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Bassumer Medaille: Bühne für stille Helden

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Von: Anika Seebacher

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Für ihr Engagement in und für Bassum sowie die Ortschaften erhielten diese Ehrenamtlichen am Donnerstagabend die Bassumer Medaille.
Für ihr Engagement erhielten diese Ehrenamtlichen die Bassumer Medaille. © Seebacher

Die Stadt Bassum hat wieder Bassumer Medaillen für besondere Verdienste im Ehrenamt verliehen. Festredner Rahmi Tuncer wünscht sich mehr Aufklärungsarbeit, um Flüchtlinge für die freiwillige Arbeit zu gewinnen.

Bassum – Knapp die Hälfte der über 14-Jährigen engagiert sich laut einer Studie ehrenamtlich. Das Engagement ist vielfältig und reicht vom Bereich Soziales über Kultur und Politik bis hin zu Sportvereinen und Nachbarschaftshilfe. Auch in Bassum sorgen Ehrenamtliche dafür, die Stadt menschlicher und lebenswerter zu machen. Am Donnerstagabend überreichten Bürgermeister Christian Porsch und seine Stellvertreter fünf Bassumer Medaillen und zollten damit dem Ehrenamt ihren Respekt. Die Auswahl der Geehrten, die stellvertretend für alle anderen Engagierten ausgezeichnet wurden, hatte die Verwaltung aus einer langen Liste von Vorschlägen getroffen.

„Das Gemeinwesen lebt von Bürgern, die anpacken“, sagte Porsch in der voll besetzten Kulturbühne. Doch nicht nur die Gesellschaft profitiere von der Arbeit der Freiwilligen, „die sich gemäß ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten einsetzen“. Den Ehrenamtlichen selbst bereiteten ihre Projekte Freude und verliehen einen Lebenssinn, so Porsch. „Ehrenamt findet oft im Stillen statt. Auch wenn es so dargestellt wird, dieser Einsatz ist nicht selbstverständlich“, unterstrich der Verwaltungschef.

Neben der glänzenden Medaille gab es Blumen, Gutscheine und Regenschirme als Präsente für die Geehrten.
Neben der glänzenden Medaille gab es Blumen, Gutscheine und Regenschirme als Präsente für die Geehrten. © Seebacher, Anika

Medaille für Werner Prendel

Dass Ehrenamtliche ungern im Vordergrund stehen, merkte Bärbel Ehrich. Sie rief Werner Prendel zu sich auf die Bühne und berichtete von seinem Engagement mit der Kamera. „Mit deinen Kalendern hast du den Bassumern stets Erinnerungen aus der Heimat geschenkt“, so Ehrich. Sie erinnerte auch an Prendels Arbeit im Archiv des Stifts und hofft, „dass du uns im städtischen Archiv ebenso lange erhalten bleibst“. Dort unterstützt der Bassumer das Team inzwischen seit zehn Jahren.

Medaille für Jochen Meyer

Ebenfalls zu diesem Team, das im „Gedächtnis der Stadt“ arbeitet, gehört Jochen Meyer. Er kennt sich mit der Geschichte seiner Heimat bestens aus. Lange Jahre war er Archivleiter und engagiert sich dort bis heute. Er habe „einen wesentlichen Anteil am Auf- und Ausbau des Archivs und ist somit eine wesentliche Säule der Einrichtung“, stellte Bürgermeister Porsch den Geehrten vor. Viele Tausend Artikel der örtlichen Zeitungen habe Meyer aufgenommen und finde in den mehr als 16 000 Einträgen stets das Gesuchte. Der Bestand von anfangs 4000 Bilder sei mittlerweile auf gut 20 000 gestiegen, so Porsch. „Wir hoffen, dass Sie noch lange dabei sind“, lautete der Wunsch des Bürgermeisters, als er dem 82-Jährigen die Bassumer Medaille und einen Regenschirm mit Motiven der Lindenstadt überreichte.

Medaille für Holger Rullhusen

Gleiches ging auch an Holger Rullhusen aus Neubruchhausen. Er habe dort 2011 seine neue Heimat gefunden, wusste Dr. Jürgen Falck in der Laudatio zu berichten. Nachdem Rullhusen sich schnell dem Heimatverein, speziell der Chronikgruppe, angeschlossen hatte, sei seine Leidenschaft für die heimatliche Archivarbeit entfacht. Seine Lebensaufgabe habe Rullhusen aber schließlich mit dem neu gegründeten Mühlenverein und dem Erwerb des historischen Denkmals gefunden. Die Bassumer Medaille nahm er als Vorsitzender entgegen, doch machte Holger Rullhusen auch deutlich, dass weitere tatkräftige Personen an den Verdiensten um die Restaurierung der Wassermühle in Neubruchhausen mitwirken. „Eine großartige gemeinschaftliche Leistung“, unterstrich Falck.

Medaille für Schülergruppe der OBS

Stellvertretend für ihre Mitschüler sowie Geschichtslehrer Alexander Kandt nahmen drei Schülerinnen aus der Klasse 10a der OBS Bassum ebenfalls eine Medaille entgegen. Diese erhielten sie für ein Projekt, bei dem sie sich ein Jahr lang mit den Geschehnissen des 10. April 1945 auseinandersetzten. Entstanden ist eine Gedenk- und Erinnerungstafel, die am Soldatenfriedhof in Kastendiek Informationen zu den Schicksalen der damals getöteten Soldaten liefert. „Eine würdevolle Erinnerung“, lobte Cathleen Schorling und überreichte neben der Bassumer Medaille einen Gutschein der Eisdiele.

Medaille für Reparatur Café

Einen Gutschein vom Baumarkt erhielten die Vertreter des Reparatur Cafés Bassum. „Sie bieten die Möglichkeit, die Lebensdauer von Gegenständen zu verlängern“, beschrieb Christian Porsch deren Tätigkeiten. Wenn sie an jedem vierten Samstag im Monat im Jugendhaus Fönix ihre Werkstatt öffnen, leisten die Mitglieder Porsch zufolge nicht nur technische Hilfestellung, sondern auch „wichtige soziale Arbeit“, indem sie liebgewonnen Dingen wieder Leben einhauchen oder Hilfe zur Selbsthilfe geben.

Festredner Rahmi Tuncer, Integrations- und Migrationsberater sowie Vorsitzender von Pro Asyl im Landkreis Diepholz, nutzte die Chance, um über das Ehrenamt und Migration zu sprechen. Zwar habe die Stadt „viel Positives für die Migranten getan“, die seit Jahren in Bassum eine neue Heimat finden. Doch im Ehrenamt sei diese Personengruppe nur selten zu finden, wusste Tuncer. Einen Grund dafür sieht er darin, dass Ehrenamtliche häufig ein höheres Bildungsniveau hätten und sich selten Sorgen um ihre finanzielle Zukunft machen müssten. Zudem mangele es an Wissen über die Herkunftsländer. „Man muss die länderspezifischen Besonderheiten kennen“, erklärte Tuncer und verdeutlichte dies am Beispiel der Freiwilligen Feuerwehren, die es in vielen Herkunftsländern der Migranten nicht gebe. „Es müssen dringend Versuche unternommen werden, Ausländer als gleichberechtigte Partner im Ehrenamt zu gewinnen“, forderte Tuncer eine intensivere Aufklärungsarbeit. „Zeigen Sie Wege auf, wie und warum man sich engagieren sollte.“ Eine Chance, die er für Migranten im freiwilligen Engagement vor Ort sieht: „Man lernt nicht nur die deutsche Sprache, sondern kann sich auch besser mit seiner neuen Heimat identifizieren.“

Für den passenden musikalischen Rahmen der Feierstunde hatten die Organisatoren Sara Johnson Huidobro und Dorin Predescu von der Musikschule Bassum eingeladen. Die Musiker boten als Duett mit Klavier und Querflöte klassische Stücke wie Georg Friedrich Händels Largo Allegro dar. Zum Abschluss ergaben sich bei einem Imbiss Möglichkeiten zum Netzwerken.

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