Peter Dahms Ensemble liefert auf der Kulturbühne ein grandioses Konzert ab

Begnadeter Saxofonist

Nicht zum ersten Mal auf der Bassumer Kulturbühne: Peter Dahm und sein Ensemble. Mit dabei Perkussionist Mustafa Botztüy, die Cellistin Susanne Paul und Gitarrist Olaf Rodt. - Foto: Kaack

Bassum - Von Ulf Kaack. Jazz vermag in einem allzu progressiven Vortrag den ungeübten Hörer zu verstören, ja sogar abzuschrecken. Was das Ensemble Dahmwahl am Donnerstagabend auf der Kulturbühne ablieferte, war ebenso virtuos wie zugänglich. „Leider war der Saal nur zur Hälfte gefüllt“, musste Claus Ulbrich vom veranstaltenden Kulturforum feststellen. „Aber das ist bei der Musik dieses Genres offenbar Normalität. Wir müssen da noch ein bisschen missionieren.“

Beschaulich ging es los mit dem Titel „Aufbruch“, die Interpretation eines Komponisten aus dem ostfriesischen Esens. Ein zurückgenommener Rhythmus, dann ein meisterhaftes Gitarrensolo, das synchron im Vortrag des Saxofons endete. Ein entspannter Konzertauftakt. Und so ging es weiter.

Kreativer Kopf von Dahmwahl ist Peter Dahm. Er lebt und arbeitet in Bremen. Er ist nicht nur ein begnadeter Saxofonist, sondern auch ein hervorragender Komponist. Unverkennbar ist er keinerlei stilistischen Grenzen unterworfen.

Er verbindet traditionelle Formen des europäischen und US-amerikanischen Jazz mit folkloristischen Elementen vom Balkan, aus Südafrika, Indien und dem traditionellen Klezmer. Er streift türkisch-arabische Motive, weicht dabei Grenzen auf und erfindet auf ganz unaufdringliche Art neue Hörweisen.

Die „Blaue Kogge“ hat Dahm auf Spiekeroog komponiert und steht für die Stille in den windumtobten Dünen. Der Titel „Aras“ benennt einen Fluss in der Türkei, ist aber in Wirklichkeit eine Hommage an seine Tochter Sara. Einfach mal rückwärts lesen, dann klickt’s.

Der Klang ist raumfüllend, analog. Nichts ist elektrisch bei Dahmwahl. Während sich Peter Dahm abwechselnd am Tenor- und Sopransaxofon profiliert, haben auch seine drei Mitstreiter ausreichend Raum, um ihre solistischen Qualitäten unter Beweis zu stellen. Perkussionist Mustafa Botztüy arbeitet brillant an der Darbouka, Bendir und Udu, sorgt unspektakulär für ein solides und gleichsam phantasievolles Rhythmusfundament. Dazu liefert auch die aus Berlin stammende Cellistin Susanne Paul ihren Beitrag, glänzt aber ebenso durch Solopassagen und groovige Improvisationen.

Aufregend ist das Spiel von Jan-Olaf Rodt an der Gitarre. Er spielt clear, ohne Effektgeräte und digitalen Schickimicki. Überwiegend agiert er begleitend im Hintergrund. In seinen Soloparts rast er dann wieselflink mit den Fingern über die Mensur seines Instruments. Man meint, schwindelig zu werden.

Bereits zum dritten Mal war Dahmwahl auf der Bassumer Kulturbühne zu Gast. Angesichts des so virtuos und verhalten intellektuell Dargebotenen darf man schon auf die nächste Performance gespannt sein.

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