Bassumer Jugendhaus Fönix wieder offen

Freude nach Corona-Pause

Zumindest die Corona-Gesichter müssen jetzt keine Masken mehr tragen. Anders als Marcus Libbertz.
+
Zumindest die Corona-Gesichter müssen jetzt keine Masken mehr tragen. Anders als Marcus Libbertz.

Lange war das Jugendhaus Fönix in Bassum corona-bedingt geschlossen. Nun freuen sich alle über die Öffnung - und hoffen, dass es dabei bleibt.

Bassum – Musik wummert durch die Räume des Jugendhauses Fönix. Aus dem Hauptraum dringt fröhliches Lachen und Reden, im Ofen wartet eine Pizza. Zwei Jungen kommen herein. „Hallihallo“, begrüßt Andreas Storn die beiden. „Habt ihr schon eure Hände desinfiziert?“ Sein Kollege Marcus Libbertz betrachtet einen der Jungen verblüfft. „Was bist du groß geworden!“

Das Grinsen unter der Maske lässt sich erahnen, als der Junge gedehnt erwidert: „Jaaa... ein bisschen.“

Das Leben ist in das Jugendhaus zurückgekehrt, der Fönix hat sich quasi aus der Asche erhoben. Und alle freuen sich. Sowohl die beiden Mitarbeiter als auch die Jugendlichen. „Einige waren schon eine halbe Stunde vor der eigentlichen Öffnung da und warteten vor der Tür“, berichtet Libbertz.

Ein Stück Normalität kehrt zurück

„Vor der Schließung war ich jeden Tag hier“, berichtet der zwölfjährige Niclas. „Ich freue mich sehr, dass es wieder geöffnet hat, denn jetzt können wir wieder Basketball oder Playstation spielen. Außerdem gefallen mir die neugestalteten Räume sehr gut. Das Haus ist richtig schön geworden.“ Sein Freund Jean (13) schließt sich an. Ihm hat vor allem der Kicker im Fönix gefehlt. Hin und wieder hat der Fußballfan mit Libbertz auch während der Schließung ein wenig Ball gespielt, um in Form zu bleiben. Denn sein Training fällt in der Pandemie flach.

Auch die zwölfjährige Joana findet deutliche Worte: „Als ich gelesen habe, dass das Jugendhaus zumacht, war das schon sehr scheiße, weil ich sonst täglich hier bin, um Freunde zu treffen, mit ihnen zu chillen und Musik zu hören. Umso mehr habe ich mich gefreut, als es wieder aufgemacht hat. Es ist schön hier im Jugendhaus und es hat eine gute Bewertung verdient.“

Mit dem Fönix kommt wieder ein Stück Normalität in den Alltag der Jugendlichen, in dem fast nichts mehr läuft wie früher. Homeschooling, so Niclas, sei „teils cool“, weil man nicht in die Schule müsse, aber auch „scheiße“, weil das mit dem Lernen nicht richtig klappe. Jean nickt. „Man lernt im Homeschooling nicht soviel wie in der Schule.“

Viele Jugendliche leiden

Joana findet es doof, immer nur eine Freundin oder einen Freund treffen zu können. Vor einem Jahr ist sie an der Oberschule Bassum eingeschult worden – und kennt ihre Mitschüler und Lehrer im Grunde nur mit Masken. Niclas äußert einen bescheidenen Wunsch: „Wenn nur für einen Tag mal dieses Corona weg wäre! Dann könnte man wohin reisen oder mal ins Freibad.“

Libbertz kennt solche Äußerungen von seinen Schützlingen, mit denen er und Storn auch während des Lockdowns per Telefon oder Video-Chat in Kontakt standen. Er weiß, wie sehr einige leiden. „Manche haben Probleme, morgens aufzustehen. Sie können die Lethargie kaum abschütteln.“

Darum wollen er und Stron in den kommenden Tagen versuchen, die Jugendlichen etwas aufzubauen und Farbe in ihren Alltag zu bringen. „Wir hören erstmal zu, wie es ihnen so ergangen ist. Dann fragen wir, was sie sich wünschen und versuchen, entsprechende Angebote zu machen. Die offene Arbeit ist ja immer eine Wundertüte, wo man nie weiß, was kommt.“ Libbertz lacht und Storn fügt hinzu: „Ich habe die Idee, draußen eine Liegegelegenheit aus Paletten zu bauen. Mal schauen, ob die Jugendlichen mitmachen.“

Aktion „Corona-Gesichter“

Die beiden blicken an die Wand neben dem Eingang. Dort hängen 42 bunt gestaltete Leinwände, die verschiedene Gesichter zeigen. Alle tragen Masken. Sie sind das Ergebnis der Kunstaktion „Corona-Gesichter“, die das Fönix angeboten hat. Die Teilnehmer sollten anhand der Bilder darstellen, was man mit einer Maske gut machen kann, und was nicht funktioniert (wir berichteten). „Sie sind sehr unterschiedlich geworden“, freut sich Libbertz. „Unter hinter jeder Maske steckt ein Mensch mit einer Geschichte, der durch diesen Lockdown durchmusste.“

Durch diese Aktion wollten er und Storn die Jugendlichen motivieren, sich kreativ mit dem auseinanderzusetzen, was den Alltag am meisten geprägt hat: die Maske. Wenn das Fönix wieder öffnet, sollten sie heruntergenommen werden. Und genau das tun Libbertz und Storn jetzt. Mit wenigen Handgriffen befreien sie die teilweise sehr sorgfältig und liebevoll gestalteten Bilder. Eine fast symbolische Handlung, verbunden mit der Hoffnung, dass das Fönix nicht wieder schließen muss.

Ihren Teil dazu tragen sie mit einem Abstands- und Hygienekonzept bei. So dürfen sich beispielsweise immer nur acht Personen im Fönix aufhalten. Aber man gewinnt den Eindruck, die Jugendlichen haben all diese Regeln schon verinnerlicht und müssen nicht mehr daran erinnert werden. „Marcus?“, spricht ein Mädchen Libbertz an, das eben hereingekommen ist. „Wo sollen ich und meine Freundin uns eintragen?“ „Das müsst ihr nicht“, erwidert Libbertz. „Das machen wir.“

Das Jugendhaus hat wieder geöffnet. Von 14 bis 19 Uhr sind Jugendliche im Fönix willkommen,

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Meistgelesene Artikel

Todesfall nach Corona-Impfung im Landkreis Diepholz – Zusammenhang unklar

Todesfall nach Corona-Impfung im Landkreis Diepholz – Zusammenhang unklar

Todesfall nach Corona-Impfung im Landkreis Diepholz – Zusammenhang unklar
Ikea-Besuch: Warum der Möbelhaus-Horror im Lockdown plötzlich schön ist

Ikea-Besuch: Warum der Möbelhaus-Horror im Lockdown plötzlich schön ist

Ikea-Besuch: Warum der Möbelhaus-Horror im Lockdown plötzlich schön ist
Fahrrad-Stau im Diepholzer Fundbüro

Fahrrad-Stau im Diepholzer Fundbüro

Fahrrad-Stau im Diepholzer Fundbüro
Familienfehde in Diepholz eskaliert: Großer Polizeieinsatz

Familienfehde in Diepholz eskaliert: Großer Polizeieinsatz

Familienfehde in Diepholz eskaliert: Großer Polizeieinsatz

Kommentare