Bassumer Plattdeutsch-Autor Wilhelm Kappelmann gibt Hörbuch heraus

Die besten Ideen kommen in der Nacht

Wilhelm Kappelmann
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Wilhelm Kappelmann.

Bassum  - Von Frauke Albrecht. Die besten Ideen kommen Wilhelm Kappelmann oft nachts, wenn er im Bett liegt. Deshalb hat er direkt auf seinem Nachttisch einen Bleistift und ein Stück Papier griffbereit. „Es sind manchmal nur kurze Sätze, die mir in den Sinn kommen. Am nächsten Morgen kann ich mich daran nicht erinnern. Sie wären weg“, sagt er. Die besten Ideen bringen oftmals auch die besten Geschichten hervor. 27 Anekdoten hat Kappelmann nun in einem „Best of“-Hörbuch mit dem Titel „Höör mol to“ zusammengefasst.

Der größte Herzenswunsch des Bassumer Autoren ist, die plattdeutsche Sprache zu erhalten. Deshalb verkauft er das Hörbuch auch zum Selbstkostenpreis von fünf Euro. Es kann bei ihm persönlich bestellt werden.

Bei der Herstellung der CD hat ihm sein Sohn geholfen. Das Wohnzimmer wurde kurzerhand zum Tonstudio umfunktioniert.

Unter den 27 Geschichten sind Anekdoten aus der Kindheit Kappelmanns, aber auch neuere Ereignisse. Er nennt es „Beleevnisse, Nadenkliches, Vergnöögdet un Besinnlichet ut mien Heimot“.

Einige Erzählungen bringen die Menschen zum Lachen, andere regen zum Nachdenken an. Kappelmann: „Die wirklich guten Geschichten sind die, bei denen man denken muss.“

Seine Erzählungen spiegeln Licht und Schatten wider. „So ist ja auch das Leben“, sagt er.

Kappelmann kennt beide Seiten. Und deshalb möchte er Menschen, die den Schatten erleben, eine kleine Freude machen. Seit 15 Jahren liest er im Krankenhaus Sulingen vor. Die Lesung wird direkt in die Patientenzimmer übertragen. Dafür nimmt der Bassumer kein Geld. „Ich freue mich, wenn ich den Menschen etwas geben kann, sie für einen kurzen Moment aus ihrer Gedankenwelt holen kann“, sagt er.

Früher las Kappelmann auch im Bassumer Krankenhaus, doch dafür stünde heute kein Raum mehr zur Verfügung. „Schade eigentlich“, bedauert er.

Regelmäßig ist der Autor zu Gast in den Senioreneinrichtungen der Region. Gerne würde er auch in Schulen und Kindergärten lesen. Er hat sich auch desöfteren angeboten. Aber die Resonanz war bisher eher spärlich. Kappelmann fürchtet um das Platt – um seine Sprache. Zwar sei Plattdeutsch eine anerkannte Regionalsprache in Europa. Die Bundesländer seien verpflichtet, das Recht der plattdeutschen Sprache zu sichern. „Doch in der Realität sprechen heute doch nur die älteren Leute Platt“, so Kappelmann.

Vor zwei Jahren hatte er ein Märchen in plattdeutscher Sprache als Hörbuch vertont und den Schulen in Bassum eine CD geschenkt und angeboten, darüber zu erzählen. Lediglich von zwei Schulen gab es überhaupt ein Dankeschön zurück.

Doch der Bassumer gibt nicht auf. „Die plattdeutsche Sprache gehört zu unserer Heimat. Es liegt an uns, ob wir die schönen alten, bildhaften Wörter und ihre Bedeutung leben lassen.“

Zumindest in seiner Familie wird das Plattdeutsch auch noch in der nächsten Generation gesprochen. Kappelmanns Kinder sind zweisprachig aufgewachsen. In Kürze kommt der Enkel auf die Welt. Der Kleine hat das Glück, drei Sprachen von Kindesbeinen an zu lernen: Hochdeutsch, Plattdeutsch und, da der Papa aus Irland stammt, Englisch.

Kontakt: WilhelmKappelmann@web.de.

Zur Person

Wilhelm Kappelmann wurde 1938 in Nienstedt bei Bassum geboren. Er ist gelernter Stahlbauschlosser, machte später seinen Meisterbrief.

Kappelmann ist verheiratet und hat zwei Kinder. Mit dem Schreiben begann er 1992 nach einem Schicksalsschlag. Er schrieb sich selbst wieder ins Leben und ist überzeugt: „Menschen können sich etwas, was sie loswerden wollen, von der Seele schreiben“.

Wilhelm Kappelmann hat mehrere Bücher veröffentlicht. Auch im Radio war er häufiger Gast beim NDR. Seine Beiträge werden in Zeitungen und Magazinen abgedruckt.

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