Bassumer SPD-Ratsherr sorgt sich: Im Naturschutzgebiet Klosterbachtal breitet sich das Indische Springkraut aus

Invasion der Neophyten

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Manfred Tinnemeyer sieht rosa: Auf einer Fläche hinter dem Naturbad breitet sich das Springkraut aus.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Manfred Tinnemeyer fährt viel mit seinem Roller durch die Landschaft, und in letzter Zeit sieht er häufig nur noch rosa. Vor allem an Seitenrändern und in Gräben. „Ganz besonders schlimm ist es im Klosterbachtal, hinter dem Freibad“, sagt der SPD-Ratsherr. Er meint das Indische Springkraut, auch Drüsiges Springkraut genannt. Es vermehrt sich seiner Meinung nach invasiv.

Im Stifts-Park Bassum habe sich die Anzahl der Pflanzen in den vergangenen Jahren mehr als verdreifacht, ist Tinnemeyer überzeugt. Das bereitet ihm Sorge.

„Das Springkraut sieht zwar hübsch aus, ist für heimische Insekten aber kaum interessant. Ich habe einen befreundeten Imker gefragt“, erzählt Tinnemeyer. Da würden nur ganz wenige Arten rangehen. „Außerdem verdrängt das Kraut heimische Pflanzen.“

Der Name komme nicht von ungefähr, weiß der Bassumer und führt vor, was Kinder häufig in Begeisterung versetzt: Bei der kleinsten Berührung springen die Samen mehrere Meter weit. „So kann es sich explosionsartig vermehren“, sagt Tinnemeyer. Am Jägerstieg in Bassum habe das Kraut bereits die Schilfgewächse verdrängt. – Eine Pflanze produziere etwa 1600 bis 4300 Samen.

Auch Anni Wöhler-Pajenkamp vom Naturschutzbund beobachtet die Ausbreitung des Indischen Springkrauts mit Sorge, und das seit Jahren. „Vor allem an Bachläufen und Waldrändern kommt es häufig vor. Mittlerweile blüht es sogar direkt vor meiner Haustür an der Bramstedter Beeke“, sagt Wöhler-Pajenkamp. Gelegentlich steige in ihr die Wut hoch. Dann rupft sie es büschelweise aus, wohlwissend, dass das nichts bringt.

„Die Bekämpfung ist schwierig. Man muss vor der Blütezeit beginnen und systematisch vorgehen. An Bachläufen ist es am besten, an der Quelle anzufangen und sich dann vorzuarbeiten“, sagt Pajenkamp.

Vor zwei Jahren gab es Maßnahmen an der Hache in Syke, erinnert sie sich. Im Zuge der Baumaßnahmen der Erdgasleitung. Mittlerweile sei die Fläche wieder zugewachsen – mit Springkraut.

„Einmalige Aktionen sind Augenwischerei. Die bringen überhaupt nichts“, bestätigt Eckhard Markus vom Landkreis Diepholz, Fachbereich Naturschutz. Die Behörden seien machtlos. Man habe weder die Zeit noch das Geld, das Kraut intensiv zu bekämpfen. Helfen würde einzig intensive, regelmäßige Maht. „Wer soll das machen?“, so Markus. „Im Grunde stehen wir dem hilflos gegenüber.“

Er könne nur an Gartenbesitzer appellieren, Sprösslinge sofort zu entfernen und nicht über den Kompost zu entsorgen, sondern sie zu vernichten.

An Bachläufen sorgen die Unterhaltungsverbände, beispielsweise der Ochtumverband dafür, dass zumindest einmal im Jahr gemäht wird. Da das allerdings meistens im Herbst passiert, werde das Problem nicht behoben.

„Unsere Aufgabe ist es, den Wasserablauf sicherzustellen. Diesen behindern die Pflanzen nicht“, sagt Werner Deeken, Verbandstechniker beim Ochtumverband. Wohl aber kennt er die negativen Folgen des ungehemmten Wachstums. „Die Pflanzen ersticken die Grasnarbe“, sagt Deeken. Diese schütze aber den Boden vor Erosion.

Das Springkraut sei nicht die einzige Pflanze, die sich invasiv vermehre. Deeken hat Erfahrung mit solchen Neophyten. So werden Pflanzen bezeichnet, die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie zuvor nicht heimisch waren. „Probleme bereiten unter anderem auch der Japanische Knöterich und der giftige Riesen-Bärenklau, oder Herkulesstaude genannt.“ Einige Städte und Kommunen in der Region hätten diesen Pflanzen den Kampf angesagt, unter anderem Delmenhorst und Ganderkesee, weiß Deeken.

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