss kommen“, sagt Ingo Büntemeyer. „Denn jeder Unfalltote ist einer zuviel.“ Es sei richtig, dass die Unfallzahlen rückläufig seien. „Doch das liegt auch daran, dass die Kollegen viel kontrollieren. Doch in der Zeit können sie wiederum an anderen Unfallschwerpunkten nicht tätig sein.“

Der Verkehrssicherheitsberate legt ebenfalls Zahlen vor. „Von 2011 bis 2021 hatten wir 115 Unfälle mit Personenschaden. 28 davon schwer. Das heißt, Menschen starben oder wurden schwer verletzt. Hinter diesen Zahlen stehen schließlich auch immer menschliche Schicksale, Leben, die zerstört wurden. Ich selber habe oft genug die traurige Nachricht Angehörigen überbringen müssen.“

43 Prozent der Unfälle auf dem besagten Streckenabschnitt ereignen sich laut Büntemeyer im Längsverkehr. Dazu zählen Auffahrunfälle aber auch Überholunfälle. Dem folgen die Fahrunfälle. Darunter fallen alle Unfälle, wo zum Beispiel ein Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verliert, weil er die Geschwindigkeit nicht entsprechend dem Verlauf, der Neigung oder dem Zustand der Straße gewählt hat.

Ausbau kann Entlastung bringen

„Auf der Strecke zwischen Stühren und Fahrenhorst gibt es zwei Unfallhäufungslinien. So wird eine Strecke genannt, wo sich innerhalb von drei Jahren mindestens drei Unfälle mit schwerem Personenschaden ereignen. Diese Unfälle dürfen nicht mehr als 600 Meter auseinander liegen“, erläutert Büntemeyer. Die Maßnahmen, um auf das Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer einzuwirken, wie Überholverbote, Geschwindigkeitsbegrenzungen und die Überwachung seien ausgeschöpft. „Viele Fahrer werden zwangsläufig ungehalten, wenn sie 20 Kilometer hinter einem Lastwagen herfahren müssen, starten Überholmanöver oder fahren zu dicht auf.“ Nur ein Ausbau bringe da die nötige Entlastung. „Es gibt eine Strecke im Bereich Cloppenburg, die B 72 / Emsteker Straße, wo das wunderbar geklappt hat“, weiß Büntemeyer.

Was die Straße betrifft, die sich Radfahrer und landwirtschaftliche Maschinen teilen sollen, sieht er keine erhöhte Gefahr. „Die Verkehrsbelastung auf dieser Nebenstraße wird vermutlich eher gering ausfallen. Aber wie überall ist auch hier die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer entscheidend “

ADFC ist mit aktuellen Plänen zufrieden

Das sieht Holger Opitz vom ADFC Diepholz genauso. Überhaupt könne der ADFC mit den aktuellen Plänen leben. „In den ersten wurde die 2+1 Straße als reine Autostraße für Fahrzeuge ab 60 Stundenkilometer ausgewiesen. Alle landwirtschaftlichen Maschinen wären damit auf den separaten Weg geschickt worden und das wäre hochnotübel gewesen.“

Der ADFC brachte seine Bedenken vor und die Landesbehörde reagierte. In den aktuellen Plänen können die landwirtschaftlichen Fahrzeuge nun auf beiden Straßen fahren. Zudem wies der ADFC darauf hin, dass 3,50 Meter zu schmal seien. Nun gibt es alle 100 Meter Ausweichbuchten und die Seiten werden befestigt, was den Begegnungsverkehr leichter macht.

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