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Kitas in Bassum: Soziale Infrastruktur muss sich anpassen

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Von: Anika Seebacher

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Aktuell sieht es in den Kitas in Bassum und umzu gut aus. Kind läuft über Flur
Aktuell sieht es in den Kitas in Bassum und umzu gut aus. Doch bei steigenden Kinderzahlen könnte es in einigen Jahren eng werden. © Symbolbild: Sebastian Kahnert/dpa

Im Krippen- und im Kita-Bereich erfüllt Bassum die Betreuungsquoten des Landes Niedersachsen – und liegt sogar deutlich darüber. Insbesondere, sobald die Bau- und Erweiterungsmaßnahmen an den Einrichtungen fertiggestellt sind. Insgesamt umfasse das Angebot dann 145 Plätze im U3-Bereich und weitere 551 Plätze für die älteren Kinder. „Es tut sich noch etwas“, verkündete Julia Niemann als Fachbereichsleiterin bei der Präsentation der mittelfristigen Kita-Belegung im Ausschuss für Soziales und Familie.

Gemeint waren der bezugsfertige Neubau des Kinderreichs, die Eröffnung der Krippe in Bramstedt im August, die Erweiterung der Kita Arche Noah in Nordwohlde bis 2023 sowie eine Aufstockung um eine Gruppe im Lukas-Kindergarten. „Es sieht anhand der Quoten so aus, als gebe es keinen Handlungsbedarf“, sagte Niemann. Dennoch gelte es, die Entwicklung im Auge zu behalten. Insbesondere in Neubruchhausen müsse man über Optimierungsmöglichkeiten nachdenken.

Ein bedeutender Faktor bei der künftigen Auslastung der Einrichtungen ist die Ausweisung von Baugebieten. „Wenn wir bauen, müssen wir auch entsprechende soziale Einrichtungen bieten“, so Niemann. Anhand einer Formel hatte sie die Zahl potenzieller Kinder berechnet, die mit Abschluss der neuen Baugebiete hinzukommen. „Diese Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen. Natürlich ist das rein rechnerisch“, kommentierte sie. Anhand der Berechnungen sowie unter Berücksichtigung der aktuellen Anmeldungen sowie Wartelistenplätze wurde allerdings deutlich, dass sich mit dem zu erwartenden Bevölkerungszuwachs in Bassum die Betreuungsquoten deutlich verändern.

Gemeindefremde und Flexi-Kinder

Doch wie kommt es zu Wartelistenplätzen, wenn es eine rechnerische Überversorgung gibt? Dazu verwies Niemann auf „gemeindefremde Kinder“ und „Flexikinder“, deren Schulbesuch noch um ein Jahr hinausgezögert wird, die ebenfalls betreut werden. „Das ist nur eine Handvoll, aber wir haben sie“, erläuterte die Verwaltungsmitarbeiterin.

„Es gibt viele Tagesmütter, die diesen Bedarf abdecken“, beruhigte Niemann zur veränderten Betreuungsquote in den kommenden Jahren. Die rund 20 Tagespflegestellen bieten 66 Plätze. Hinzu käme die Erweiterung beim Lukas-Kindergarten. Auch durch eine Umorganisation und neue Gruppenverteilung lässt sich die Situation Niemann zufolge noch auffangen. Allerdings gebe es insbesondere in Bramstedt und Neubruchhausen Gesprächsbedarf.

Aktuell keine Tagesmütter in Bramstedt

In Bramstedt steigt die Zahl aufgrund des Neubaugebiets Dorfstraße III rein rechnerisch um neun Kinder. „Dort gibt es aber keine Tagesmütter“, wusste Niemann.

In Neubruchhausen kommen zwar zunächst nur drei Kinder durch das Neubaugebiet Am Jakobsberg hinzu. Allerdings soll es laut der Verwaltung in einigen Jahren eine weitere Ausweisung geben. „Wir müssen schauen, inwieweit wir die sozialen Einrichtungen stärken können“, lautet der Plan, den die Fachbereichsleiterin den Ausschussmitgliedern präsentierte. Man denke intern über Gruppenausweitungen sowie eine Optimierung beim Platzbedarf nach.

Den Vorschlag von Neubruchhausens Ortsvorsteher Werner Wisloh (Bürger Block), die leer stehende Sparkassen-Filiale im Ort für den Kindergarten zu nutzen, nahm die Verwaltung dankend auf. Man werde darüber ebenso nachdenken wie über Räume in der Alten Oberförsterei. „Es gibt allerdings gesetzliche Vorgaben für Kita-Räume“, bemerkte Niemann.

Kinderreich als Auffangbecken

In Nordwohlde gebe es indes keinen Handlungsbedarf, auch wenn das Baugebiet dort gerade fertiggestellt ist. Es gebe mit der Kita-Erweiterung eine weitere Gruppe. „Werden wir nächstes Jahr konkrete Probleme bekommen oder können die Tagesmütter wirklich noch die Bedarfe decken?“, wollte Henning Meyer (CDU) wissen. Nicht jeder bekomme seinen Wunschplatz. Deshalb müsse man sehen, „wie wir die Kinder aufgeteilt und untergebracht bekommen“, sagte Niemann. „Den Kindergarten Kinderreich können wir zunächst als Auffangbecken nutzen“, ergänzte sie hinsichtlich freier Kapazitäten.

Anregung: Kurse für neue Tagesmütter

Weiterhin müsse man im Blick behalten, dass es nicht in allen Ortschaften Tagesmütter gebe. Besonders in Bramstedt tue sich eine Lücke auf. Im Ausschuss gab es daraufhin die Anregung, neue Tagesmütter hinzuzugewinnen und Schulungen anzubieten. „Manchmal ist die Hemmschwelle ja doch sehr hoch, und die Personen trauen sich diese Aufgabe nicht zu“, wusste Dorit Schlemermeyer (SPD). Solche Kurse biete die Volkshochschule in Kooperation mit dem Landkreis regelmäßig an, erklärte Matthias Mondorf von der Verwaltung. Darüber hinaus müsse aktiver Werbung gemacht werden, um mehr Familien für die Tagespflege zu gewinnen. Schließlich habe Bassum den Anspruch auf das Prädikat „familienfreundliche Stadt“, erinnerte Norbert Lyko.

Weiterhin diskutierte der Ausschuss für Soziales und Familie am Dienstagabend über die Anpassung der Betreuungszeiten im Kinderreich und in Bramstedt, die Einstellung von zehn FSJlern sowie zwei Stellen in der dualisierten Ausbildung zum Erzieher. Die einstimmig genehmigte Beschlussvorlage wird nun in die Ratssitzung mitgenommen.

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