Als niveauvoller Entertainer präsentiert

Bernd Stelter in der Gilde-Halle: Witz mit Geist

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Schlichtes Outfit: schwarzes T-Shirt, schwarze Hose, rote Laufschuhe. In Bassum trat Bernd Stelter pur und ohne viel Schnickschnack auf.

Bassum - Von Ulf Kaack. Dass Comedy nicht immer brachialer Haudraufhumor sein muss, bewies Bernd Stelter am Freitagabend in der Gilde-Halle in Bassum. Es waren eher die gemütlichen Lacher tief unten aus dem Bauch heraus, die der 56-Jährige seinen Gästen praktisch im Sekundentakt entlockte. Die waren übrigens zahlreich erschienen. Die Bassumer Location war mit knapp 500 Zuschauern ausverkauft.

Das ewige Thema der Frau-Mann-Beziehungen – eigentlich ein vielfach abgegrastes Feld – stellte der 56-Jährige in den Fokus, legte dabei den Akzent auf Geschichten vom Heiraten und das Verheiratet sein. „Ein einschneidendes Erlebnis, nicht nur für die Hochzeitstorte“, grinste er lausbübisch.

Dabei wurde er nicht müde zu betonen, dass er selbst seit 26 Jahren verheiratet sei. Exakt seit dem 1. Juni 1991, und zwar glücklich und nahezu konfliktfrei.

In der Folge nutzte er diese Behauptung als stilistisches Mittel zu Vergleichen mit völlig vergeigten Beziehungen.

Detailliert wog Bernd Stelter die spezifischen Verhaltensweisen der Geschlechter gegeneinander ab: „Ewald hat ein Sexualleben wie ein Ferrari – Ewald hat nämlich keinen Ferrari!“ Und darauf folgend der verbale Seitenhieb auf die Damenwelt: „Er: Schatz, ich koche heute für dich. – Sie: Oh schön, was denn? – Er: Kamillentee! Wo steht der denn? – Sie: Da wo er hingehört – im Bücherregal in dem Nutellaglas mit der Aufschrift Salz.“

Die Hände auf dem Rücken verschränkt, schritt er gemächlich parlierend vom linken zum rechten Bühnenrand und wieder zurück. Immer im Dialog mit dem Publikum.

Stelter entpuppte sich als freundlicher Zeitgenosse, so gemütlich in seinem Wesen wie sein Bauchumfang.

Populäre Songs mit garstigen Texten

Zwischendurch griff der Rheinländer zur akustischen Gitarre oder nahm hinter dem Klavier Platz, persiflierte populäre Songs, die er mit garstigen Texten versah. Draußen lautvernehmlich vorbeirauschende Züge brachten ihn immer mal wieder aus dem Konzept, trugen umso mehr zur Heiterkeit bei.

Überwiegend gab es Stelter pur – schwarzes T-Shirt, schwarze Hose, rote Laufschuhe. Dann und wann schlüpfte er in Rollen, die des Literaturkritikers Hellmuth Karasek oder eines Standesbeamten, der aus seinem Alltag berichtete: „In Berlin-Kreuzberg sagt man am Ende der Trauung nicht mehr ,Ja, ich will‘, sondern ,Alder ich schwör‘.“ Und bekannte sich im nächsten Atemzug zur gleichgeschlechtlichen Ehe: „Dann merken die Lesben mal wie es ist, mit einer Frau zusammenzuleben.“

Bei einem Exkurs in die Welt des Laufsports – zwecks Verringerung des Gewichts und Steigerung des Marktwerts in der Damenwelt – erzählte Bernd Stelter von seinem neuen Jogginganzug. Größe SE, was für Small Elephant steht. Das Anziehen gestaltete sich als würde man eine Knackwurst in einen Gartenschlauch pressen. „Nordic Walker zischten an mir vorbei“, kalauerte er über seine Langsamkeit. „Ein Rentner am Rand der Strecke lästerte, er hätte tektonische Kontinentalplatten schneller driften sehen.“

Contenance auch unter der Gürtellinie gewahrt

Wie erwartet präsentierte sich Bernd Stelter als niveauvoller Humor-Entertainer. Witz mit Geist. Wenn seine Pointen dann doch mal unter die Gürtellinie zielten, und das war nicht selten der Fall, wusste er die Contenance dabei zu wahren. Dazwischen immer wieder Momente der Ernsthaftigkeit und der Poesie.

So endete sein Programm unerwartet mit anrührenden Tönen. Am Klavier intonierte er die musikalische Verneigung vor seinen Eltern. Deren lebenslang währende Liebe besang er feinsinnig – in dem Moment, als er nach ihrem Ableben ihr Haus betrat und das alte Hochzeitsfoto von der Wand nahm. So manche Träne wurde in diesem Moment im Publikum weggedrückt.

Doch aus diesem Tal der Traurigkeit ließen sich die Zuschauer nicht so einfach nach Hause entlassen. Wer will schon tiefnachdenklich von einem Comedyabend heimfahren? So presst man Bernd Stelter mit anhaltendem Applaus noch eine gute halbe Stunde an Zugaben ab.

Anschließend mischte er sich unters Publikum, gab Autogramme, schnackte eine Runde vollkommen barrierefrei und ließ sich bereitwillig mit seinen Fans fotografieren.

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