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Bassumer Hilfstransport an polnisch-ukrainischer Grenze angekommen

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Von: Marcel Prigge

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Die Freiwilligen mit einer Niedersachsenflagge, einen  Lkw und einen Transporter.
Vor der Abfahrt in Deutschland: Die Freiwilligen konnten einen Lkw und einen Transporter samt Anhänger mit Spenden beladen. © Christian Krüger

Sie haben einiges gesehen und vielen Menschen geholfen: Sechs Freiwillige sind gemeinsam mit Christian Krüger aus Bassum an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren, um Spenden an Flüchtlingscamps zu verteilen. Der Student berichtet von seinen Erfahrungen und erzählt: „Die Lage vor Ort ist absolut katastrophal.“

Bassum – „Wir haben eine Menge Unterstützung erhalten, aber auch viel Schreckliches gesehen“, erzählt Christian Krüger aus Bassum. Der Student richtete gemeinsam mit einer Firma aus Ganderkesee einen Hilfskonvoi ein, um geflüchteten Ukrainern in der Grenzregion zu Polen zu helfen (wir berichteten). Am vergangenen Freitag sind die Freiwilligen losgefahren – und es wird nicht ihre letzte Tour gewesen sein.

„Nach dem Zeitungsaufruf haben sich viele Leute gemeldet und Sachspenden zur Verfügung gestellt“, bedankt sich der 23-Jährige. „Es sind unfassbar viele gute Sachen angekommen.“ Er habe mit 25 Freiwilligen Mittwoch- und Donnerstagnacht die Kisten mit Hilfsgütern durchsortiert und gepackt. Insgesamt kamen so ein 15-Tonnen-Lkw und ein Transporter mit Anhänger voller Spenden zusammen. Die Hilfsbereitschaft sei so groß gewesen, dass die restlichen Kartons bei Bekannten in einer Scheune unterkommen mussten.

Mehrere Kisten und Kartons mit Spenden vor einer Scheune.
Enorme Hilfsbereitschaft: In einer Scheune mussten die Spenden unterkommen. © Christian Krüger

„Leider wurde auch viel Mist gespendet“, bilanziert der Student. „Der Win-Win-Effekt ist ein Problem. Die Menschen misten ihren Schrank aus und denken, sie tun etwas Gutes. Dabei kommt aber auch viel Müll bei rum.“ Unter anderem habe er deshalb eine halbe Tube eines Haarausfallmittels und Hämorrhoidencreme entsorgen müssen.

16 Stunden Fahrt bis zur ukrainischen Grenze

Am vergangenen Freitag fuhr der Hilfskonvoi los. 16 Stunden sind sechs Freiwillige und eine Dolmetscherin am Stück unterwegs gewesen. Das Ziel war die polnische Stadt Chelm, die sich nur wenige Kilometer von der ukrainischen Grenze befindet, an der ein neues Auffanglager für Geflüchtete entsteht. „Aufgrund des guten Kontaktes zu den Organisatoren vor Ort, konnten wir ein neues Flüchtlingslager – in diesem Falle war es ein Rathaus – mit Betten beliefern“, so Krüger.

Erst vier Stunden vorher wurde den Beteiligten durch die Kontaktperson Bescheid gegeben, wo es genau hingeht. „Das sind ganz neue Verteilerzentren. Die Flüchtlinge sind gerade dann angekommen, als wir mit dem Ausladen fertig waren. So sind die Spenden auf jeden Fall da angekommen, wo sie gebraucht wurden“, lobt er die Organisation.

Ein Lkw wird ausgepackt.
Beim Auspacken der Hilfsgüter in Polen haben alle Freiwilligen mit angepackt. © Christian Krüger

Das Abladen der Güter vor dem Rathaus sei noch in Ordnung gewesen und im Konferenzsaal hätten sogar alle Beteiligten noch etwas zu essen bekommen, erzählt der Student. Anschließend fuhren die Freiwilligen aber in ein etabliertes Camp in einer großen Sporthalle, um die restlichen Spenden abzuliefern. „Im Flüchtlingslager wurde es dann wirklich schwierig für uns alle. Die Lage vor Ort ist absolut katastrophal.“ Ein Bus nach dem anderen sei angerollt – gefüllt mit ukrainischen Geflüchteten. „Viele kleine Kinder ohne Familie. Viele weinende Frauen und Menschen, die leer in die Ferne gestarrt haben“, blickt Krüger zurück. „Es war absolut surreal. Wir haben so viel Leid gesehen.“

Ebenfalls organisiert über die Kontaktpersonen an der ukrainischen Grenze haben die Helfer auf dem Rückweg nach Deutschland eine Frau mit ihren beiden Kindern mitgenommen. „Auf der Fahrt zurück wurde wenig gesprochen“, berichtet er. Die Situation habe alle Helfenden hart getroffen. „Die Familie hat auf dem Rücksitz geschlafen. Sie haben sich sicher gefühlt.“ Mittlerweile sind sie bei einer Familie in Weyhe untergekommen.

Die Frage ist nicht, ob wir fahren, sondern wann.

Christian Krüger

Auch wenn die Hilfstour an den Nerven der Beteiligten gezerrt habe, sind weitere Touren geplant. „Die Frage ist nicht, ob wir fahren, sondern wann“, sagt Krüger. Den Menschen müsse dringend geholfen werden, aber die Art der Spenden sei entscheidend. Besonders gebraucht werden seiner Erfahrung nach warme Decken, Medikamente, Essen mit langer Haltbarkeit sowie medizinische Produkte.

Für die kommende Tour werde der Student drei Paletten von den Hilfsgütern mitnehmen, die bereits eingegangen seien. Der Rest sei für die Menschen vor Ort gerade nicht brauchbar, weshalb sie an die ukrainischen Flüchtlinge verteilt werden sollen, die bereits in Deutschland angekommen sind.

Auch bei den Fahrzeugen werde noch einmal aufgestockt; bis zu zwei Lkw und neun Transporter sollen am Freitag Richtung Grenzregion fahren. „Dieses Mal wollen wir mehr Menschen mit nach Deutschland holen können“, so Krüger. „Gerade die Zahl der Transporter ist unklar und wir würden uns freuen, wenn uns noch welche zur Verfügung gestellt werden. Wir schauen mal, wie wir das hinkriegen.“

Informationen

Alle, die helfen, Spenden oder ihre Fahrzeuge zur Verfügung stellen wollen, können per E-Mail an hilfderukraine@web.de mit Christian Krüger Kontakt aufnehmen.

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