Bassumer Oberschule hält zwei Sprachlernklassen vor

„Das sind tolle Kinder“

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Paula Rumpel bringt den Schülern der Sprachlernklasse Deutsch bei. 

Bassum - Von Frauke Albrecht. Das Wort Rohschinken kommt David nicht so leicht über die Lippen. „Schweres Wort“, weiß auch Paula Rumpel. „Was ist Rohschinken, wer weiß das?“, fragt die Deutschlehrerin in die Runde. Ihre Schüler blicken sie mit großen Augen fragend an. „Vom Huhn?“, fragt einer. „Nein!“ Rumpel lacht. „Vom Schwein“, sagt sie, dreht sich um und zeigt mit der Hand auf den Po. „Und was ist Bratwurst? Kennt ihr Bratwürste?“

An diesem Morgen stehen Lebensmittel auf dem Stundenplan der Sprachlernklasse der Bassumer Oberschule. 18 Schülerinnen und Schüler sind anwesend. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie alle eint, dass sie neu sind in Deutschland und ihre Heimatländer verlassen haben. Viele kommen aus Syrien, andere aus Eritrea, Guatemala, Iran, Russland und Montenegro. Sie sind zwischen 11 und 15 Jahre alt.

„Sie sind heute etwas schüchtern. Normalerweise ist es nicht so ruhig in der Klasse“, verrät Paula Rumpel. „Das muss wohl am Besuch liegen.“ Fatima ist neu in der Klasse. Die 15-jährige Syrerin lächelt scheu. Was sie versteht und was nicht, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Seit Juni des vergangenen Jahres gibt es an der Bassumer Oberschule eine Sprachlernklasse. Schulleiter Cord Mysegaes erzählt: „Wir sind damals eine Kooperation mit der GTS Syke eingegangen. Wir hatten uns bessere Chancen erhofft, eine Klasse genehmigt zu bekommen.“ Mittlerweile gibt es zwei Klassen. Da die Schule, was den Sprachunterricht angeht, personell an ihre Kapazitäten stößt, erhält sie Unterstützung von der Vita-Akademie aus Wittmund.

Vorrangiges Ziel ist es, den Jugendlichen so schnell wie möglich, die deutsche Sprache beizubringen. „Nicht immer ganz einfach“, weiß Lehrerin Paula Rumpel. Die Jugendlichen seien zwar extrem motiviert, hätten aber einen unterschiedlichen Wissensstand.

So gibt es nicht selten auch Schüler, die in ihrer eigenen Muttersprache nicht ausreichend alphabetisiert sind. Die hätten es sehr schwer, mitzukommen. Wiederum andere haben in ihrer Heimat sehr gute Schulen besucht, sprechen perfekt Englisch. „Diese Jugendlichen können wir in der Regel sehr schnell in den normalen Schulalltag integrieren“, erzählt die Lehrerin.

Montags bis donnerstags sind die Jugendlichen in der Sprachlernklasse untergebracht, freitags nehmen sie in ihrer Stammklasse am Unterricht teil. Sie sollen schließlich so schnell wie möglich integriert werden. Am fachbezogenen Unterricht können die Schüler teilnehmen, wenn die Lehrkräfte meinen, dass sie mitkommen. Die Überprüfung des Leistungsstandes erfolgt individuell. Das setzt ein hohes Maß an Flexibilität voraus.

An diesem Tag stehen vier Stunden Deutsch und zwei Stunden Verfügung auf dem Stundenplan. Letztere unterrichtet Sozialpädagogin Erika Stötzel mit. Sie möchte den Schülern auf spielerische Art Regeln beibringen und bei der Gruppenbildung helfen.

Doch zuvor prüft Paula Rumpel, was in den vergangenen Tagen hängen geblieben ist. Sie fragt Uhrzeit, Herkunft und Alter ab, auch das Wetter ist Thema und die Aktivitäten am Wochenende.

„Wir waren letzte Woche zusammen im Supermarkt“, berichtet die Deutschlehrerin. „Nächste Woche wollen wir zusammen kochen. Darauf freuen sich die Schüler schon besonders.“

Sie müssten sich nur noch darauf einigen, was gekocht werden soll. Jeder hat sein eigenes Lieblingsgericht und die unterscheiden sich doch stark voneinander. David beispielsweise möchte ein afrikanisches Gericht mit Spinat kochen. Doch Spinat kommt bei seinen Klassenkameraden nicht so gut an.

Bevor die Jugendlichen einen Lückentext ergänzen und einen Dialog aufschreiben – „Guten Morgen, Was darf es sein. Ich hätte gern ein Kilo Äpfel. Rote oder gelbe?“ – sehen sie einen Film über einen Einkauf auf dem Wochenmarkt. Danach sollen sie selbst einkaufen. Paula Rumpel hat Spielgeld mitgebracht. Jede Gruppe erhält eine andere Aufgabe. Drei Jungen erhalten 50 Euro und sollen für ein Frühstück einkaufen, eine andere Gruppe bekommt für ein Mittagessen lediglich 15 Euro. Da ist Kreativität gefragt.

Streit oder Stress untereinander gibt es zumindest an diesem Vormittag nicht. Auch Erika Stötzel lobt die Schüler: „Das sind so tolle Kinder. Sie sind engagiert und wollen unbedingt lernen. Es macht einfach nur Spaß. Wenn doch unsere anderen Schüler auch so viel Willen hätten.“

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