Gerd Gohlke freut sich über die Ehrenamtsmedaille

Bassums Tausendsassa

Mit 78 Jahren noch lange nicht im Ruhestand: Gerd Gohlke in seinem Arbeitszimmer. - Foto: Kaack

BASSUM - Darf man einen 78-Jährigen als Tausendsassa, als Hans Dampf in allen Gassen bezeichnen? Gerd Gohlke hat da keinerlei Ressentiments. „Das darf man“, lächelt er mit einer jugendlichen, fast spitzbübischen Miene. Seine Lebensleistung für die Entwicklung der Stadt Bassum und des Ortsteils Osterbinde ist beeindruckend. Für sein ehrenamtliches Engagement wurde er mit der Bassumer Ehrenamtsmedaille ausgezeichnet.

Gerd Gohlke stammt aus Ostpreußen. Im Frühjahr 1945 flüchtete er mit seiner Großmutter und seiner Schwester aus seiner Heimatstadt Königsberg. Mit einem kleinen Frachter ging es zunächst nach Swinemünde. „Elf Tage ohne Verpflegung mit 300 Leuten auf dem morschen Kahn“, blickt er zurück.

„Mit Schuten wurden wir anschließend auf ein größeres Schiff verlegt, das auf Reede lag. Wir lagen unter Beschuss, erhielten einen Granattreffer und wären beinah abgesoffen. Ein Wunder, dass ich da heil rausgekommen bin.“

Über Lübeck und Damme kam Gerd Gohlke nach Barnstorf, wo er aufwuchs. Leichtathletik, damals noch als Turnen bezeichnet, wurde in diesen jungen Jahren zu seiner Leidenschaften. Zahlreiche Urkunden, sorgfältig aufbewahrt, zeugen von seinen sportlichen Erfolgen.

1955 begann er eine Ausbildung bei der Bundesbahn, der er bis zur Pensionierung 1996 treu blieb. Gerd Gohlke war ehrgeizig, wurde neun Mal befördert bis hin zum Oberamtsrat. Er war Bahnhofsvorsteher in Neuenkirchen und Bremen-Vegesack sowie Personalchef in Weyhe. Hannover, Berlin, Frankfurt und München wurden zu seinen Wirkungsstätten, wo er in zukunftsweisende Projekte wie die Elektrifizierung des Schienenverkehrs oder die Einführung der EDV in leitender Position involviert war.

Nach Bassum zog er 1959, drei Jahre später hatte er in Osterbinde mit seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau ein Haus gebaut. Drei Kinder wurden geboren, mittlerweile haben sich fünf Enkel hinzugesellt.

„In die Kommunalpolitik kam ich fast aus Zufall“, erinnert sich Gerd Gohlke. „Es wurde noch ein Mann für den damaligen Gemeinderat Osterbinde gesucht und ich wurde mehr oder weniger dafür bestimmt.“ Zwanzig Jahre lang war er Ortsvorsteher und 37 Jahre lang Ratsherr, war zwischenzeitlich stellvertretender Bürgermeister der Lindenstadt. „In der Zeit haben wir gewaltige Projekte gestemmt – die Kläranlage, die Umgehungsstraße, den Schulbau …“, sagt er.

Auch im Vereinsleben von Osterbinde hat Gerd Gohlke deutliche Spuren hinterlassen. 42 Jahre lang war er im geschäftsführenden Vorstand des Schützenvereins Osterbinde-Eschenhausen aktiv. 1973 war er Mitbegründer des Sportvereins Osterbinde: „Das heutige Sportgelände war damals eine Sandkuhle, die wir uns durch einen Überlassungsvertrag mit der Stadt gesichert haben. Anschließend haben wir die entsprechenden Baumaßnahmen realisiert.“

Noch irgendetwas vergessen? Ach ja, Gerd Gohlke war auch als Wahlvorstand und Schiedsrichter im Fußballsport aktiv, ist außerdem einer der Gründungsväter und bis heute Mitorganisator der Messe AktiBa.

Aktuell ist der rüstige Pensionär umtriebig wie eh und je. Er leitet die Ortsgruppe Bassum der Ostpreußen, Westpreußen und Pommern. Seit über 20 Jahren tut er das und ist seit 16 Jahren Vorsitzender der Kreisgruppe Syke im Bund der Vertriebenen und Vereinigte Landsmannschaften.

Gerd Gohlke: „Um diese Ämter habe ich mich wahrlich nicht gerissen, aber mir ist es wichtig, dass dieser Teil der deutschen Geschichte erhalten und professionell dokumentiert wird. Die wenigen heute noch bestehenden Vertriebenen-Organisationen müssen gebündelt werden, kulturell und historisch motivierte Begegnungen sollten weiterhin stattfinden.“

Ob er stolz ist auf das Vollbrachte? „Sicher, vor allem aber auf die individuellen Leistungen, meine sportlichen Erfolge. Alles andere war immer Teamwork. Egal ob im Vereinsleben oder in der Kommunalpolitik – ohne eine gut funktionierende Mannschaft lässt sich nur wenig erreichen. Ich freue mich über die Auszeichnung mit der Bassumer Medaille, aber ich habe sie vor allem stellvertretend für all meine Weggefährten im letzten halben Jahrhundert entgegengenommen.“

Von Ulf Kaack

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