Endlich auf der Sonnenseite

Geschafft! Familie Zoto braucht keine staatliche Hilfe mehr

Ein Herz und eine Seele: (v.l. vorn) Jonida, Eliona, Viola, Rikardo, Roland und Isabela Zoto mit Jürgen Donner (dahinter stehend), der die Familie seit sieben Jahren unterstützt und fördert.
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Ein Herz und eine Seele: (v.l. vorn) Jonida, Eliona, Viola, Rikardo, Roland und Isabela Zoto mit Jürgen Donner (dahinter stehend), der die Familie seit sieben Jahren unterstützt und fördert.

Das Leben wirft manchmal lange Schatten, bevor es sich von der Sonnenseite zeigt. Das kennt die Familie Zoto, die ihre Heimat Albanien für eine ungewisse Zukunft in Deutschland verlassen hat, nur zu gut. Jetzt aber stehen Roland und Jonida Zoto mit ihren vier Kindern Eliona (14), Rikardo (10), Viola (6) und Isabel (2) auf der Sonnenseite.

Bassum – Unterstützung vom Staat brauchen die Zotos nicht mehr, weil Vater Roland (46) seit zwei Jahren im Unternehmen Hansa 7 in Syke einen Arbeitsplatz hat. Darüber freut sich einer ganz besonders: Jürgen Donner, der die Zotos in den vergangenen sieben Jahren nach Kräften unterstützt hat – und noch heute begleitet. Er ist zum Freund und Mentor der Zotos geworden. „Ich freue mich persönlich, dass die Familie die Gastfreundschaft in Deutschland so gut angenommen und weiter entwickelt hat“, sagt Jürgen Donner. Er weiß, dass es dabei Höhen und Tiefen gab.

Familie lebt ein Jahr im mobilen Wohncontainer am Rande des Bassumer Industriegebiets

Den Neuanfang ihrer Familie hat Eliona in akkurater Handschrift zu Papier gebracht: „Am 20. April 2014 sind wir zum ersten Mal nach Deutschland gekommen. Erst nach drei Monaten sind wir nach Bassum gezogen. Damals war ich acht Jahre alt.“

Einer der mobilen Wohncontainer am Rande des Industriegebiets wird ihr Zuhause. Noch heute gibt es das Areal, das wie eine verirrte Wagenburg wirkt mit seinem Schotterplatz und dem Abfall-Container in der Mitte. Manch ein Bürger fragt sich, ob das menschenwürdig ist.

Doch die Familie Zoto ist 2014 dankbar dafür, denn sie hat ganz andere Probleme zu meistern. „Am Anfang hatten wir eine schwierige Situation, weil wir nicht so gute Deutschkenntnisse hatten“, schreibt Eliona. Eigens für die Presse hat sie ihren Bericht verfasst, sozusagen ihre erste Pressemitteilung.

Tochter Eliona beginnt früh für die Eltern zu dolmetschen

Die 14-Jährige besucht den gymnasialen Zweig der Oberschule in Bassum und hat ehrgeizige berufliche Pläne: Richterin möchte sie werden, für Gerechtigkeit sorgen. „Da muss ich Jura studieren, und das ist ein bisschen schwer“, weiß Eliona, „wenn ich das nicht schaffe, dann werde ich Polizistin.“ Doch sie hat ja schon so viel geschafft seit dem Start in Bassum: „Mein Vater hatte mir damals einen Laptop gekauft, damit ich schneller Deutsch lerne und verstehe. Innerhalb von sechs Monaten hatte ich gute Deutschkenntnisse und konnte somit auch für meine Eltern übersetzen.“

Während andere Kinder spielen, begleitet sie ihre Eltern zu wichtigen Terminen, fungiert als Dolmetscherin – und bleibt zielstrebig: „In der Schule gebe ich immer mein Bestes, um meinen Durchschnitt zu verbessern.“

Sie erinnert sich noch gut an die quälenden Fragen von damals: „Wo geht es lang? Wie machen wir weiter? Dürfen wir überhaupt hierbleiben?“ Ein Jahr lebt die Familie im Mobilwohnheim, dann darf sie endlich in vier feste Wände ziehen – eine Zweizimmer-Wohnung.

In Albanien hatte die Familie kein Dach über dem Kopf

„Mein Vater hatte auch einen Minijob gefunden und arbeitete dort für fünf Jahre“, berichtet Eliona. „Vor zwei Jahren fand mein Vater eine andere Stelle und dort arbeitet er heute noch in Vollzeit.“

Das karge Leben in Albanien ist nur noch Erinnerung: Kein schützendes Dach über dem Kopf, „viel Stress“ und „Arbeit von morgens bis spät in die Nacht“. Hinzu kam große Angst: „Mein Bruder sollte entführt werden“, sagt Eliona.

Heute genießen die Zotos ein verlässliches Alltagsleben. Mutter Jonida (38) kümmert sich um den Haushalt und um die kleine Isabela (2), während Eliona und Rikardo in der Schule sind. Viola (6) lächelt wissend: Sie wird bald eingeschult und freut sich darauf. Erst vor Kurzem sind zwei neue Bewohner in die sonnige, 120 Quadratmeter große Wohnung eingezogen: zwei munter trällernde Kanarienvögel.

„Jetzt ist es gut“, sagt Vater Roland über sein jetziges Leben – auch wenn das Leben in Deutschland nicht immer leicht war. Zwei Autounfälle und Verletzungen gehören dazu. Einmal, so berichtet Roland, habe ihn ein Autofahrer auf dem Zebrastreifen übersehen und angefahren. Zwei Jahre später, bei einem Unfall mit zwei Autos, habe sich das Fahrzeug mit ihrem Mann und ihrem Sohn darin mehrfach überschlagen, fügt Jonida hinzu.

Familienvater träumt von einem kleinen Garten

Trotz allem: Der Familienvater genießt das Zuhause mit Frau und Kindern. Jonida Zoto ist zutiefst dankbar dafür, dass Fitore Ajeti ihnen diese schöne Wohnung vermietet hat – und überhaupt für die große Hilfe der Familie Prebreza. „Wir wollen eines Tages auch etwas Gutes machen“, sagt die 14-jährige Eliona. Die Zotos möchten die Hilfe, die sie erfahren haben, an andere weiter geben.

Haben sie, wie die meisten Menschen, noch Träume? „Ein Haus mit Garten kaufen“, antwortet Roland – und denkt dabei an einen Schrebergarten. Er züchtet gern Gemüse und hat im Innenhof vor der Wohnung jetzt Pflanzkisten aufgestellt. Jürgen Donner kann sich gut vorstellen, dass Roland Zoto für einen Schrebergarten-Besitzer eine große Hilfe sein kann: „Vielleicht meldet sich ja jemand.“

Eliona ist es ein Bedürfnis, allen Unterstützern noch einmal ausdrücklich zu danken: „Wir danken dem Staat und der Stadt Bassum, Herrn Donner, Hella Schulenberg, Fitore Ajeti und der Familie Prebreza, Sven Bergmann, Karin Rickers und Sibille Knoerig...“ Dann schreibt Eliona noch die Namen ihrer drei Freundinnen hinzu: „Karla Kühn, Rokan Hussein und Zyrafete Haziri.“

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