„Das beschädigt SPD und CDU“

Chance verpasst: SPD versagt Harimech-Babic die Unterstützung 

Nordine M. Harimech-Babic

Bassum - Nur wenige Stunden nach der Delegierten-Entscheidung der SPD, mit Landrat Cord Bockhop einen CDU-Mann zu unterstützen, hat der Bassumer SPD-Bewerber Nordine Marc Harimech-Babic wieder seinen Dienst bei der Deutschen Bahn angetreten. Schon Samstag um 3.30 Uhr war er wieder als Zugbegleiter im Einsatz – der Alltag geht weiter.

„Schade. Wir haben eine Chance verpasst, uns als eigenständige Partei zu präsentieren“, erklärt der SPD-Bewerber auf Nachfrage nach seinen Gefühlen zur SPD-Entscheidung gegen ihn. Immerhin hatte er in geheimer Abstimmung vier Stimmen mehr erhalten als sein Ortsverein Bassum vergeben konnte.

Der 36-Jährige ist überzeugt: „Das Votum beschädigt beide Parteien – sowohl die SPD als auch die CDU.“ Vor allem aber ist er in großer Sorge: „Wenn wir als Sozialdemokraten in die Bedeutungslosigkeit abrutschen, dann ist das eben so!“

Während des Unterbezirksparteitags hatte ihm ein Delegierter vorgeworfen, sich vor seiner Kandidatur nicht in den SPD-Ortsvereinen vorgestellt zu haben. „Aber das konnte ich nicht“, stellt der 36-Jährige noch einmal klar, „weil ich mein Staatsexamen in Jura erst wenige Tage vor dem Parteitag bestanden habe.“ Dieses Examen sei ihm für seine Bewerbung aber sehr wichtig gewesen. „Ich bin Arbeits- und Sozialrechtler“, erklärt Harimec-Babich. In diesem Sinne werde er sich weiterhin kommunalpolitisch einbringen.

Obwohl er ein SPD-Parteibuch hat, präsentierte er sich beim Parteitag in Twistringen als persönlicher Bewerber. Will er als solcher direkt bei der Landratswahl antreten? Der 36-Jährige zögert: „Das muss ich erst mit meinem Ortsvereinsvorstand besprechen.“ 

 sdl

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Parteipolitisch eine Katastrophe 

Von Anke Seidel. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die SPD als zweitstärkste politische Kraft hinter Cord Bockhop stellt. Das war schon vor acht Jahren so, als er ihr alleiniger Landratskandidat war, und das ist jetzt wieder so – obwohl er diesmal einen Gegenkandidaten mit SPD-Parteibuch hatte. Doch ihren eigenen Genossen schickten die Delegierten des SPD-Unterbezirksparteitags nach Hause – und stellten sich mit einer Riesen-Mehrheit hinter einen Landrat mit CDU-Parteibuch. Das mag für viele Bürger ein Eklat sein, aber dafür gibt es Gründe. 

Als Landrat hat Cord Bockhop es verstanden, Vertrauen zu gewinnen, SPD-Politik verlässlich mitzutragen und Schlüsselpositionen – siehe Kreisratsstelle – mit Sozialdemokraten zu besetzen. Kommunalpolitisch hat der Landrat einen großen Konsens erreicht, sprich sein CDU-Parteibuch nachweislich ganz tief in der Tasche vergraben. Parteipolitisch allerdings ist das SPD-Votum eine Katastrophe. Nicht nur, weil die Delegierten faktisch im Windschatten der CDU wählten, die Bockhop schon sechs Tage vor dem SPD-Parteitag zu ihrem Landratskandidaten gekürt hatte. Sondern vor allem, weil sich tiefe Gräben durch die sozialdemokratischen Reihen im Landkreis ziehen. 

Glasklar hat der Parteitag das bewiesen – und Handlungsbedarf entlarvt. Denn anders als auf kommunaler Ebene kommt es überregional sehr wohl auf das Parteibuch an. Wer für die Parlamente in Hannover, Berlin und Brüssel punkten will und Wähler überzeugen, braucht ein unverwechselbares politisches Profil. Offen, ehrlich und vertrauensvoll müssen alle Genossen daran arbeiten, damit die Volkspartei SPD eine starke Kraft bleibt und nicht zum Mauerblümchen verkommt."

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