Pro und Contra

Wer bezahlt den Makler?

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Die Maklergebühr zahlt der Auftraggeber. Sollte das auch für Immobilienverkäufe gelten?

Seit 2015 gilt für die Vermittlung von Mietobjekten über einen Makler das sogenannte Bestellerprinzip. Die Maklergebühr zahlt der Auftraggeber. Sollte das auch für Immobilienverkäufe gelten? Zwei Bassumer Makler sind da ganz unterschiedlicher Meinung.

„Die Leute schlucken nie“, sagt Joachim Lüdeke. Mit diesem Satz verteidigt er im Grunde das, was ihm und seiner Frau Gerda als Lebensgrundlage dient: sein Gehalt. Joachim Lüdeke ist Immobilienmakler im Bassumer Ortsteil Neubruchhausen. Er verdient sein Geld mit dem Verkauf von Häusern, genauer gesagt mit der Maklergebühr. Und hier hätte noch nie einer seiner Kunden in Anbetracht des Preises geschluckt, versichert er.

Joachim Lüdeke Immobilienmakler

Joachim Lüdeke, graue Haare, blaukariertes Hemd, braunes Jacket und wache Augen, hat im Büro direkt neben seinem Wohnhaus empfangen. Es soll bei dem Gespräch um das gehen, was vielen Käufern und Mietern den Schweiß auf die Stirn treibt: die hohen Immobilienpreise. 2015 beschloss die Bundesregierung das sogenannte Bestellerprinzip. Es garantierte fortan, dass bei Vermietungen der Auftraggeber eines Maklers, also häufig der Vermieter, die Maklergebühr übernimmt. Bei Hauskäufen gilt diese Regelung bislang nicht. Sollte sie das?

Nein, findet der 68-Jährige. Vorstöße wie das Bestellerprinzip nennt er „kontraproduktiv“. „Das hat sich mir bis jetzt nicht erschlossen.“ Aus seiner Sicht habe das neue Gesetz zu einer logischen Konsequenz geführt: Die Vermieter hätten die zu zahlende Maklergebühr einfach in die Mietkosten miteingerechnet. So würden sich am Ende die Gesamtkosten für die Mieter nicht ändern.

Würde das Prinzip auch bei Hauskäufen gelten, gebe es einen weiteren Nebeneffekt. Bei Lüdeke zahlen aktuell immer die Käufer die Maklergebühr. Gesetzlich gibt es hier keine Regelung. Würden jetzt die Verkäufer die Gebühr zahlen, würde es einen ähnlichen Effekt wie bei den Vermietungen geben, ist sich der Makler sicher. Am Ende profitiere nicht der Käufer, wohl aber jemand anderes: das Bundesland. Hier kommt nämlich die Grunderwerbssteuer von in Niedersachsen derzeit fünf Prozent hinzu. Die gilt für den Kaufpreis, nicht aber für die Maklergebühr. Beim Bestellerprinzip würde das Land jetzt bei jedem Kaufpreis zusätzliches Geld einnehmen, wenn Verkäufer die Maklergebühr auf den Kaufpreis aufschlagen, mutmaßt er.

Zwei zentrale Probleme will der Makler, der seit 40 Jahren im Geschäft ist, auf dem Immobilienmarkt ausgemacht haben: Erstens gebe es viel zu wenig Wohnungen und zweitens sei die Eigentumsquote in Deutschland mit rund fünfzig Prozent sehr gering. Das Bestellerprinzip helfe hier wenig. Stattdessen fordert Lüdeke, der soziale Wohnungsbau solle wieder aktiviert werden und Investoren sollten zum Bau von Immobilien animiert werden. Auch bei der stetig steigenden Grunderwerbssteuer hat der Bassumer einen Wunsch: Bis zu einem bestimmten Betrag sollte bei Wohnungskäufen Steuerfreiheit gelten. Das würde aus seiner Sicht den Markt deutlich entspannen.

Jutta Neumann, Immobilienmaklerin

Etwas anders sieht Jutta Neumann die Lage. Die Immobilienmaklerin aus Bramstedt vermittelt nicht nur Kauf-, sondern auch Mietobjekte. Wie sieht sie das Bestellerprinzip? „Die Leute sind verunsichert“, so die 53-Jährige. Viele Mieter würden noch davon ausgehen, die Maklergebühr zahlen zu müssen. Wenn dann der Vermieter für die Kosten aufkommen muss, ist sich Neumann bei einer Sache sicher: Anders als Lüdeke hat sie praktisch keine Erfahrung damit gemacht, dass Mieter die Maklergebühr auf die Miete aufschlagen. „Unseriös“ sei so eine Praxis, so die Maklerin, die seit zwölf Jahren in dem Beruf tätig ist. Sei der Mietpreis zu hoch, würden viele Interessenten schnell wieder abspringen.

Ganz anders sei die Situation aber beim Kauf. Würde auch hier das Bestellerprinzip gelten, ist sich Neumann sicher, dass die Verkäufer die Kosten auf die Käufer umlegen würden. Schon heute sei das ein Thema bei ihren täglichen Verhandlungen. Wenn sie von den Verkäufern, die zur ihr kommen, verlangen würde, dass diese die Maklergebühr zahlen, würden ihr viele verwundert den Rücken kehren, vermutet sie.

Dennoch sagt sie, dass Bestellerprinzip fände sie auch hier „nicht verkehrt“. Denn eine Sache stört sie gewaltig: „Ich bin es leid, ständig zu beweisen, dass ich mein Geld wert bin.“ Viele Käufer, die ihre Maklergebühr bezahlen müssen, würden sie nur als jemanden sehen, der ihnen eine Tür aufschließt. Es sei vor allem der Verkäufer, der ihre Arbeit im Vorfeld mitbekommen würde, und diese auch entsprechend honorieren könnte.

Dennoch zahlen bei Neumann meistens die Käufer die Maklergebühr. In der Regel transparent aufgeschlüsselt im Kaufvertrag. Wenn die Bramstedterin, die eigentlich viel und gerne redet und lacht, an einige Käufer denkt, die die Courtage nicht einsehen, wird sie schnell wütend und macht ihrem Ärger in ihrer direkten Art wortreich Luft.

Theorien, warum die Dinge so liegen, wie sie liegen, hat Neumann viele. Warum denkt sie, dass Vermieter die Maklerkosten nicht auf die Miete aufschlagen würden, Verkäufer auf den Preis aber schon? Sie vermutet, die gängige Meinung ist: „Jeder hat das Recht auf Wohnen, aber nicht jeder hat ein Recht auf Eigentum.“ Letzteres sei wohl immer noch ein Luxus und so würden es viele Verkäufern auch sehen. Wenn sie sich zum Abschluss noch eine Sache wünschen könnte, die sich verbessern sollte: Was wäre das? Man sollten den Lobbyisten in Berlin, die die Energiesparverordnung durchgesetzt haben, an den Kragen gehen, sagt Jutta Neumann. Das Gesetz verhindere drastisch den Neubau von Wohnraum. Durch die hohen Vorgaben würden die Preise in die Höhe getrieben. „Wie soll da sozialer Wohnungsbau funktionieren?“, empört sich Neumann, die auch SPD-Mitglied ist. Eines weiß sie sicher: Eine Luxusmaklerin, die will sie nie werden.

Luka Spahr

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