Bassumerin will Kinder in Indien unterstützen

Ein Jahr in den Slums

Nele Lemke in der Inka-Stadt Machu Picchu in Peru. Während eines Austauschjahres hat die Bassumerin ein Gefühl dafür bekommen, für längere Zeit im Ausland zu leben. - Foto: Lemke

Bassum - Von Robin Grulke. Ein Jahr in Indiens Slums – als junges, blondes Mädchen. „Meine Mutter hat auch erstmal geschluckt“, erzählt Nele Lemke. Die 18-jährige Bassumerin plant, ab August Kinder in Armenvierteln zu unterstützen. Es wäre nicht ihr erster längerer Aufenthalt auf einem anderen Kontinent.

Für einen Schüleraustausch verbrachte Nele ein Jahr in Peru – schwere Abschiede kennt sie bereits. „Ich musste damals gar nicht weinen, aber alle anderen haben mir die Ohren vollgeheult.“ So abgeklärt, wie Nele in der Situation war, so schnell realisierte sie im Flugzeug: „Oh. Jetzt bin ich ein Jahr lang weg.“

Die Zeit in Südamerika war für Nele nicht immer einfach. Rotary – eine Organisation, die den Kontakt zu den Gastfamilien herstellt – konnte erst nach sieben Monaten in Peru eine neue Familie für Nele finden. Normalerweise wechseln die Austauschschüler alle vier Monate. „Die Familie war teilweise richtig schlimm.“ Heimweh und Frust machten es ihr in der Zeit nicht leicht.

„Auch hier kann man vergewaltigt werden“

In Peru lernte Nele ein Mädchen kennen, das dort gerade freiwillig für soziale Projekte arbeitete. Nach ihrer Empfehlung plant Nele nun ebenfalls einen Freiwilligendienst im Ausland.

Doch warum möchte die 18-Jährige gerade nach Indien – ein Land, in dem das weibliche Geschlecht als minderwertig gilt und Sexualstraftaten zum Alltag gehören? „Weil mir alle gesagt haben: bloß nicht Indien!“, erzählt die Bassumerin. Mit ihrer erschrockenen Mutter sprach Nele über ihre Ziele und mögliche Schreckensszenarien – die sie kleinzureden versucht: „Auch hier in Deutschland kann man vergewaltigt werden.“

Angst, sich in der fremden Kultur nicht zurechtzufinden, hat Nele ebenfalls nicht. „Da ich schon drei Wochen in Afrika und ein Jahr lang in Peru war, habe ich meine Erfahrungen gemacht und weiß, wie ich damit umgehen muss.“

An das Jahr in Indien „habe ich keine Erwartungen, dann kann ich auch nicht enttäuscht werden. Aber ich weiß, dass es schwierig wird.“ Nele hat sich bereits dafür entschieden, in den Armenviertel Indiens, den Slums, betroffenen Kindern zu helfen. Welche Aufgaben dort konkret auf sie zukommen, weiß sie indes noch nicht.

Und was halten Neles Freunde von ihrer Idee? Immerhin haben sie Nele schon einmal schweren Herzens gehen lassen müssen. „Die Freunde habe ich jetzt nicht mehr“, erzählt die 18-Jährige. Sie habe in dem Jahr in Peru einen starken Wandel erlebt. „Ich bin offener geworden und habe mich verändert.“ Als sie wieder nach Deutschland kam, musste sie die elfte Klasse wiederholen – und konnte sich mit ihren neuen Klassenkameraden sofort anfreunden. „Die stehen voll hinter mir und meinem Plan.“

Teilnehmer sollen für Reise Spenden sammeln

Um sich auf die Reise vorzubereiten, besucht Nele zwei Vorbereitungsseminare in Hessen und Goslar. An je fünf Tagen lernt sie dort, wie sie sich in Indien verhalten sollte, um gefährlichen Situationen aus dem Weg zu gehen. Außerdem stehen noch Impfungen gegen Tollwut und Gelbfieber auf dem Programm.

Die Teilnehmer des Freiwilligendienstes im Ausland werden von der verwaltenden Organisation Weltwärts gebeten, einen Förderkreis aufzubauen, der 2750 Euro für die Reise spendet. Nele hat an ihre Familie und Freunde Spendenbriefe verteilt, mit denen sie um Unterstützung bittet.

Schließlich hat sie noch einen Rat für Gleichaltrige: „Junge Leute sollten nicht versuchen, den klassischen Lebenslauf zu absolvieren.“ „Schule, Studieren, Arbeiten, Familie, Rente. Genau das sollte man nicht machen!“ Nele empfiehlt, mehr zu reisen und neue Erfahrungen zu machen. Dafür kann die 18-Jährige wahrlich ein Vorbild sein.

Wer Nele bei ihrer Reise nach Indien unterstützen möchte, kann sich direkt per E-Mail an lemkenele@web.de wenden.

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