Bassums Äbtissin Isabell von Kameke begrüßt neue Kapitularinnen

Drei „Volltreffer“

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Bassums Äbtissin Isabell v. Kameke (2.v.l.) mit drei neuen Kapitularinnen: Anke Seidel (l.), Sabine Katenkamp von Damm und Ulrike Schink (r.).

Bassum - Von Frauke Albrecht. Als „Volltreffer“ bezeichnet Bassums Äbtissin Isabell von Kameke ihre drei neuen Kapitularinnen. Lange habe sie nach den richtigen Frauen gesucht. Nun hat sie gleich drei geeignete Bewerberinnen gefunden. Sabine Katenkamp von Damm, Ulrike Schink und Anke Seidel werden am 10. Oktober um 14.30Uhr in der Stiftskirche im Rahmen eines Festgottesdienstes in ihr Amt eingeführt.

„Wobei Amt vielleicht der falsche Ausdruck ist. Dienst trifft es besser“, sagt Herbert Köhler, Pastor im Ruhestand. Als geistlicher Kanonikus des Stiftes wird er den Festgottesdienst halten. Dieser ist öffentlich.

„Früher mussten die neuen Stiftsdamen aufschwören“, sagt er. Heute legen sie selbst ihren Eid ab. Die Damen müssen heute auch nicht mehr adelig sein. „Der Name ist egal, es muss die richtige Frau sein“, bringt es Äbtissin Isabell von Kameke auf den Punkt. Und bei den drei Frauen ist sie sich sicher, dass alles „passt“. Sie freue sich sehr darüber, nach 2004 wieder neue Kapitularinnen begrüßen zu können. Es sei nicht einfach, geeignete Frauen zu finden. Die Gründe sind vielfältig. Manche suchen eine intensivere Gemeinschaft, die das Stift nicht bieten kann, weil es keine Residenzpflicht gibt.

Isabell von Kameke ist es wichtig, dass sich die Kapitularinnen dem Stift verbunden fühlen und dass sie finanziell unabhängig sind.

Sie erklärt, warum Kapitularinnen wichtig sind: Das Stift sei eine Körperschaft öffentlichen Rechts. Diese könne ohne Mitglieder nicht existieren, egal, wie es um die Finanzen bestellt sei. Wenn das Stift also eine Zukunft haben möchte, müsse es Stiftsdamen geben.

Das ist der Grund, warum sich die drei Frauen für das Bekenntnis ausgesprochen haben. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, gemein ist ihnen die Verbundenheit zum Stift.

Ulrike Schink aus Ganderkesee kennt das Stift seit 1990. Damals bezog die Kirchenkreissozialarbeiterin das Büro des Diakonischen Werks in der Wassermühle. Sie war sozusagen Mieterin der Äbtissinnen, habe gute Kontakte unterhalten und „eine gewisse Affinität zum Stift“ verspürt. Als sie von Isabell von Kameke angesprochen wurde, ob sie sich vorstellen könnte, Stiftsdame zu werden, bat sie sich etwas Bedenkzeit aus, bevor sie zusagte.

„Ich empfinde es als Ehre“, sagt die 62-Jährige. Die Bewahrung der Tradition sei das eine. Sie hofft darüber hinaus, eigene Ideen einbringen zu können, um „mehr entstehen zu lassen“.

Ähnlich geht es der Bassumerin Anke Seidel. Die 55-Jährige arbeitet seit mehr als 30 Jahren für die Kreiszeitung und hat in all den Jahren immer wieder über das Stift berichtet. „Die Geschichte fasziniert mich“, sagt sie. Gegründet kurz nach dem Tod Karl des Großen, habe es bis heute Bestand. „Es waren Frauen, die mitten im Leben standen und sich für die Gemeinschaft einsetzten“, so Seidel. Sämtliche Versuche im Mittelalter, die Kanonissen zu Nonnen zu machen, blieben erfolglos. „Bewundernswert und einmalig in der Geschichte. – Die Frauen sind gewachsen mit ihren Aufgaben.“ Mit Isabell von Kameke habe sie viele Gespräche geführt. Ein Artikel handelte davon, dass Kapitularinnen gesucht werden. Seidel: „Wir waren uns stillschweigend einig.“

Sabine Katenkamp von Damm aus Groß Mackenstedt hat bereits als junges Mädchen davon geträumt, Stiftsdame zu werden. In der Schule habe sie aufmerksam zugehört, wenn es um die Historie des Stiftes ging. Doch dann heiratete sie und gründete eine Familie. Mittlerweile ist die 73-jährige Landwirtsfrau verwitwet und hat den Betrieb an den Sohn abgegeben. Nun hat sie Zeit und Lust, sich für das Stift einzusetzen.

Da es keine Residenzpflicht gibt, bleiben die drei Frauen in ihrem eigenen Leben fest verwurzelt.

Hintergrund:

Mit Anke Seidel, Ulrike Schink und Sabine Katenkamp von Damm wächst das Kapitel des Stifts Bassum auf acht Frauen an. Insgesamt gibt es elf Sitze. Ihre Aufgabe ist vergleichbar mit der eines Aufsichtsrates. Die Stiftsdamen kommen ein- bis zweimal im Jahr zusammen, um wichtige Entscheidungen zu beschließen, sei es den Haushalt, mögliche Verkäufe oder rechtliche Belange. Jede hat eine Stimme. Voraussetzung um Stiftsdame zu werden: Sie muss der evangelischen Kirche angehören, ledig sein und sich dem Stift verbunden fühlen.

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