Sachverständiger soll Bassumer beurteilen

Landgericht setzt Prozess gegen betrunkenen Motorradfahrer aus

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Vor dem Landgericht Verden muss sich ein 42-Jähriger gleich wegen mehrerer Vergehen verantworten.

Bassum/Verden - Von Wiebke Bruns. „Zu viel getrunken, und dann hat der Verstand wieder ausgesetzt“, so versuchte am Montag kleinlaut ein 42 Jahre alter Angeklagter aus Bassum am Landgericht Verden seine Taten zu erklären.

Gestanden hat er, im Juni 2017 nachts mit seinem Motorrad mindestens sechsmal an seinem Wohnsitz eine Straße rauf und runter gefahren zu sein. Dabei war er jedoch betrunken, hatte keinen Führerschein und stand unter dreifacher Bewährung.

Das Amtsgericht Syke verurteilte ihn im Januar 2018 zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe. Wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Straßenverkehr, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. Der Angeklagte legte daraufhin Rechtsmittel ein.

Laut erstinstanzlichem Urteil war der 42-Jährige die Straße immer wieder rauf und runtergefahren und hatte in der Garage den Motor aufheulen lassen. Als die Polizei gegen 6 Uhr eintraf, parkte das Motorrad wieder in der Garage. 

Morgens um kurz vor acht hatte der Mann 2,11 Promille

Die Beamten mussten den Mann somit nicht mehr am Fahren, sondern am Trinken hindern, was ihm offenbar so gar nicht passte. Der arbeitslose Handwerker leistete Widerstand, die Beamten sollen Pfefferspray eingesetzt haben. Eine Blutprobe gegen 7.48 Uhr soll einen Blutalkoholwert von 2,11 Promille ergeben haben.

„Was das Amtsgericht festgestellt hat, trifft zu“, erklärte Verteidiger René Lancker am Montag. Sein Mandant habe in jener Nacht massiv getrunken. Gefahren sei er reinweg aus Spaß an der Freud. „Warum er das gemacht hat, war ihm hinterher auch schleierhaft“, so der Strafverteidiger.

„Sie haben nicht nur ein Problem mit dem Alkohol und dem Fahren ohne Fahrerlaubnis, sondern auch mit Polizeibeamten“, stellte der Vorsitzende Richter Joachim Lotz fest und spielte damit auf zig Fälle des Missbrauchs von Notrufen aus der Vergangenheit an. „Sie tun nicht, was die wollen, aber wollen deren Hilfe. Das ist ambivalent. „Alkohol setzt die Vernunft und Logik völlig außer Kraft“, erwiderte der Angeklagte.

42-Jähriger hat 14 Eintragungen im Bundeszentralregister

Ziel der Berufung ist eine weitere Strafaussetzung zur Bewährung. Verteidiger Lancker argumentierte damit, dass sein Mandant aktuell eine stationäre Therapie mache. „Die Ansage des Amtsgerichts war deutlich. Wenn er das nicht in den Griff bekommt, ist es klar, wo die Reise hingeht.“ 

Er kennt den Angeklagten, der es bereits auf 14 Eintragungen im Bundeszentralregister gebracht hat, schon länger. Erstmalig fühle sich sein Mandant bei der Therapie wohl.

Er könne sich an keinen Fall mit drei offenen Bewährungen erinnern, gab Oberstaatsanwalt Thomas Löding zu bedenken. Nach Aktenlage habe er keine Möglichkeit für eine weitere Bewährung gesehen. Doch am Ende der Sitzung wurde der Prozess ausgesetzt. Der alkoholkranke Mann soll von einem Sachverständigen begutachtet werden, bevor das Gericht ein Urteil fällt.

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