Kritik am Bassumer Friedhof

Ausschuss bittet um mehr Verständnis

Waltraud Israel und Georg Vogt vor der Anlage für Baumbestattungen. Ein völlig neues Angebot auf dem Bassumer Friedhof.
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Waltraud Israel und Georg Vogt vor der Anlage für Baumbestattungen. Ein völlig neues Angebot auf dem Bassumer Friedhof.

Immer wieder beschweren sich Bassumer über den Friedhof. Der ist ihnen zu ungepflegt. Der zuständige Ausschuss wirbt um mehr Verständnis.

Bassum – Sonnenschein, Regen, wieder Sonnenschein. Die Natur freut sich und zeigt das mit kräftigem Wachstum. Das wiederum freut nicht jeden. Besonders einige Besucher des Bassumer Friedhofs sind der Meinung, Mutter Natur müssten mal mehr ihre Grenzen aufgezeigt werden. „Oh Gott, wie sieht das denn hier aus! Was machen die Friedhofsleute nur den ganzen Tag?“

Das sind Sätze, die Georg Vogt und Waltraud Israel vom Friedhofsausschuss öfter hören.

Sie zeigen Verständnis für den Unmut – hoffen aber auch, welches zu bekommen. Denn wer meint, die Mitarbeiter hätten keine anderen Aufgaben als Wildkraut und Gras zu Leibe zu rücken, der irrt gewaltig.

„Wir haben zwei Friedhofsgärtner in Vollzeit und eine Teilzeitstundenkraft. Die kümmern sich auch um Beerdigungen, was relativ viel Arbeitszeit erfordert. Sie heben mit einem Bagger das Grab aus. Wenn die Maschine streikt, müssen sie das Grab mit der Schaufel ausheben.“ Danach muss das Grab noch hergerichtet werden. Das Ganze bindet zwei bis vier Stunden.

„Außerdem betreut ein Friedhofsgärtner die Beerdigungsfeier, beziehungsweise steht dem Pastor für die Dauer der Trauerfeierlichkeiten für etwa eine Stunde zur Verfügung. Am Ende schließt er noch das Grab. So geht ihm fast ein ganzer Tag verloren. In anderen Gemeinden macht das der Bestatter“, schildert Vogt.

5,2 Hektar sind zu betreuen

Auf dem Friedhof gibt es etwa 9500 Grabstellen auf 4277 Grabstätten auf einer Fläche von 5,2 Hektar. Die Friedhofsgärtner pflegen insgesamt 1937 davon. Hinzu kommen die Haupt- und Nebenwege sowie die Seitenstreifen. Aber auch Hecken, Bäume und Sträucher wollen immer mal wieder einen neuen Schnitt verpasst bekommen. „Die Hecke ist insgesamt 2,5 Kilometer lang. Und von März bis September dürfen die Gärtner da gar nichts machen, wegen der Brut- und Setzzeit“, weiß Israel. Nebenbei muss auch die Friedhofskapelle gepflegt werden, sowie die Abstellräume, der Lagerschuppen mit den Geräten und Maschinen, die Bänke und, und, und. „Unsere Gärtner möchten auch irgendwann mal Urlaub nehmen, werden krank oder können aufgrund schlechter Witterung im Außenbereich gar nicht tätig sein“, erinnert Israel.

Natürlich könnten für all diese Arbeiten auch externe Firmen angeheuert werden. Aber den Friedhof würde das in finanzielle Schieflage bringen. „Wir haben einen eigenen Haushalt und tragen uns selber. Wir bekommen keinen Euro Kirchensteuer“, so Israel und Vogt ergänzt: „Und wie überall steigen auch für uns die Personal- und Sachkosten. Gleichzeitig nehmen wir weniger Geld ein, weil es mehr Urnen- als Sargbestattungen gibt, bei denen weniger Fläche verbraucht wird.“ Neue Wahlgräber beispielsweise, die die Angehörigen für 30 Jahre kaufen, selber pflegen und noch verlängern können, werden immer seltener gewünscht.“

Arbeit im Ausschuss ist ehrenamtich

Und was ist mit den Mitgliedern des Friedhofausschusses? „In diesem Gremium zu sein, ist sehr arbeitsintensiv. Das kann man fast nur als Rentner machen“, erklärt Israel. „Wir treffen uns jeden Montag zu einer Arbeitsbesprechung mit den Mitarbeitern, wir stehen für Rückfragen und Beschwerden bereit, wir holen Angebote ein, kaufen neue Geräte, müssen uns darum kümmern, wenn Leute keine Grabpflegegebühr mehr überweisen, machen uns Gedanken über die Gestaltung der Anlage und schaffen neue Angebote für den Friedhof, weil sich die Bestattungskultur immer mehr wandelt. Ein Friedhof braucht ein Konzept und das kann man nicht von heute auf morgen umsetzen. Und all das machen wir zu fünft und ehrenamtlich.“

Israel und Vogt schauen sich auf dem kleinen Platz vor der Kapelle um. Den würden sie gern freundlicher machen. Der Brunnen soll verkleidet werden, andere Sitzgelegenheiten sollten her und Rosenbeete angelegt werden. Zudem würde sie gern den hinteren Bereich des Friedhofes parkähnlicher gestalten. „Ideen gibt es so viele“, sagt Israel und lacht. „Aber es ist eben immer eine Frage des Geldes.“

Neue Angebote auf dem Friedhof

Ein paar Meter weiter zeigen sie und Vogt ein neues Angebot des Friedhofes, um das sie sich gekümmert haben: Baumbestattungen. Um einen Baum bilden Steine zwei Kreise. „Im Inneren haben 12 Urnen platz, in dem äußeren 40. Es wird noch eine weitere Stelle geben, die ist dann für 20 Paare“, verrät Israel. Außerdem beschäftigen sich die Mitglieder mit der Frage, was mit den freien Flächen passieren soll, die immer mehr zutage treten, weil die Zeit der großen Familiengräber zu Ende geht.

Das Fazit könnte also lauten: Wer Verantwortung für solch einen großen Friedhof übernimmt, hat niemals Langeweile. „Darum würden wir uns sehr über ehrenamtliche Helfer freuen, die uns beizeiten unterstützen, gerade was die Pflege der Anlage angeht“, sagt Vogt. Schon jetzt gibt es Pläne für kleine Aktionen, die den Friedhof mehr ins Bewusstsein der Bassumer bringen sollen – und dadurch hoffentlich das Interesse wecken, sich dort einzubringen.

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