„Integration ist kein Schalter“

Bassumer Stadtverwaltung will kritisch auf ihre Flüchtlingsarbeit blicken

Für Integration und Vielfalt setzt sich die Bassumer Stadtverwaltung ein. Dafür stehen (von links) Erster Stadtrat Norbert Lyko, Flüchtlingssozialarbeiter Hyacinthe Mokom-Fomboh und Bürgermeister Christian Porsch.
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Für Integration und Vielfalt setzt sich die Bassumer Stadtverwaltung ein. Dafür stehen (von links) Erster Stadtrat Norbert Lyko, Flüchtlingssozialarbeiter Hyacinthe Mokom-Fomboh und Bürgermeister Christian Porsch.

Bassum – Die Fluchtkrise spitzte sich 2015 weltweit zu. Viele der damals Geflüchteten leben noch heute in Bassum. Gut sechs Jahre nach ihrer Ankunft stellt sich die Frage, ob die Bassumer Stadtverwaltung genug in Sachen Integration tut, oder ob Verbesserungsbedarf bei der Eingliederung in die deutsche Gesellschaft besteht.

„Wir haben tolle Hilfe erhalten. Die Bürgerinitiative ,Willkommen in Bassum‘ war eine große Hilfe zu Beginn der Flüchtlingskrise. Unsere Arbeit war dabei eine Pflichtarbeit. Wir mussten für Wohnraum und das finanzielle Auskommen der Geflüchteten sorgen. Die Kür bestand darin, die geflüchteten Menschen an die Hand zu nehmen und ihnen zu zeigen, was beispielsweise Einkaufen in Deutschland bedeutet und was eine Krankenversicherung ist. Hier stießen wir von der Stadtverwaltung an unsere Grenzen“, erklärt Bassums Bürgermeister Christian Porsch.

Professionelle Hilfe bei der Betreuung

Bei der Betreuung der Geflüchteten holte sich 2018 die Stadt Bassum – in Kooperation mit der Stadt Syke – professionelle Hilfe. Hyacinthe Mokom-Fomboh ist Flüchtlingssozialarbeiter. „Die Leute sind in einer Notsituation hier angekommen. Viele leben seit Jahren in Bassum. Integration bedeutet, so zu leben, wie die anderen. Dazu gehört die Sprache und die Kultur zu lernen“, sagt er.

Viele der Geflüchteten würden heute die deutsche Sprache beherrschen. Auch im Alltag kämen sie mittlerweile zurecht. Der Fokus der Tätigkeiten des Flüchtlingssozialarbeiters sei die Unterstützung bei der Arbeitssuche. Mokom hilft bei der Erstellung von Lebensläufen und dem Finden von Praktikumsplätzen. „Die Vorstellung der Flüchtlinge von Arbeit in Deutschland stimmt oft mit der Realität nicht überein. Sie müssten erst lernen, dass ein Kfz-Mechatroniker in ihrem Land etwas anderes ist als hier bei uns“, erklärt Mokom.

Vielfältige Deutsch-Kurse

Frauen hätten sich über die Jahre in Bassum anders entwickelt als Männer. Viele hätten Nachwuchs bekommen. Dadurch habe es Unterbrechungen bei den Deutschkursen gegeben. Um dieses Problem zu umgehen, biete das „Team Integration“ aus Bassum Frauen-Kind-Deutschkurse mit Betreuung an.

Deutschkurse sind auch im Bassumer Flüchtlingswohnheim Rosendiele möglich. Für das Gebäude besitzt die Stadt Bassum einen langfristen Mietvertrag. „Dörte Binder und Maria Babic bieten ein kontinuierliches und verlässliches Angebot. Jederzeit können Personen bei den Deutsch-Kursen einsteigen. Sie machen es wirklich hervorragend und vermitteln neben der Sprache auch ein deutsches Verständnis“, lobt Erster Stadtrat Norbert Lyko.

Integrationsdialog für Handlungskonzept

Diese Angebote würden zeigen, dass Integration in Bassum noch immer gut funktioniere, sagt Porsch. Trotzdem wolle sich die Bassumer Stadtverwaltung darauf nicht ausruhen. Kritisch will sie sich mit ihrer Integrationsarbeit auseinandersetzen: „Wir wollen intern einen Integrationsdialog starten, um zu sehen, wie weit wir mit der Integration der Geflüchteten in Bassum sind.“

Die Stadtverwaltung will spätestens im Januar mit Vertretern der Schulen, Kitas, Betreuungseinrichtungen und dem Mütter-Kind-Zentrum Bassum in Kontakt treten. Auch einen interkommunalen Austausch mit der Stadt Syke kann sich der Bassumer Bürgermeister vorstellen.

Das Ziel soll ein Handlungskonzept sein, nach dem Kinder mit Migrationshintergrund in die deutsche Gesellschaft integriert werden sollen. „Dabei können wir unter anderem auf unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen und daraus ein Konzept entwickeln. Der Lernprozess, der mit der Integration einhergeht, hat kein Ende. Deshalb wollen wir, dass sich die Kinder früh wohlfühlen und sich mit unserer Unterstützung entwickeln können“, so Flüchtlingssozialarbeiter Mokom.

Porsch ergänzt: „Integration ist kein Schalter, den man einfach umlegen kann.“

Herausforderungen bei Unterkunftssituation

Herausforderungen könnte die Unterkunftssituation bereiten, sollte zeitgleich eine große Zahl an Flüchtlingen nach Bassum kommen. „Es besteht Bedarf und wir sind auf der Suche nach Wohnungen“, sagt Lyko. Wo die Geflüchteten nach der Ankunft in Bassum leben, sei nur eine Übergangslösung. Porsch: „Der nächste Schritt, den die Menschen anstreben, ist die Eigenständigkeit.“

Auf die Frage, ob Bassum genug in Sachen Integration tue, entgegnet der Verwaltungschef: „Mehr kann man natürlich immer machen. Wir bieten verschiedene Projekte zur Integration an. Es liegt an den Menschen, die Angebote wahrzunehmen, sie müssen es von sich aus auch wollen.“ Dass Integration der Stadtverwaltung am Herzen liegt, zeige ihr Vorgehen, meint Norbert Lyko: „Wir wollen uns kritisch mit unserer Arbeit beschäftigen, um besser zu werden und gegenseitig zu profitieren.“

Hintergrund

die Bürgerinitiative „Willkommen in Bassum“ (WiB) hat bereits Stellung bezogen: www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/bassum-ort51127/fluechtlingsarbeit-buergerinitiative-willkommen-in-bassum-inaktiv-91119979.html

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