Star von etwa vier Tonnen und 85 Jahren

Beim Mühlenmarkt in Neubruchhausen wird der neue Motor das erste Mal vorgeführt

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Freuen sich auf viele Besucher beim Mühlenmarkt: Maik Dannemann (vorne von links), Holger Rullhusen und Florian Butt. 

Tschik-tschik-tschik. Wer die Augen schließt und den Geräuschen lauscht, die aus dem Smartphone von Florian Butt dringen, hat unwillkürlich das Bild einer alten Dampflok vor Augen, die durch die Weiten der Prärie schnauft. Dabei stammen die Töne vom laufenden Motor einer Mühle. Genauer gesagt vom dem, der im Maschinenraum der Wassermühle Neubruchhausen steht.

Neubruchhausen - Butt zeigt das Video, in dem der Motor das erste Mal nach seinem Einzug zum Leben erwachte. „Da kamen schon erste Freudentränen“, sagt er. Das glaubt man dem Mühlenexperten sofort. Schließlich haben er und Georg Schröder, beide Mitglieder des Mühlenvereins, etwa 800 Arbeitsstunden investiert, bevor sie diese Geräusche hören konnten.

Schon einige Schaulustige haben in den Maschinenraum gelugt und Fragen gestellt. „Sie sind fasziniert“, sagt Vereinsvorsitzender Holger Rullhusen. Und am Pfingsmontag, 10. Juni, können sich noch viel mehr Menschen begeistern lassen. Denn dann lädt der Verein von 11 bis 17 Uhr zum zweiten Mühlenmarkt an der Wassermühle ein. „Das erste Mal verlief sehr erfolgreich. Etwa 2  000 Besucher waren da“, berichtet Maik Dannemann.

Der Herforder-Motor ist sowas wie der Star des Marktes, den die Gäste bei mehreren Führungen durch die Mühle bestaunen können. Ein älterer Star, der zudem mit seinen 3,5 Tonnen ordentlich Gewicht auf die Waage bringt. Gebaut wurde er 1934. „Eine Zeit, in der Mühlen nie stillstehen durften, weil sie immer Arbeit hatten. Und in der Maschinen entwickelt wurden, die auch ohne Strom laufen können, gerade für ländliche Bereiche, wo die Versorgung ja eher spärlich war“, schildert Butt.

Der Motor hat zuvor auch eine Wassermühle betrieben – und das nicht sehr umweltfreundlich. „Da wurde Benzol verfeuert“, weiß der Mühlen-Fan. Die Mühle brannte in den 60er-Jahren ab. Über eine Ebay-Anzeige kam ihr Motor nach Neubruchhausen. Ihn zu pflegen wird eine „Lebensaufgabe“, wie Dannemann witzelt, denn „der Motor hält länger als wir.“

Anspruchsvoll ist der „Star der Mühle“ übrigens auch noch. So musste extra für ihn ein 18 Tonnen schwerer Sockel gegossen werden. Aber er ist es wert, findet Butt. „Von seiner Sorte gibt es nur noch fünf betriebsfähige in ganz Deutschland. Wir schätzen, dass wir viel Besuch von Fans bekommen werden.“ In dem frisch sanierten Maschinenraum soll der Motor beim Mühlenmarkt eine Welle laufen lassen, wie das letzte Mal vor 50 Jahren. Es ist die erste öffentliche Vorführung.

„Dabei wollten wir anfangs die Mühle nur als Kultur- und Bildungsstätte nutzen, in der wir vielleicht Bilder von einem Motor zeigen“, sinniert Rullhusen. Aber als Butt ins Boot des Heimatvereins stieg, sagte er gleich: „Ich mache nur mit, wenn wir eine betriebsfähige Mühle bauen!“

Doch nicht nur Technik-Freunde sollen beim Mühlenmarkt auf ihre Kosten kommen. Acht Aussteller beteiligen sich an einem Kunsthandwerkermarkt und die Bassumer Bovelzumft entführt die Besucher mit einem Feuerspucker, Met-Stand und einer Schmiede ins Mittelalter. Für Essen und Trinken in Form von Kaffee, Kuchen und Bratwürsten ist gesorgt. Auch eine Filmvorführung hat der Verein organisiert. Das Thema ist – passend zum Tag – „Mühlen in Niedersachsen“.

Auch der Mühlenverein hat einen Stand. Die Mitgliederzahl sei steigend, so Dannemann. Immer mehr Leute hätten Lust, bei dem Projekt mitzumachen. Und vielleicht kommen am Pfingsmontag wieder ein paar dazu. Den Verein würde es freuen.

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