Vor den Bauarbeiten für den Windpark: Grabungen an der Harpstedter Straße

Keramik und Knochen deuten auf Hügelgrab hin

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Kay Jebens und Archäologe Markus Brückner präsentieren Keramikscherben.

Bassum - Von Maik Hanke. Wurde hier früher mal eine Leiche verbrannt? Oder hat doch nur ein Hühnchen über einer Feuerstelle gebrutzelt? Nach außen halten sich Kay Jebens und Markus Brückner noch bedeckt – ihre Fantasie dürfte aber auf Hochtouren laufen. Denn der Grabungstechniker und der Archäologe sind bei Grabungen an der Harpstedter Straße bei Bassum möglicherweise auf einen Grabhügel aus der Eisenzeit gestoßen.

Kay Jebens deutet auf eine rötliche Fläche im Boden. „Da ist mal Hitze gewesen aus irgendeinem Grund“, sagt er. Neben der Fläche ist ein Nagel ins Erdreich geschlagen, ein kleiner Zettel hängt daran. Dort hat der Grabungstechniker kalzinierte Knochenstücke gefunden. Nur ungefähr einen Meter weiter, noch ein Nagel. Dort lagen Keramikscherben.

So fügt sich nach und nach ein Bild zusammen. Keramik war das Material, aus dem man früher Urnen gefertigt hat. Und in der Nähe gibt es weitere Urnen- und Hügelgräber. „Das ist schon verdächtig“, sagt Brückner.

Jebens und Brückner, beide vom Isernhagener Unternehmen Archaeofirm, untersuchen zurzeit den ersten von drei Bereichen, wo an der Harpstedter Straße Windkraftanlagen entstehen sollen. „Wir dokumentieren das Ganze und sichern die Informationen, bevor es zerstört wird“, sagt Jebens.

Dort, wo sie gerade den Boden mit Kratzern und Kellen ebnen und dann unter die Lupe nehmen, sollen noch diese Woche die Bauarbeiten beginnen. Ein Weg für die Baustellenfahrzeuge entsteht als Erstes. Bis dahin wollen die Experten fertig sein.

Auf der geebneten Fläche wird auch für den Laien einiges erkennbar: vor allem eine allein stehende, rundlich anmutende helle Sandfläche. Das sei ungewöhnlich, sagen die Experten. Womöglich wurde die von Menschenhand angelegt.

Viel haben Jebens und Brückner dort allerdings noch nicht gefunden, und das, was sie gefunden haben, waren vor allem kleinteilige Scherben und Stückchen. Vielleicht war schon mal ein Grabräuber da. Vielleicht wurde auch schon einiges zerstört. Dafür spricht: Die Fläche wird von schwarzen Streifen durchzogen. Der Boden wurde also schon einmal bewegt – wahrscheinlich von einem Pflug.

Die landwirtschaftliche Nutzung von Flächen macht dem Grabungstechniker und dem Archäologen die Arbeit schwer. Weil das schwere Gerät oft nicht nur Gegenstände zerstört – sondern auch Kultur und Zusammenhänge.

„Wir versuchen jetzt, herauszuholen, was geht“, sagt Jebens. Denn wenn die Windanlagen erst mal stehen, wird man die „Bodenschätze“ wohl nie mehrfinden.

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