Carsten Leopold will die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der K126 herabsetzen

„Bedrucktes Blech, das Leben retten könnte“

Einen starken Knick macht die Straße hinter Dimhausen in Richtung Bassum. Leopold wünscht sich dort eine Geschwindigkeitsreduzierung.
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Einen starken Knick macht die Straße hinter Dimhausen in Richtung Bassum. Leopold wünscht sich dort eine Geschwindigkeitsreduzierung.

Bassum – „Unerträglich, gefährlich, abenteuerlich“. Wenn Carsten Leopold über die Verkehrsbedingungen auf der K126 zwischen Dimhausen und Bassum spricht, findet er deutliche Worte. Die Geschwindigkeiten, die dort erlaubt sind, seien zu hoch angesetzt. Das sei in mehrfacher Hinsicht ein Ärgernis.

Da sei der Lärm, den die Auto- und am Wochenende besonders die Motorradfahrer mit ihren Maschinen erzeugen und der die Anwohner massiv belaste. „Wer draußen sitzt, kann sich nicht mehr unterhalten. Und je schöner das Wetter, desto schlimmer“, spricht Leopold aus eigener Erfahrung.

Doch am meisten sorgt den CDU-Politiker die Gefahr für Leib und Leben, die von den hohen Geschwindigkeiten ausgeht. „Dass die Maschinen mit 100 Stundenkilometer am Gasthaus Stöver-Buchholz vorbeifahren, ist eine Katastrophe. Wie schnell können bei Familienfeiern dort auch mal Kinder an die Straße kommen. Das passt nicht zu unserem Image als familienfreundliche Stadt.“

Zudem denkt er an die Nutzer des Rad- und Fußweges. „Der ist sehr beliebt. Und wenn beispielsweise ein Motorradfahrer wegrutscht und seine Maschine über den Weg schleudert, besteht die Gefahr, dass sie Unbeteiligte trifft.“

Durch die Kurven käme es ebenfalls schnell zu Unfällen. „Die Bäume an unserem Reitplatz sind schon demoliert von Zusammenstößen mit Autos, und einige sind auch bereits in unserer Hecke gelandet“, so Leopold. Er habe in den vergangenen fünf bis sechs Jahren an die sieben Unfälle erlebt – wobei er die leichten, bei denen nur Blechschaden entstanden ist, gar nicht mitzählt. Kontrollen, die die Geschwindigkeit überprüfen, gebe es so gut wie nie. „Die Anwohner haben diese Raserei satt!“

Der Puls von Markus Tiemann von GBS Nordwest (ehemals Bio Geflügelhof Tiemann) steigt immer, wenn er mit einem Fahrzeug auf die Kreisstraße einbiegen oder von ihr abfahren muss. „Wir befinden uns dort an der S-Kurve, die schwer einzusehen ist. Man muss extrem vorsichtig sein, denn es kann immer passieren, dass plötzlich ein Fahrzeug angeschossen kommt.“

So müsste das Motto lauten: So schnell wie möglich abbiegen, doch das geht auch nicht so leicht, denn „da ist ja auch noch der Radweg, den man im Blick behalten muss“, so Tiemann, der das Problem mit seinen Mitarbeitern und Lieferanten teilt. „Aus diesem Grund wäre es wirklich toll, wenn die Geschwindigkeit herabgesetzt werden würde.“

Leopold blickt auf die Landesstraße 340, die von der B51 abgeht und durch Stühren führt. „Auch das ist eine beliebte Strecke von Motorradfahrern auf der es viele Unfälle gegeben hat. Dort wurde die Geschwindigkeit vor ein paar Jahren auf 80 Stundenkilometer reduziert.“ Solch eine Reduzierung wünscht er sich für die K126. Schon vor Jahren hat sich Anwohner Jürgen Keuling dafür beim Landkreis eingesetzt. Ohne Erfolg. „Im Sommer verwandelt sich die Straße besonders für Motorradfahrer in eine Rennstrecke. Wenn ich aus meiner Einfahrt komme, erschrecke ich mich manchmal richtig, wenn die angeschossen kommen“, schildert Keuling seine Eindrücke und ergänzt: „Natürlich nicht alle! Aber einige.“ Seine Sorge gilt dabei vor allem den Gästen des Gasthofes Stöver. „Ich verstehe nicht, warum man dort nicht auch 70 Stundenkilometer haben kann.“

Elke Buchholz kann sich diesem Vorschlag nur anschließen. „Bei uns ist immer ein Kommen und Gehen. Gerade für ältere Gäste ist es sehr unangenehm, wenn sie auf- oder abfahren wollen und hier gerast wird. Man wundert sich, dass noch nichts passiert ist.“ Zur Erntezeit werde es noch heikler, weil dann die Fahrer die Trecker überholen.

Warum Keulings Antrag damals abgelehnt wurde, hat er bis heute nicht nachvollziehen können. „Die Polizei hat damals zwar Messungen vorgenommen, aber da hat es geregnet.“ Bucholz ergänzt: „Und es war Ferienzeit, also viel weniger los.“

Leopold will Keulings Anliegen jetzt nochmal in die Hand nehmen und ihm Nachdruck verleihen. Sein Anliegen: Die Stadt Bassum soll sich beim Landkreis dafür einsetzen, die Geschwindigkeit herabzusetzen. „Mein Vorschlag lautet, direkt nach dem Ortsschild Dimhausen 50 statt 70 Stundenkilometer anzusetzen, und auf Höhe Groß Henstedt 70 statt 100 auf der gesamten Strecke bis nach Bassum. Auf diese Weise schützen wir nicht nur Menschenleben und verbessern die Lebensqualität der Anwohner, sondern auch das Klima.“

Mut macht Leopold die breite Zustimmung, die er in der jüngsten Ausschusssitzung erhalten hat, wo er die Thematik vorstellte. „An mehreren Punkten in Bassum gibt es ähnliche Probleme.“ Er verstummt und fügt hinzu: „Es klingt vielleicht sehr emotional, aber letztendlich ist es nur bedrucktes Blech, das aber über Leben und Tod entscheiden könnte.“

Wolfgang Rehling von der Verkehrswacht Diepholz zeigt Verständnis für den Unmut der Anwohner: „Subjektiv kann ich das nachvollziehen. Wäre ich Anlieger, würde ich wohl auch so empfinden.“ Aber objektiv bestehe bislang kein Handlungsbedarf. „Die K126 gilt bei uns als nicht auffällig.“

Um eine Geschwindigkeitsbegrenzung zu bekommen, müssen rechtliche Vorgaben erfüllt sein. Und die verlangen, dass eine „über das normale Maß hinausgehende, erhebliche Gefahr“ besteht. „Und das ist nicht der Fall.“

Als damals der Antrag von Keuling vorlag, sei ein Radar aufgestellt worden, der keine größeren Verstöße festgestellt habe. „Doch wenn jetzt ein neuer Antrag gestellt wird, werden wir selbstverständlich auch den prüfen, ob sich an der Situation mittlerweile etwas geändert hat“, versichert Rehling.

Von Julia Kreykenbohm

So sieht der Vorschlag aus, den Leopold im Ausschuss vorgestellt hat. Er hofft, dass die Stadt sich beim Landkreis dafür starkmacht. Repro: Leopold

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